83: mal was anderes
Alena steht um punkt 11 Uhr vor dem Einkaufszentrum und sieht Pia atemlos um die Ecke biegen. „Haben Sie gewartet? Tut mir leid, ich musste Riesel noch ein paar Instruktionen geben. Der Laden muss ja laufen.“ Sie bleibt stehen und sieht Alena stirnrunzelnd an. „Haben Sie eine Ahnung, wie viele Ohren ich gestern Abend abquatschen musste, bis man mir endlich einen von diesen unfähigen Streifenpolizisten für die Observation abgestellt hat? Das hat verdammt noch mal Nerven gekostet und war natürlich völlig ergebnislos. Kein auffälliger Wagen vor Biggis Tür. Der einzige, der das Haus beobachtet hat, war unserer Mannes. Womit wir wahrscheinlich sehr effektiv zur Psychose der Dahlem beigetragen haben. Aber gut, ich hoffe zumindest Sie konnten ruhig schlafen.“ Alena zieht eine Grimasse. „Ich kaufe Ihnen einen Kaffee,“ sagt sie, dreht sich schnell um und schlüpft durch die automatischen Glastüren.
Sie setzen sich in die Filiale einer Kaffeekette und trinken Milchkaffee aus Glastassen. Langsam füllt sich das Einkaufszentrum mit Schülern, die einzelne Stunden blau machen, und älteren Ehepaaren. Das Einkaufszentrum ist neu und gegen den Widerstand der ansässigen Ladeninhaber entstanden. Für das kleine und traditionsbewusste Altenburg ein ehrgeiziges und fast anachronistisches Projekt, für Pia eine bequeme Möglichkeit, auf die Schnelle ein Kleid für den Abend zu kaufen, ohne durch die Fußgängerzone laufen zu müssen. Alena reagiert sichtlich erleichtert, als Pia ihr erklärt, wofür sie genau ihre Hilfe benötigt. „Ein Kleid für ein Abendessen in der Universität? Kein Problem.“ Sie grinst, aber nur kurz. „Wie schwierig sind Sie beim Klamottenkaufen?“ Pia zuckt mit den Schultern. „Ich sehe was und wenn es mir gefällt, dann kaufe ich es.“ Unsicher sieht Alena sie an. „Und wofür brauchen Sie mich?“ Pia sieht sie an. „Haben Sie keine Zeit? Müssen Sie weg? Was Wichtiges zu erledigen?“ Alena beeilt sich, den Kopf zu schütteln. „Dann ist es doch kein Problem, oder? Sie können mich in meiner Kleiderwahl bestätigen. Es ist gut, eine zweite Meinung zu hören. Und außerdem können Sie mir zur Aufheiterung noch mal ein etwas detaillierteres Resümee dieses seltsamen Gesprächs von gestern liefern.“
Eine Stunde später stehen sie im dritten Laden und begutachten ein schwarzes kurzes Kleid. „Ich finde es gut,“ sagt Alena vorsichtig. Ihr anfänglicher Enthusiasmus ist nach Pias sehr direkten Reaktionen auf ihre Vorschläge sichtlich gedämpft. Pia betrachtet den matt glänzenden Seidenstoff. „Ziemlich kurz,“ sagt sie stirnrunzelnd. „Und schwarz.“ – „Schwarz steht Ihnen bestimmt,“ sagt Alena aufmunternd. Pia lässt ihren Blick von oben nach unten über die mit einem schwarzen Cordblazer über einem schwarzen Jeansrock bekleideten Alena gleiten. „Vielleicht ist es Ihnen noch nicht aufgefallen, aber es existieren noch andere Farben als Schwarz,“ bemerkt sie zweifelnd. Alena sieht an sich herunter. „Ich mag es eben,“ sagt sie trotzig. „Ich finde, in Schwarz sehe ich alt aus,“ erklärt Pia. „Haben Sie es schon einmal versucht? Da vorne wird gerade eine Umkleidekabine frei.“ Alena sucht die passende Größe heraus und drückt Pia das Kleid in die Hand. Pia sieht nicht überzeugt aus, setzt sich aber gehorsam in Bewegung.
Neben der Umkleidekabine steht ein mit rotem Samt gepolsterter Stuhl, auf den Alena sich stöhnend fallen lässt. „Sie wollen doch nicht etwa schon aufgeben,“ tönt es hinter dem Vorhang hervor. „Sagten Sie nicht, Sie sehen etwas und kaufen es, wenn es Ihnen gefällt,“ fragt Alena und lehnt ihren Kopf erschöpft an die Wand. „Manchmal dauert es eben etwas länger, bis mir ein Stück gefällt,“ erklärt Pia. „Ich weiß gar nicht, was ich dazu anziehen soll. Ich habe keinen schwarzen Blazer.“ – „Ein großes Tuch, das Sie um die Schultern legen können,“ schlägt Alena vor und betet, dass Pia das Kleid mag. „Warum haben Sie eigentlich diese Grundsatzdiskussion mit der Dahlem geführt? Haben Sie geglaubt, Sie können sie auf den rechten Weg zurück führen?“ Alena beobachtet eine Frau, die unschlüssig vor dem Spiegel steht und einen unvorteilhaften roten Pullover vor ihren Oberkörper hält. „Nein, eigentlich habe ich das nicht geglaubt. Vielleicht ging es eher darum, dass ich mir über ein paar Sachen klar werde.“
Sie setzen sich in die Filiale einer Kaffeekette und trinken Milchkaffee aus Glastassen. Langsam füllt sich das Einkaufszentrum mit Schülern, die einzelne Stunden blau machen, und älteren Ehepaaren. Das Einkaufszentrum ist neu und gegen den Widerstand der ansässigen Ladeninhaber entstanden. Für das kleine und traditionsbewusste Altenburg ein ehrgeiziges und fast anachronistisches Projekt, für Pia eine bequeme Möglichkeit, auf die Schnelle ein Kleid für den Abend zu kaufen, ohne durch die Fußgängerzone laufen zu müssen. Alena reagiert sichtlich erleichtert, als Pia ihr erklärt, wofür sie genau ihre Hilfe benötigt. „Ein Kleid für ein Abendessen in der Universität? Kein Problem.“ Sie grinst, aber nur kurz. „Wie schwierig sind Sie beim Klamottenkaufen?“ Pia zuckt mit den Schultern. „Ich sehe was und wenn es mir gefällt, dann kaufe ich es.“ Unsicher sieht Alena sie an. „Und wofür brauchen Sie mich?“ Pia sieht sie an. „Haben Sie keine Zeit? Müssen Sie weg? Was Wichtiges zu erledigen?“ Alena beeilt sich, den Kopf zu schütteln. „Dann ist es doch kein Problem, oder? Sie können mich in meiner Kleiderwahl bestätigen. Es ist gut, eine zweite Meinung zu hören. Und außerdem können Sie mir zur Aufheiterung noch mal ein etwas detaillierteres Resümee dieses seltsamen Gesprächs von gestern liefern.“
Eine Stunde später stehen sie im dritten Laden und begutachten ein schwarzes kurzes Kleid. „Ich finde es gut,“ sagt Alena vorsichtig. Ihr anfänglicher Enthusiasmus ist nach Pias sehr direkten Reaktionen auf ihre Vorschläge sichtlich gedämpft. Pia betrachtet den matt glänzenden Seidenstoff. „Ziemlich kurz,“ sagt sie stirnrunzelnd. „Und schwarz.“ – „Schwarz steht Ihnen bestimmt,“ sagt Alena aufmunternd. Pia lässt ihren Blick von oben nach unten über die mit einem schwarzen Cordblazer über einem schwarzen Jeansrock bekleideten Alena gleiten. „Vielleicht ist es Ihnen noch nicht aufgefallen, aber es existieren noch andere Farben als Schwarz,“ bemerkt sie zweifelnd. Alena sieht an sich herunter. „Ich mag es eben,“ sagt sie trotzig. „Ich finde, in Schwarz sehe ich alt aus,“ erklärt Pia. „Haben Sie es schon einmal versucht? Da vorne wird gerade eine Umkleidekabine frei.“ Alena sucht die passende Größe heraus und drückt Pia das Kleid in die Hand. Pia sieht nicht überzeugt aus, setzt sich aber gehorsam in Bewegung.
Neben der Umkleidekabine steht ein mit rotem Samt gepolsterter Stuhl, auf den Alena sich stöhnend fallen lässt. „Sie wollen doch nicht etwa schon aufgeben,“ tönt es hinter dem Vorhang hervor. „Sagten Sie nicht, Sie sehen etwas und kaufen es, wenn es Ihnen gefällt,“ fragt Alena und lehnt ihren Kopf erschöpft an die Wand. „Manchmal dauert es eben etwas länger, bis mir ein Stück gefällt,“ erklärt Pia. „Ich weiß gar nicht, was ich dazu anziehen soll. Ich habe keinen schwarzen Blazer.“ – „Ein großes Tuch, das Sie um die Schultern legen können,“ schlägt Alena vor und betet, dass Pia das Kleid mag. „Warum haben Sie eigentlich diese Grundsatzdiskussion mit der Dahlem geführt? Haben Sie geglaubt, Sie können sie auf den rechten Weg zurück führen?“ Alena beobachtet eine Frau, die unschlüssig vor dem Spiegel steht und einen unvorteilhaften roten Pullover vor ihren Oberkörper hält. „Nein, eigentlich habe ich das nicht geglaubt. Vielleicht ging es eher darum, dass ich mir über ein paar Sachen klar werde.“
Flannery Culp - 14. Mär, 20:22