84: shopping

Alena hört ein Rascheln hinter dem Vorhang und vermutet, dass Pia jetzt das Kleid überstreift. „Über die RAF? Und, haben Sie Klarheit erlangt?“ – „Vielleicht,“ murmelt Alena. Pias Stimme klingt dumpf durch den Stoff. „Und was ist mit Kaspar Wagenbach? Ist Ihnen in dieser Hinsicht auch etwas klar geworden?“ – „Wie meinen Sie das,“ fragt Alena und spürt, wie ihr Gesicht warm wird. Pias verstrubbelter blonder Haarschopf taucht zwischen den Vorhängen auf. „Ich habe ehrlich gesagt nie begriffen, was Sie eigentlich für eine Beziehung haben. Geht mich auch gar nichts an, aber neugierig bin ich schon. Waren Sie immer nur Freunde?“ Alena starrt einen Moment in ein für Pia ungewohnt freundliches Gesicht. Dann antwortet sie vorsichtig: „Wir hatten nie eine sexuelle Beziehung, wenn Sie das meinen, aber ob wir Freunde waren oder sind, kann ich Ihnen auch nicht sagen.“ Pia zieht die Augenbrauen hoch und verschwindet wieder hinter dem Vorhang. „Er ist ziemlich schräg. Nicht unbedingt der Typ, mit dem ich meine Freizeit verbringen möchte. Aber Sie setzen da wahrscheinlich andere Kriterien an.“

Pia kommt aus der Kabine, stellt sich vor Alena und stemmt demonstrativ die Hände auf ihre Hüften. Das schwarze Etuikleid ist kniekurz und passt wie angegossen. Alena nimmt überrascht wahr, wie anders Pia in dem Kleid aussieht. Sie denkt plötzlich daran, dass Pias gesamte Bekleidung gewöhnlich bis ins Detail geplant ist. Die strenge Eleganz und die hellen Farben, die Alena an ihr kennt, betonen das Analytische und Zielbewusste an Pia, ein enger Bleistiftrock wird bewusst zur Manipulation eingesetzt und gut geschnittene Hosen mit tailliertem Blazer dienen als Uniform, die die Bedeutung zur Geltung bringt, die Pia so selbstverständlich für sich beansprucht.

Jetzt steht eine zierliche Pia vor ihr, fast mädchenhaft mit den kurzen blonden Haaren und seltsam verletzlich. Alena beginnt zu lächeln. „Steht Ihnen gut,“ sagt sie. Pia betrachtet sie nachdenklich und dreht sich dann zu dem Spiegel um, der neben den Umkleiden hängt. „In der Tat,“ murmelt sie. Ihre Augen werden schmal als sie an ihren Haaren zupft um den fragilen Effekt noch zu verstärken. „Vielleicht ist das genau das Kleid, das ich für dieses verdammte Abendessen brauche. Glauben Sie, dass dieses Kleid hilfreich dabei ist, ein paar brauchbare Informationen aus den hoch spezialisierten und völlig weltfremden Kollegen meines Mannes herauszuholen?“

Alena seufzt. „Ich dachte, Sie wollten einfach hübsch aussehen. Und was für Informationen erwarten Sie von einem Universitätsabendessen? Glauben Sie, man hilft Ihnen dort den Fall zu lösen?“ Pia wendet ihren Kopf und grinst Alena an. Ihre blauen Augen funkeln. „Vielleicht,“ sagt sie geheimnisvoll. Dann wird sie ernst. „Es ist ziemlich unwahrscheinlich, aber eine winzige Spur führt auch zur Universität. Koch könnte mal dort studiert haben. Und er könnte sich auch noch in Altenburg aufhalten. Es ist alles sehr vage, aber wenn ich schon dazu gezwungen bin, an dieser todlangweiligen Veranstaltung teilzunehmen, kann ich auch das Beste daraus machen.“

das Projekt Krimi-Blog

AUS DEN CHAOTISCHEN WINDUNGEN EINES KRIMIVERSEUCHTEN HIRNS BOHRT SICH EIN WEITERER ROMAN AN DIE DIGITALE OBERFLÄCHE EINES BLOGS. WIE SCHON IM VORGÄNGER „ZAHLEN UND ZEICHEN“ SOLL DAS SCHREIBEN EINES KRIMINALROMANS MIT DER PRAXIS DES BLOGGENS VERBUNDEN WERDEN. DAS BEDEUTET, DASS DER PLOT IN DEN GRUNDZÜGEN FESTSTEHT, DER KRIMI JEDOCH NICHT BEREITS FIX UND FERTIG IN DER SCHUBLADE LIEGT, SONDERN SICH IM SCHREIBEN ENTWICKELT. WAS GESCHRIEBEN WIRD, WIRD KURZ DARAUF GEBLOGGT, IST DAMIT FAKTISCH, UND WIRD NUR IN AUSNAHMEFÄLLEN (SEHR PEINLICHE TIPPFEHLER) GEÄNDERT. ERGÄNZT WIRD DAS GANZE DURCH METATEXT UND LINKS. EUCH UND MIR ALSO VIEL SPAß BEI „SPUREN UND STERNE“.

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