89: warten
Die nächsten Stunden verschwimmen im Nebel. Alena sitzt in der Eingangshalle des Präsidiums und wartet. Sie nimmt nichts von dem wahr, was um sie herum geschieht, nicht den geschäftigen Beamten, der am Telefon hinter dem mit Panzerglas gesicherten Schalter sitzt, nicht den jungen Typen, der sich gegen die beiden Polizisten wehrt, die ihn durch die Halle zum Aufzug schleppen. Als wenn ich im Krankenhaus auf das Ende einer lebensgefährlichen Operation warte, fährt es durch ihren Kopf.
Kaspar wird von Pia verhört. Alena muss wissen, was dann mit ihm geschieht. Sie kann jetzt nicht nach hause gehen. Nervös spielt sie mit ihren Locken, dreht sie um die Finger und zerrt an den Strähnen, bis es weh tut. Muss Kaspar über Nacht hier bleiben? Wird er angeklagt? Vor Gericht gestellt? Ihr Mund ist trocken. In der Ecke des Raumes steht ein Wasserbehälter mit kleinen, kegelförmigen Pappbechern. Sie zwingt sich dazu, einen Becher mit Wasser zu holen und fährt zusammen, als die Luftblase mit einem lauten Glucksen nach oben steigt. Hastig trinkt sie das metallisch schmeckende Wasser und füllt den Becher erneut. Sie setzt sich zurück auf den gleichen Plastikstuhl.
Kaspar hat die Briefe geschrieben. Nur langsam begreift Alena. Kaspar hat die Drohbriefe an Schwarz geschickt. Der anfängliche Schock weicht Wut. Du Vollidiot, denkt sie, du verdammter Schwachkopf. So ein Irrsinn. Sie verspürt den Drang gegen irgend etwas zu treten, aber sie knüllt nur den leeren Pappkegel zusammen, quetscht ihn mit aller Kraft in der Hand, bis ihre Finger weh tun. Das bringt keine Abhilfe, die Wut hämmert weiter gegen ihre Rippen.
Warum hat sie nichts gemerkt? Warum hat er ihr nichts gesagt? Vielleicht hätte sie seine Beweggründe verstanden, wenn er sich die Mühe gemacht hätte, es ihr zu erklären. Aber hätte sie es verstanden? Hätte sie eine solche Aktion wirklich nachvollziehen können? Irgendwie bezweifelt Alena das. Es kommt ihr vollkommen irrational vor. Wie kommt Kaspar darauf, dass Schwarz nach Empfang der Briefe bereit gewesen wäre, doch mit ihm zu reden? Die Chancen wären minimal gewesen. Nein, das war nicht das einzige Motiv, denkt Alena plötzlich und ihre Wut ist wie weggeblasen. 70 Prozent war Rache. An dem Mann, von dem Kaspar überzeugt gewesen war, dass er Marianne Wagenbach so lange gejagt hatte, bis sie hinter einer unüberwindbaren Mauer Zuflucht suchen musste. Der Mann, der Kaspars Mutter endgültig aus seinem Leben entfernte. Er sollte genauso leiden, wie Kaspar gelitten hatte.
Gänsehaut kriecht über Alenas Rücken. Als Kaspar von Frau Dahlem erfahren hat, dass Schwarz seine Mutter nicht verfolgt, sondern ihr geholfen hatte, muss ihn das wie ein Schlag getroffen haben. Er hatte den Falschen gequält. Jetzt kämpft sich noch ein Gedanke unbarmherzig in den Vordergrund. Vielleicht würde Schwarz noch leben, wenn Kaspar die Briefe nicht geschrieben hätte. Die Drohbriefe waren Anlass für Schwarz gewesen, Nachforschungen aufzunehmen. Und im Zuge dieser Ermittlungen ist er erschossen worden. Er muss etwas oder jemanden aufgestört haben. Alena presst die Handballen gegen ihre Augen. Kaspar, verdammt.
Sie denkt nicht einen Moment daran, dass Kaspar selbst der Mörder sein könnte.
Kaspar wird von Pia verhört. Alena muss wissen, was dann mit ihm geschieht. Sie kann jetzt nicht nach hause gehen. Nervös spielt sie mit ihren Locken, dreht sie um die Finger und zerrt an den Strähnen, bis es weh tut. Muss Kaspar über Nacht hier bleiben? Wird er angeklagt? Vor Gericht gestellt? Ihr Mund ist trocken. In der Ecke des Raumes steht ein Wasserbehälter mit kleinen, kegelförmigen Pappbechern. Sie zwingt sich dazu, einen Becher mit Wasser zu holen und fährt zusammen, als die Luftblase mit einem lauten Glucksen nach oben steigt. Hastig trinkt sie das metallisch schmeckende Wasser und füllt den Becher erneut. Sie setzt sich zurück auf den gleichen Plastikstuhl.
Kaspar hat die Briefe geschrieben. Nur langsam begreift Alena. Kaspar hat die Drohbriefe an Schwarz geschickt. Der anfängliche Schock weicht Wut. Du Vollidiot, denkt sie, du verdammter Schwachkopf. So ein Irrsinn. Sie verspürt den Drang gegen irgend etwas zu treten, aber sie knüllt nur den leeren Pappkegel zusammen, quetscht ihn mit aller Kraft in der Hand, bis ihre Finger weh tun. Das bringt keine Abhilfe, die Wut hämmert weiter gegen ihre Rippen.
Warum hat sie nichts gemerkt? Warum hat er ihr nichts gesagt? Vielleicht hätte sie seine Beweggründe verstanden, wenn er sich die Mühe gemacht hätte, es ihr zu erklären. Aber hätte sie es verstanden? Hätte sie eine solche Aktion wirklich nachvollziehen können? Irgendwie bezweifelt Alena das. Es kommt ihr vollkommen irrational vor. Wie kommt Kaspar darauf, dass Schwarz nach Empfang der Briefe bereit gewesen wäre, doch mit ihm zu reden? Die Chancen wären minimal gewesen. Nein, das war nicht das einzige Motiv, denkt Alena plötzlich und ihre Wut ist wie weggeblasen. 70 Prozent war Rache. An dem Mann, von dem Kaspar überzeugt gewesen war, dass er Marianne Wagenbach so lange gejagt hatte, bis sie hinter einer unüberwindbaren Mauer Zuflucht suchen musste. Der Mann, der Kaspars Mutter endgültig aus seinem Leben entfernte. Er sollte genauso leiden, wie Kaspar gelitten hatte.
Gänsehaut kriecht über Alenas Rücken. Als Kaspar von Frau Dahlem erfahren hat, dass Schwarz seine Mutter nicht verfolgt, sondern ihr geholfen hatte, muss ihn das wie ein Schlag getroffen haben. Er hatte den Falschen gequält. Jetzt kämpft sich noch ein Gedanke unbarmherzig in den Vordergrund. Vielleicht würde Schwarz noch leben, wenn Kaspar die Briefe nicht geschrieben hätte. Die Drohbriefe waren Anlass für Schwarz gewesen, Nachforschungen aufzunehmen. Und im Zuge dieser Ermittlungen ist er erschossen worden. Er muss etwas oder jemanden aufgestört haben. Alena presst die Handballen gegen ihre Augen. Kaspar, verdammt.
Sie denkt nicht einen Moment daran, dass Kaspar selbst der Mörder sein könnte.
Flannery Culp - 27. Mär, 18:58