76: Konfrontationen
Einen Moment lang schauen Alena und Kaspar sich in die Augen, als suchen sie etwas Vertrautes. „Warum bist du hier,“ versucht es Alena noch einmal. Sie spürt den forschenden Blicke von Brigitte Dahlem und wünscht sich, sie wäre mit Kaspar allein im Zimmer. „Ich wollte mit ihr reden,“ antwortet Kaspar ausweichend. Er hat dunkle Ringe unter den Augen. „Über deine Mutter,“ fragt Alena vorsichtig. Kaspar nickt. Alena denkt daran, dass sie ihm von der Bemerkung der Ex-Terroristin erzählt hat und erkennt, dass ihn diese Bemerkung nicht losgelassen hat. Sie hätte es sich denken können. Vielleicht hat sie ihm einfach nicht zugetraut, den Weg allein zu Brigitte Dahlem zu finden. Warum eigentlich nicht, wundert sie sich nun. Kaspar sieht zur der in Schwarz gekleideten Frau hinüber. „Der Wagen, der vor Ihrer Tür stand. Das passt zu der Vermutung der Kommissarin. Vielleicht sollten Sie zu ihr gehen.“ Während Alena fragend in die Runde schaut, beginnt Frau Dahlem laut zu lachen. Es ist ein hartes, verächtliches Lachen.
„Was für ein Kind du bist,“ sagt sie zu Kaspar.
„Was für ein Auto,“ fragt Alena. Als die Dahlem nicht antwortet, sagt Kaspar: „Sie hat einen Wagen beobachtet, der seit einigen Tagen abends vor dem Haus steht und es offensichtlich observiert.“ Wieder schaut er eindringlich Brigitte Dahlem an. „Sie haben nicht nur ein Recht darauf, von der Polizei beschützt zu werden, Sie könnten mit diesem Hinweis auch dazu beitragen, dass der Täter gefunden wird. Wenn Sie es nicht gewesen sind, haben Sie doch ein Interesse daran, dass Sie von allen Verdächtigungen freigesprochen werden.“
Brigitte Dahlem nimmt einen tiefen Zug von der Zigarette und beginnt zu husten. Mit heiserer Stimme sagt sie: „Ich habe überhaupt keine Rechte. Kapier es doch endlich, ich bin der Staatsfeind. Ich habe dafür gekämpft, dass sich in diesem faschistischen Staat was ändert, und das werden sie nie vergessen. Und wenn ich krepier, dann ist es in ihrem Interesse. Vielleicht sitzt auch ein Bulle in diesem Wagen, hast du schon mal daran gedacht? Vielleicht beobachten sie mich und warten darauf, dass ich einen Fehler mache. Oder es ist der Verfassungsschutz.“ Sie hustet noch einmal, es hört sich an wie ein Reibeisen. „Wir leben in einem Überwachungsstaat,“ ergänzt sie. Dann erscheint ein Ausdruck von Stolz auf ihrem Gesicht. „Und ich will keine Hilfe von den faschistischen Kapitalisten. Ich will nichts mit diesem Bullenstaat zu tun haben. Vielleicht habe ich aufgehört zu kämpfen, aber das heißt noch lange nicht, dass ich die ganze Scheiße, die hier läuft, akzeptiere.“
Alena sieht sie nachdenklich an. „Haben Sie eine Waffe,“ fragt sie dann. Brigitte Dahlem lächelt dünn. „Ich habe längst durchschaut, was du bist. Du bist ein Spitzel. Vielleicht weißt du es selbst noch nicht, aber ich erkenne einen Spitzel, wenn ich ihn sehe.“ Sie wendet sich zu Kaspar und schaut ihn durchdringend an. „Ich hoffe du weißt, auf welcher Seite sie steht.“
Kaspar atmet tief ein. „Alena ist kein Spitzel. Du kennst sie nicht und du kannst sie nicht mit irgendwelchen Leuten vergleichen. Sie,“ er sucht nach den richtigen Worten. „Sie steht ein wenig neben der Realität. Wenn sie dich solche Sachen fragt, dann will sie dich nicht bespitzeln. Niemand kann nachvollziehen, was sie denkt, aber sie will sicherlich niemand etwas Böses.“
Alena starrt ihn an. Seit wann duzen sich die beiden eigentlich, ist ihre erste Reaktion. Dann durchfährt sie fast so etwas wie Erleichterung. Kaspar steht noch immer zu ihr, irgendwie. Sie kann nicht behaupten, dass seine Beschreibung von ihr ihrem Selbstbild entspricht, aber er hat ein gutes Wort für sie eingelegt und dass ist ein positives Zeichen. Er hat sich noch nicht unerreichbar von ihr entfernt.
Brigitte Dahlem runzelt die Stirn. „Das sie ein bisschen spinnt, ist mir klar. Aber das bedeutet in meinen Augen nicht, dass sie weniger gefährlich ist. Sie erzählt diesem Pig vielleicht Sachen, die mich in Schwierigkeiten bringen, und kriegt das gar nicht mit.“ Nun hat Alena definitiv genug davon, dass man von ihr in der dritten Person redet. „Ich spinne nicht und ich weiß ziemlich gut, was ich tue,“ erklärt sie würdevoll. Sie reckt sich ein wenig in die Höhe. „Und wenn ich Frau Stein-Bachmüller erzähle, dass ein Wagen vor Ihrer Tür steht, dann nur weil ich es für richtig halte, etwas zu unternehmen. Ich bin nämlich nicht der Ansicht, dass Sie der Mörder von Burg und Schwarz sind und kann mir daher gut vorstellen, dass Sie die Nächste sind, für die ein schwarzer Plastiksack zurecht gelegt wird. Vielleicht kann ich Ihre kruden Revolutionswünsche nicht teilen, aber ich habe generell etwas dagegen, dass ein Unschuldiger stirbt.“
Brigitte Dahlem lacht ihr ins Gesicht. „Der schwarze Sheriff,“ spottet sie und Alena steigt das Blut in den Kopf. Ärgerlich sagt sie: „Und dieses ganze Geschwätz von wegen Staatsfeind. Glauben Sie nicht, dass man Sie für so wichtig hält. Sie sind nur eine alte Frau, die Hartz IV bekommt, wie tausend Andere. Ihre Zeit ist vorbei, keiner interessiert sich mehr für das Revolutionsgewäsch von gestern.“
„Was für ein Kind du bist,“ sagt sie zu Kaspar.
„Was für ein Auto,“ fragt Alena. Als die Dahlem nicht antwortet, sagt Kaspar: „Sie hat einen Wagen beobachtet, der seit einigen Tagen abends vor dem Haus steht und es offensichtlich observiert.“ Wieder schaut er eindringlich Brigitte Dahlem an. „Sie haben nicht nur ein Recht darauf, von der Polizei beschützt zu werden, Sie könnten mit diesem Hinweis auch dazu beitragen, dass der Täter gefunden wird. Wenn Sie es nicht gewesen sind, haben Sie doch ein Interesse daran, dass Sie von allen Verdächtigungen freigesprochen werden.“
Brigitte Dahlem nimmt einen tiefen Zug von der Zigarette und beginnt zu husten. Mit heiserer Stimme sagt sie: „Ich habe überhaupt keine Rechte. Kapier es doch endlich, ich bin der Staatsfeind. Ich habe dafür gekämpft, dass sich in diesem faschistischen Staat was ändert, und das werden sie nie vergessen. Und wenn ich krepier, dann ist es in ihrem Interesse. Vielleicht sitzt auch ein Bulle in diesem Wagen, hast du schon mal daran gedacht? Vielleicht beobachten sie mich und warten darauf, dass ich einen Fehler mache. Oder es ist der Verfassungsschutz.“ Sie hustet noch einmal, es hört sich an wie ein Reibeisen. „Wir leben in einem Überwachungsstaat,“ ergänzt sie. Dann erscheint ein Ausdruck von Stolz auf ihrem Gesicht. „Und ich will keine Hilfe von den faschistischen Kapitalisten. Ich will nichts mit diesem Bullenstaat zu tun haben. Vielleicht habe ich aufgehört zu kämpfen, aber das heißt noch lange nicht, dass ich die ganze Scheiße, die hier läuft, akzeptiere.“
Alena sieht sie nachdenklich an. „Haben Sie eine Waffe,“ fragt sie dann. Brigitte Dahlem lächelt dünn. „Ich habe längst durchschaut, was du bist. Du bist ein Spitzel. Vielleicht weißt du es selbst noch nicht, aber ich erkenne einen Spitzel, wenn ich ihn sehe.“ Sie wendet sich zu Kaspar und schaut ihn durchdringend an. „Ich hoffe du weißt, auf welcher Seite sie steht.“
Kaspar atmet tief ein. „Alena ist kein Spitzel. Du kennst sie nicht und du kannst sie nicht mit irgendwelchen Leuten vergleichen. Sie,“ er sucht nach den richtigen Worten. „Sie steht ein wenig neben der Realität. Wenn sie dich solche Sachen fragt, dann will sie dich nicht bespitzeln. Niemand kann nachvollziehen, was sie denkt, aber sie will sicherlich niemand etwas Böses.“
Alena starrt ihn an. Seit wann duzen sich die beiden eigentlich, ist ihre erste Reaktion. Dann durchfährt sie fast so etwas wie Erleichterung. Kaspar steht noch immer zu ihr, irgendwie. Sie kann nicht behaupten, dass seine Beschreibung von ihr ihrem Selbstbild entspricht, aber er hat ein gutes Wort für sie eingelegt und dass ist ein positives Zeichen. Er hat sich noch nicht unerreichbar von ihr entfernt.
Brigitte Dahlem runzelt die Stirn. „Das sie ein bisschen spinnt, ist mir klar. Aber das bedeutet in meinen Augen nicht, dass sie weniger gefährlich ist. Sie erzählt diesem Pig vielleicht Sachen, die mich in Schwierigkeiten bringen, und kriegt das gar nicht mit.“ Nun hat Alena definitiv genug davon, dass man von ihr in der dritten Person redet. „Ich spinne nicht und ich weiß ziemlich gut, was ich tue,“ erklärt sie würdevoll. Sie reckt sich ein wenig in die Höhe. „Und wenn ich Frau Stein-Bachmüller erzähle, dass ein Wagen vor Ihrer Tür steht, dann nur weil ich es für richtig halte, etwas zu unternehmen. Ich bin nämlich nicht der Ansicht, dass Sie der Mörder von Burg und Schwarz sind und kann mir daher gut vorstellen, dass Sie die Nächste sind, für die ein schwarzer Plastiksack zurecht gelegt wird. Vielleicht kann ich Ihre kruden Revolutionswünsche nicht teilen, aber ich habe generell etwas dagegen, dass ein Unschuldiger stirbt.“
Brigitte Dahlem lacht ihr ins Gesicht. „Der schwarze Sheriff,“ spottet sie und Alena steigt das Blut in den Kopf. Ärgerlich sagt sie: „Und dieses ganze Geschwätz von wegen Staatsfeind. Glauben Sie nicht, dass man Sie für so wichtig hält. Sie sind nur eine alte Frau, die Hartz IV bekommt, wie tausend Andere. Ihre Zeit ist vorbei, keiner interessiert sich mehr für das Revolutionsgewäsch von gestern.“
Flannery Culp - 3. Mär, 19:39