18: Verwandte
Zurück im Büro findet Pia Riesel mit verbissenem Gesicht am Rechner. „Ist das Protokoll schon fertig,“ fragt sie kühl und Riesel hebt alarmiert den Kopf in ihre Richtung. „Ich war gerade bei einer Recherche,“ stottert er; dann hellt sich sein Gesicht auf. „Ich haben einen Weg aus der Sackgasse gesucht und vielleicht etwas gefunden. Sie hatten gestern erwähnt, dass ich auch nach Verwandten suchen soll und darauf habe ich mich gerade konzentriert. Burg ist kinderlos, keine Frau. Der Vater ist verstorben und die Mutter sitzt in einem Altenheim in Süddeutschland. Ich habe schon mit dem Heim telefoniert. Maria Burg bekommt nichts mehr mit, Demenz. Laut Aussage von der Leiterin hat sich ihr Sohn noch nie dort gemeldet und sie kann sich nicht daran erinnern, dass Maria Burg jemals Besuch hatte. Brigitte Dahlem ist ebenfalls unverheiratet und hat keine Kinder. Eltern verstorben. Hoffmann scheint ebenfalls keine Kinder zu haben. Die Mutter lebt in der Nähe von Hamburg, ist noch rüstig, aber es ist wohl nicht davon auszugehen, dass sie in ihrem Alter noch den Tod ihres Sohnes rächen möchte. Hoffmann hat einen Bruder, der in Blankenese wohnt, Banker ist und Frau und Kinder hat. Ich kann ihn natürlich anrufen, aber irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass er besonders scharf darauf ist, auch nur an seinen Terroristenbruder erinnert zu werden.“ Riesel grinst und Pia senkt sieht ihn mit übertriebener Erwartung an. „Das ist wirklich unglaublich spannend. Aber Sie erwähnten vor dem Generationenvortrag, dass Sie erfolgreich gewesen seien. Bisher scheinen sich die Sackgassen eher vervielfacht zu haben.“ Riesel nickt eifrig. „Da ist noch Marianne Wagenbach. Sie war nicht verheiratet, aber sie hat einen Sohn, Kaspar Wagenbach. Der Sohn war allerdings fast von Beginn an in Heimen untergebracht. Wahrscheinlich hat er seine Mutter niemals kennen gelernt.“ Er blickt erwartungsvoll in Pias Richtung, die müde mit den Schultern zuckt. „Schön,“ murmelt sie und blättert in der Mordakte auf ihrem Schreibtisch. „Er wohnt in Altenburg,“ ergänzt Riesel triumphierend. Pias Kopf hebt sich langsam. „Gut, wenn es keine besonderen Reisekosten verursacht, können Sie sich den Sprössling ja mal ansehen. Aber jetzt schreiben Sie mir erst mal das Protokoll, ich muss heute noch Bericht erstatten bei Oberdorf.“ Sie schließt ihre Augen und murmelt etwas vor sich hin, aus dem Riesel das Wort „lästig“ herausfiltern kann. Er lächelt, als er sich wieder dem PC zuwendet. Der Gedanke, dass seine ungeliebte Kollegin auch mal unter Druck steht, ist ihm alles andere als unlieb.
„Sie hat eingewilligt,“ erklärt Kaspar fassungslos, den Telefonhörer immer noch in der Hand. Alena rutscht aufgeregt auf der Kante des Sofas herum. „Hab ich doch gesagt! Es war echt überzeugend, als du ihr erklärt hast, dass es diesmal nicht um deine Mutter geht, dass Du damals in einer sehr emotionalen Phase warst, heute aber erkannt hast, dass Dich Erkenntnisse über Deine Mutter persönlich nicht weiterbringen, sondern dass Du Deinen eigenen Weg gehen musst.“ Kaspar wird rot. „Habe ich das wirklich gesagt,“ murmelt er und Alena grinst. „So etwas ähnliches jedenfalls. Aber es ist gut rübergekommen, dass der Stein des Anstoßes, nämlich Deine Mutter, zu einem rein wissenschaftlichen Interesse mit der RAF geführt hat.“ Sie steht auf und kniet sich vor Kaspars Sessel. „Das Treffen ist morgen Mittag?“ Als Kaspar langsam nickt, steht sie auf. „Gut, ich bin dabei.“ Kaspars Kopf fliegt in ihre Richtung. „Davon war nie die Rede. Das kommt überhaupt nicht in Frage. Du hast nichts mit der Angelegenheit zu tun und es macht sie garantiert nur misstrauisch, wenn Du mitkommst.“ Auf Alenas Gesicht macht sich gut gespielte Überraschung breit. „Aber Du hast mich doch um meine Hilfe gebeten. Und ich habe alle Hebel in Bewegung gesetzt.“ Sie entscheidet sich, ihrem Gesichtsausdruck einen Anflug von Verletztheit zuzufügen. „Ich dachte Du möchtest, dass ich Dir auch weiterhin beistehe. Ich dachte es wäre einfacher für Dich, wenn ich bei dem Gespräch dabei bin.“ Jetzt eine Prise Entschlossenheit. „Zu Zweit können wir viel mehr von ihr erfahren. Du könntest mich als Deine Assistentin vorstellen, das macht gleich einen viel professionelleren Eindruck. Ich übernehme auch die Gesprächsnotizen, weil sie garantiert nicht möchte, dass wir das Gespräch aufnehmen.“ Kaspar starrt sie einen Moment an und verdreht dann die Augen. „Die Show hättest Du Dir sparen können. Ich bin Dir genauso wichtig, wie das Sofa da.“ Er runzelt die Stirn. „Als Du Deine Polizistenfreundin kontaktiert hast, hattest Du bestimmt nicht ausschließlich den Herzenswunsch, mir zu helfen. Der Grund war wohl eher,“ er stoppt und sieht sie an. „Ja, aus welchem Grund hast Du es eigentlich getan?“ Alena seufzt und lässt sich zurück auf das ausgesessene Sofa fallen. „Doch, ich wollte Dir helfen. Du hattest einen so verzweifelten Eindruck am Telefon gemacht.“ Sie lächelt. „Ich weiß, Du traust mir so viel Empathie nicht zu. Aber es war tatsächlich einer der Gründe. Der andere Grund ist natürlich, dass das alles total spannend ist. Ich bin einfach neugierig.“ Jetzt beginnen ihre Augen zu funkeln. „Der Mord in Verbindung mit einer alten Terrororganisation. Und dazu Du und Deine Mutter. Klar interessiert mich das.“ Nachlässig streicht sie sich eine Locke aus der Stirn. „Außerdem habe ich momentan nichts anderes zu tun. Die Sache könnte ein netter Pausenfüller werden.“
„Sie hat eingewilligt,“ erklärt Kaspar fassungslos, den Telefonhörer immer noch in der Hand. Alena rutscht aufgeregt auf der Kante des Sofas herum. „Hab ich doch gesagt! Es war echt überzeugend, als du ihr erklärt hast, dass es diesmal nicht um deine Mutter geht, dass Du damals in einer sehr emotionalen Phase warst, heute aber erkannt hast, dass Dich Erkenntnisse über Deine Mutter persönlich nicht weiterbringen, sondern dass Du Deinen eigenen Weg gehen musst.“ Kaspar wird rot. „Habe ich das wirklich gesagt,“ murmelt er und Alena grinst. „So etwas ähnliches jedenfalls. Aber es ist gut rübergekommen, dass der Stein des Anstoßes, nämlich Deine Mutter, zu einem rein wissenschaftlichen Interesse mit der RAF geführt hat.“ Sie steht auf und kniet sich vor Kaspars Sessel. „Das Treffen ist morgen Mittag?“ Als Kaspar langsam nickt, steht sie auf. „Gut, ich bin dabei.“ Kaspars Kopf fliegt in ihre Richtung. „Davon war nie die Rede. Das kommt überhaupt nicht in Frage. Du hast nichts mit der Angelegenheit zu tun und es macht sie garantiert nur misstrauisch, wenn Du mitkommst.“ Auf Alenas Gesicht macht sich gut gespielte Überraschung breit. „Aber Du hast mich doch um meine Hilfe gebeten. Und ich habe alle Hebel in Bewegung gesetzt.“ Sie entscheidet sich, ihrem Gesichtsausdruck einen Anflug von Verletztheit zuzufügen. „Ich dachte Du möchtest, dass ich Dir auch weiterhin beistehe. Ich dachte es wäre einfacher für Dich, wenn ich bei dem Gespräch dabei bin.“ Jetzt eine Prise Entschlossenheit. „Zu Zweit können wir viel mehr von ihr erfahren. Du könntest mich als Deine Assistentin vorstellen, das macht gleich einen viel professionelleren Eindruck. Ich übernehme auch die Gesprächsnotizen, weil sie garantiert nicht möchte, dass wir das Gespräch aufnehmen.“ Kaspar starrt sie einen Moment an und verdreht dann die Augen. „Die Show hättest Du Dir sparen können. Ich bin Dir genauso wichtig, wie das Sofa da.“ Er runzelt die Stirn. „Als Du Deine Polizistenfreundin kontaktiert hast, hattest Du bestimmt nicht ausschließlich den Herzenswunsch, mir zu helfen. Der Grund war wohl eher,“ er stoppt und sieht sie an. „Ja, aus welchem Grund hast Du es eigentlich getan?“ Alena seufzt und lässt sich zurück auf das ausgesessene Sofa fallen. „Doch, ich wollte Dir helfen. Du hattest einen so verzweifelten Eindruck am Telefon gemacht.“ Sie lächelt. „Ich weiß, Du traust mir so viel Empathie nicht zu. Aber es war tatsächlich einer der Gründe. Der andere Grund ist natürlich, dass das alles total spannend ist. Ich bin einfach neugierig.“ Jetzt beginnen ihre Augen zu funkeln. „Der Mord in Verbindung mit einer alten Terrororganisation. Und dazu Du und Deine Mutter. Klar interessiert mich das.“ Nachlässig streicht sie sich eine Locke aus der Stirn. „Außerdem habe ich momentan nichts anderes zu tun. Die Sache könnte ein netter Pausenfüller werden.“
Flannery Culp - 20. Okt, 20:20