Krimi: Nr. 2
Die schweren dunkelroten Vorhänge sind fast zugezogen und lassen nur einen schmalen Strahl der morgendlichen Herbstsonne in das Zimmer. Der Lichtstrahl zieht sich auf dem Orientteppich entlang und fängt tanzenden Staub in sich, er trifft auf einen antiken drehbaren Schreibtischstuhl und berührt die Rückseite eines schwarzen Sweatshirts, ein wenig weiße Haut über dem weiten Ausschnitt, und dunkle, unordentliche Locken. Alena Brandenburg starrt mit brennenden Augen auf den Flachbildschirm, der vor ihr auf dem großen Mahagoni-Schreibtisch steht. Sie hat kaum geschlafen. Sie klickt die angefangene E-mail weg und liest erneut die unscheinbare, kurze Überschrift in der Internet-Ausgabe einer hiesigen Tageszeitung. „Pensionierter Hauptkommissar tot aufgefunden“. Der Artikel umfasst nur wenige Zeilen. „Der pensionierte Erste Hauptkommissar Otto Schwarz wurde Samstagmorgen von einem Bekannten tot in seiner Wohnung aufgefunden. Die Polizei machte bisher keine Angaben über die genauen Todesumstände. Schwarz leitete bis vor drei Jahren das Kriminalkommissariat „Organisierte Kriminalität“ der Altenburger Kriminalpolizei. Er wurde 67 Jahre alt.“ Gestern Abend entdeckte sie die Nachricht beim gelangweilten Surfen. Der Name war ihr aufgefallen, sie hatte ihn damals so oft gehört, in stundenlangen Gesprächen war er immer wieder gefallen. Wie bei einem Stein, der auf eine Glasscheibe trifft, entwickelte sich in ihrer Erinnerung ein Muster aus feinen Verästelungen und zog sich immer weiter. Die imaginäre Scheibe zersprang in dem Moment, als sich eine Verbindung zur Gegenwart andeutete, die seitdem wie ein Splitter in ihrem Bewusstsein steckt. Es ist ein winziger Splitter, aber er beunruhigt sie. Vor allem in Verbindung mit der lapidaren Zeile: Bisher keine Angaben über die genauen Todesumstände. Wenn er eines natürlichen Todes gestorben wäre, hätte man es an die Zeitungen weitergegeben, denkt sie. Also ist er keines natürlichen Todes gestorben. Die rationale Seite in ihr sagt, gut, und wenn? Dann hat ihn eben irgendeine Mafia erwischt. Es muss nichts mit den alten Geschichten zu tun haben. Es muss vor allem nichts mit ihm zu tun haben. Mit ihm. Alena sieht wieder seine dunklen Augen vor sich, in denen die drängende und verzweifelte Frage steht, die ihn niemals loslässt, die ihm keine Ruhe gibt. Was ist ihm die Antwort auf diese Frage wert? Nach einem weiteren Moment des Grübelns trifft sie die Entscheidung und holt die E-Mail zurück auf den Bildschirm. Sie fügt den Zeitungsartikel als Anhang an und schickt sie weg. Die E-Mail enthält nur zwei Wörter: „Schon gesehen?“
„Wie war es in der Toskana?“ Riesel strahlt Pia an, eine dampfende Tasse Kaffee steht bereits auf ihrem Schreibtisch. Angesichts des Kaffees verkneift Pia sich eine unhöfliche Antwort und fragt stattdessen: „Was können Sie mir über den Fall Otto Schwarz sagen?“ Sofort legt Riesel ihr ein Dossier auf den Tisch. „Pensionierter Leiter des Kommissariats Organisierte Kriminalität. Todeseintritt zwischen 23.00 und 24.00 am Freitag. Kein gewaltsames Eindringen. Schusswaffe ist eine Beretta 92 FS, 9mm Patrone. Wurde Samstag um 11 Uhr vom pensionierten Oberkommissar Franz Peters aufgefunden. Peters war mit Schwarz zum Frühstück verabredet und als Schwarz auf sein Klingeln nicht reagierte, hat er die Tür aufgebrochen. Vorher hat er sich aber vergewissert, dass die Tür keine Einbruchsspuren aufweist. Daraufhin dachte er, dass Schwarz einen Herzinfarkt oder so etwas ähnliches hatte. Als er reinging, fand er Schwarz tot auf, mit einer Schusswunde. Er hat nichts verändert und sofort die Kollegen gerufen. Wir haben noch nichts an die Presse weiter gegeben.“ Pia greift sich das Dossier und beginnt zu blättern. „Schon irgendwelche Hinweise auf das Tatmotiv?“ Riesels Stimme verliert an Eifer. „Bisher nicht. Es wurden keine Wertgegenstände entwendet. Möglich ist natürlich, dass sich jemand von seinen alten Klienten rächen wollte. Ich recherchiere zur Zeit die Fälle, die er in seiner Zeit als Leiter 21 bearbeitet hatte, aber da es sich um ziemlich viele handelt, dauert es natürlich entsprechend. Die Kollegen aus der 21 sind aber sehr hilfsbereit. Ihnen ist der Tod von Schwarz ziemlich an die Nieren gegangen.“ Pia nickt geistesabwesend. Sie blättert in dem Dossier. Dann nimmt sie einen Schluck Kaffee und steht auf. „Wir fahren in die Wohnung. Ich will mir den Tatort ansehen.“
„Wie war es in der Toskana?“ Riesel strahlt Pia an, eine dampfende Tasse Kaffee steht bereits auf ihrem Schreibtisch. Angesichts des Kaffees verkneift Pia sich eine unhöfliche Antwort und fragt stattdessen: „Was können Sie mir über den Fall Otto Schwarz sagen?“ Sofort legt Riesel ihr ein Dossier auf den Tisch. „Pensionierter Leiter des Kommissariats Organisierte Kriminalität. Todeseintritt zwischen 23.00 und 24.00 am Freitag. Kein gewaltsames Eindringen. Schusswaffe ist eine Beretta 92 FS, 9mm Patrone. Wurde Samstag um 11 Uhr vom pensionierten Oberkommissar Franz Peters aufgefunden. Peters war mit Schwarz zum Frühstück verabredet und als Schwarz auf sein Klingeln nicht reagierte, hat er die Tür aufgebrochen. Vorher hat er sich aber vergewissert, dass die Tür keine Einbruchsspuren aufweist. Daraufhin dachte er, dass Schwarz einen Herzinfarkt oder so etwas ähnliches hatte. Als er reinging, fand er Schwarz tot auf, mit einer Schusswunde. Er hat nichts verändert und sofort die Kollegen gerufen. Wir haben noch nichts an die Presse weiter gegeben.“ Pia greift sich das Dossier und beginnt zu blättern. „Schon irgendwelche Hinweise auf das Tatmotiv?“ Riesels Stimme verliert an Eifer. „Bisher nicht. Es wurden keine Wertgegenstände entwendet. Möglich ist natürlich, dass sich jemand von seinen alten Klienten rächen wollte. Ich recherchiere zur Zeit die Fälle, die er in seiner Zeit als Leiter 21 bearbeitet hatte, aber da es sich um ziemlich viele handelt, dauert es natürlich entsprechend. Die Kollegen aus der 21 sind aber sehr hilfsbereit. Ihnen ist der Tod von Schwarz ziemlich an die Nieren gegangen.“ Pia nickt geistesabwesend. Sie blättert in dem Dossier. Dann nimmt sie einen Schluck Kaffee und steht auf. „Wir fahren in die Wohnung. Ich will mir den Tatort ansehen.“
Flannery Culp - 24. Sep, 18:29