38: Pias Zwischenüberlegungen

Zufrieden hängt Pia den Hörer auf. „Lang ist sicher, dass Schwarz und Burg mit der gleichen Waffe getötet wurden. Und er würde sich jetzt außerdem eher auf Dienstag Nacht festlegen, was den Todeszeitpunkt angeht.“ Dann erinnert sie sich an etwas: „Haben Sie Wagenbach erreicht?“ Riesel nickt. „Er war nicht sonderlich begeistert von der Einladung und hat ein wenig herumgedruckst, aber er kommt heute Nachmittag um Drei, mit dem überdeutlichen Hinweis, dass er um fünf auf der Arbeit sein muss.“ Pia zuckt mit den Schultern. „Wir werden sehen.“ Ungeduldig blättert sie durch ihre Notizen. „Was haben wir bis jetzt? Einen toten Ex-Terroristenjäger und einen toten Ex-Terroristen. Hat der Ex-Terrorist den Ex-Polizisten getötet und wurde dann von einem Mitwisser oder Komplizen getötet, mit der gleichen Waffe, mit der auch Schwarz erschossen wurde? Wurden beide von einem dritten getötet? Von wem? Wer ist noch übrig von unserem munteren Quartett?“ Riesel murmelt die Namen Dahlem und Koch. „Robert Koch, der sich angeblich in Euskirchen aufhalten soll. Haben Sie diesen ominösen Harald ausfindig gemacht?“ Zurückhaltendes Kopfschütteln. „Ich habe keinen Harald beim BKA gefunden, mit dem Schwarz bekannt war. Wenn Harald bei einer anderen Behörde arbeitet, können wir lange suchen.“ – „Können Sie lange suchen,“ präzisiert Pia. Nachdenklich ergänzt sie: „Wenn wir diesen Harald finden, kann er wohlmöglich den Aufenthaltsort von Koch konkretisieren.“ Sie sieht aus dem Fenster, das auf den Innenhof der Dienststelle hinausgeht. Hinter der Betonmauer, die das Gelände einschließt, kann sie die Bäume des umliegenden Parks erkennen, dunkelgrüne Baumwipfel, in denen die Mittagssonne spielt. Für eine Sekunde schweifen ihre Gedanken in die Toskana, wo sie mit Christopher die letzten beiden Wochen verbracht hat. Sehr ruhige, sonnige Tage, fast schwerelos. Momente des Lachens, des unbeschwerten Plapperns, in denen sie wieder die Verbindung zu Christopher spürte, die in den letzten Jahren so dünn geworden ist. Momente, in denen sie sich selbst kaum wieder erkannte. „Vielleicht sollte ich die Unterlagen von Schwarz noch einmal durchgehen. Es könnte ja doch einen Hinweis auf die neue Identität von Koch geben, die bisher übersehen wurde.“ Riesels Vorschlag holt sie zurück in das Heute, zu den beiden Leichen und zu Briefen, die ein Stern mit einer Maschinenpistole ziert. „Es kann nichts schaden,“ murmelt sie und Riesel wartet vergeblich auf eventuelle zynische Spitzen. Stattdessen führt sie ihre Überlegungen fort, noch immer mit Blick aus dem Fenster. „Angenommen Koch ist der Mörder von Schwarz. Warum hat er die Briefe geschrieben? Wollte er sich an Schwarz rächen, ihm seine Pensionierung versauen? Aber ihm musste doch auch klar sein, dass er ihn aus der Reserve locken würde? Hat er es darauf ankommen lassen, wollte er vielleicht entdeckt werden, wollte er eine Art Shoot Out?“ Dann überzieht Frust ihr Gesicht. Riesel zugewandt erklärt sie: „Wir haben noch nichts, außer den zwei Leichen, einem Haufen Briefe, die uns nicht weiter bringen und eine Verdächtige, die nicht mit uns reden will.“ Eine leichte Falte erscheint zwischen ihren Augen, die ihr ein bedrohliches Aussehen verleihen. „Vielleicht kann uns ja Herr Wagenbach auf die Sprünge helfen.“

das Projekt Krimi-Blog

AUS DEN CHAOTISCHEN WINDUNGEN EINES KRIMIVERSEUCHTEN HIRNS BOHRT SICH EIN WEITERER ROMAN AN DIE DIGITALE OBERFLÄCHE EINES BLOGS. WIE SCHON IM VORGÄNGER „ZAHLEN UND ZEICHEN“ SOLL DAS SCHREIBEN EINES KRIMINALROMANS MIT DER PRAXIS DES BLOGGENS VERBUNDEN WERDEN. DAS BEDEUTET, DASS DER PLOT IN DEN GRUNDZÜGEN FESTSTEHT, DER KRIMI JEDOCH NICHT BEREITS FIX UND FERTIG IN DER SCHUBLADE LIEGT, SONDERN SICH IM SCHREIBEN ENTWICKELT. WAS GESCHRIEBEN WIRD, WIRD KURZ DARAUF GEBLOGGT, IST DAMIT FAKTISCH, UND WIRD NUR IN AUSNAHMEFÄLLEN (SEHR PEINLICHE TIPPFEHLER) GEÄNDERT. ERGÄNZT WIRD DAS GANZE DURCH METATEXT UND LINKS. EUCH UND MIR ALSO VIEL SPAß BEI „SPUREN UND STERNE“.

Und hier gehts zum Anfang

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Archivierung Ihres Blog-Krimis,...
Das Deutsche Literaturarchiv verfolgt mit Interesse...
Jochen Walter (Gast) - 26. Feb, 11:52
Off topic: Anfrage des...
Das Deutsche Literaturarchiv verfolgt mit Interesse...
Jochen Walter - 25. Mai, 13:12
Das Ende eines Blog-Krimis
und ich bin ein bisschen wehmütig, weil es mir viel...
Flannery Culp - 13. Mai, 20:54
113: Ende
Die Sonne scheint heiß, vielleicht zum letzten Mal...
Flannery Culp - 12. Mai, 14:00
112: Auf-Lösung
„Schwarz hat die Adressen von Burg und der Dahlem herausbekommen...
Flannery Culp - 7. Mai, 21:21

Links (Der Betreiber dieses Blogs übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche gegen den Betreiber dieses Blogs, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich ausgeschlossen.)

Suche

 

Status

Online seit 6810 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 26. Feb, 11:52

Credits

RSS Box


Kapitel Drei
Kapitel Eins
Kapitel Fünf
Kapitel Sechs
Kapitel Vier
Kapitel Zwei
Metablog
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren