Krimi im Blog: Teil 5
„Was ist mit der Kommode?“ Riesel nimmt sich die letzte Schublade vor. „Bisher nichts.“ Pia geht an ihm vorbei ins Schlafzimmer, das direkt an das Wohnzimmer angrenzt. Der Raum beinhaltet ein Einzelbett und einen Kleiderschrank. Neben dem Bett steht ein kleiner Nachttisch. An der Wand neben dem Kleiderschrank befindet sich ein einfacher Schreibtisch, auf dem vermutlich der PC stand. Davor einer der Küchenstühle. Das Zimmer wirkt spartanisch, fast unbewohnt. Die Einsamkeit, die die ganze Wohnung ausstrahlt, schnürt Pia plötzlich die Kehle zu. Waren die Tage von Schwarz nach der Pensionierung so trostlos wie diese Räume? Womit hat er sich beschäftigt? Sie öffnet die kleine Schublade des kieferfarbenen Nachttisches und findet darin nichts außer einer Packung Aspirin. Auf dem Tischchen steht ein Radiowecker. Sie drückt den Alarmknopf, der Wecker ist auf 7.00 programmiert. Straffer Tagesablauf. Disziplin ist wie eine Hängebrücke über dem Abgrund, psychologisiert sie wortlos. Sie hebt die Matratze an, die augenscheinlich nicht als Versteck diente. Auch unter dem Bett finden sich keine Kisten oder Koffer. Ein benutzter und zusammengefalteter Schlafanzug ist der einzige Hinweis auf den toten Bewohner. Aus dem Kleiderschrank strömt muffiger Geruch, die wenigen Hemden, Anzughosen und zwei Sakkos hängen ordentlich an der Kleiderstange. In Fächern liegen gefaltete Pullover, in einem Korb liegt Unterwäsche, in dem anderen Socken. Zwischen der Bekleidung findet Pia weder versteckte noch aussagekräftige Gegenstände. Sie wendet sich dem Schreibtisch zu. Die Schublade ist verschlossen. Pia sucht eine Weile nach dem Schlüssel, dann verliert sie die Geduld und knackt das einfache Schloss mit einer Büroklammer. Als sie die Schublade öffnet, sieht sie die Briefe. Die Adresse ist auf den Umschlag gedruckt, kein Absender. Der Rhythmus ihres Herzschlags beschleunigt sich. Sie weiß, das ist die gesuchte Spur. Sie hebt den obersten Umschlag auf und zieht langsam das gefaltete Blatt heraus. Worte in Blockbuchstaben schlagen in ihr Gesicht: „Scheißbulle, dich nehmen wir mit in die Hölle.“ Dann hält Pia den Atem an. Statt einer Unterschrift ist eine Zeichnung auf das Blatt gekritzelt. Ungelenk und flüchtig, zeigt sie einen roten Stern mit einer Maschinenpistole.
Flannery Culp - 28. Sep, 21:01