71: ein Telefonat
„Was hat Wagenbach dazu gesagt,“ fragt Pia in den Hörer hinein, während sie sich mit dem Schreibtischstuhl im Büro hin und her dreht und schon mal darüber nachdenkt, was ihr Mann gekocht haben könnte. Sie hat Hunger, aber bevor sie nach hause fährt, muss sie mit Alena sprechen. „Er hat keine Ahnung, was die Dahlem gegen seine Mutter haben könnte und ich glaube ihm. Außerdem haben meine Fragen ihn misstrauisch gemacht und er denkt jetzt, ich verheimliche ihm etwas.“ Pia rollt mit den Augen. „Grundgütiger, Alena, ich dachte, Sie können das besser.“ – „Ich habe ihm gesagt, wir sollten noch mal mit Frau Dahlem darüber sprechen und das hat ihn erst mal außer Gefecht gesetzt. Ich glaube, momentan ist er auch nicht besonders wild darauf, sie zu sehen.“ Draußen ist es bereits so dämmrig, dass Pia ihr Spiegelbild in der Fensterscheibe sehen kann. Sie beobachtet sich dabei, wie sie eine strenge Mine aufsetzt. „Irgendwas müssen wir jetzt tun. Wir können nicht die Hände in den Schoß legen und abwarten.“ Ihr Spiegelbildgesicht sieht entschlossener aus als ihr zumute ist. Bevor Alena etwas sagen kann, erklärt sie: „Ich habe noch einmal über alles nachgedacht und tendiere jetzt dazu, dass der Schreiber der Briefe nicht notwendig der Mörder von Schwarz ist.“ Sie wartet eine Reaktion ab, die nicht kommt. „Was denken Sie darüber,“ drängelt Pia. „Ich weiß es nicht.“ Alenas Stimme klingt zögernd. „Da gibt es dieses philosophische Prinzip, den Ockham´schen Razor. Man sollte sparsam mit den theoretischen Entitäten umgehen, die ein Phänomen erklären sollen.“ – „Alena, das hier ist kein philosophisches Theorem, das ist die Wirklichkeit,“ wirft Pia ungeduldig ein. „Und wenn es unökonomisch ist, zwei Täter anzunehmen, dann ist mir das auch piepegal.“
„Wen haben Sie in Verdacht,“ fragt Alena. Pia überlegt einen Moment. Hat sie tatsächlich einen Verdacht? Oder nur eines dieser Bauchgefühle, denen sie nicht traut? „Bisher möchte ich dazu keine Aussagen machen,“ antwortet sie dann. Es ist besser, Alena etwas zappeln zu lassen, das könnte ihre Kreativität steigern und ihre Phantasie anregen. Und man weiß nie, wozu das gut ist. „Wissen Sie, was mir dazu einfällt?“ Die Frage kommt aus dem Hörer geschossen und Pia ist zufrieden; die Reaktion kommt schneller als erwartet. „Jemand hat zuerst Schwarz erschossen und dann Burg. Schwarz hat mit Burg geredet und Schwarz hat mit Frau Dahlem geredet. Burg hat auch mit Frau Dahlem geredet. Burg und Schwarz sind tot. Wenn Frau Dahlem nicht der Mörder ist, steht sie vielleicht als Nächste auf der Liste des Mörders. Einfach weil er fürchtet, sie könnte etwas von den beiden erfahren haben. Das setzt natürlich voraus, er weiß von den Gesprächen zwischen Burg, Schwarz und Dahlem.“ Pia setzt mit einer Antwort an und Alena unterbricht sie: „Und außerdem ist Frau Dahlem ziemlich sauer auf den Mörder von Burg. Das hat sie in meiner Gegenwart zum Ausdruck gebracht und ich glaube ihr. Wenn Frau Dahlem aber nicht Burg tötete und Burg mit der gleichen Waffe wie Schwarz erschossen wurde, dann ist sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht der Mörder von Schwarz.“
Alenas Schlussfolgerung endet mit einem triumphierenden „Stimmt´s“ und Pia sucht einen Fehler in der Argumentation. „Sie verlassen sich darauf, dass Sie die Ausdrucksweisen der Dahlem richtig deuten, aber genau da sollten Sie vorsichtig sein. Aber gut, nehmen wir mal an, Sie liegen richtig.“ Pia denkt nach. „Stellen wir uns vor, die Dahlem ist tatsächlich vollkommen unschuldig und hat den gleichen Gedanken wie Sie. Wie würde Frau Dahlem darauf reagieren, dass jemand sie töten möchte? Kommt sie zu mir und bittet um polizeilichen Schutz? Verrammelt sie sich zitternd in ihrer Wohnung? Oder geht sie in den Wald und buddelt ein altes Waffenarsenal aus, um den Mörder von Burg mit 20-Jahre alter Munition voll zu pumpen.“ Sie hört einen tiefen Atemzug von Alena. „Ich fürchte, eher das letztere. Sie war wirklich etwas aufgebracht.“ Pia nickt langsam. „Vielleicht nimmt sie uns ja ein bisschen Arbeit ab.“
„Wen haben Sie in Verdacht,“ fragt Alena. Pia überlegt einen Moment. Hat sie tatsächlich einen Verdacht? Oder nur eines dieser Bauchgefühle, denen sie nicht traut? „Bisher möchte ich dazu keine Aussagen machen,“ antwortet sie dann. Es ist besser, Alena etwas zappeln zu lassen, das könnte ihre Kreativität steigern und ihre Phantasie anregen. Und man weiß nie, wozu das gut ist. „Wissen Sie, was mir dazu einfällt?“ Die Frage kommt aus dem Hörer geschossen und Pia ist zufrieden; die Reaktion kommt schneller als erwartet. „Jemand hat zuerst Schwarz erschossen und dann Burg. Schwarz hat mit Burg geredet und Schwarz hat mit Frau Dahlem geredet. Burg hat auch mit Frau Dahlem geredet. Burg und Schwarz sind tot. Wenn Frau Dahlem nicht der Mörder ist, steht sie vielleicht als Nächste auf der Liste des Mörders. Einfach weil er fürchtet, sie könnte etwas von den beiden erfahren haben. Das setzt natürlich voraus, er weiß von den Gesprächen zwischen Burg, Schwarz und Dahlem.“ Pia setzt mit einer Antwort an und Alena unterbricht sie: „Und außerdem ist Frau Dahlem ziemlich sauer auf den Mörder von Burg. Das hat sie in meiner Gegenwart zum Ausdruck gebracht und ich glaube ihr. Wenn Frau Dahlem aber nicht Burg tötete und Burg mit der gleichen Waffe wie Schwarz erschossen wurde, dann ist sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht der Mörder von Schwarz.“
Alenas Schlussfolgerung endet mit einem triumphierenden „Stimmt´s“ und Pia sucht einen Fehler in der Argumentation. „Sie verlassen sich darauf, dass Sie die Ausdrucksweisen der Dahlem richtig deuten, aber genau da sollten Sie vorsichtig sein. Aber gut, nehmen wir mal an, Sie liegen richtig.“ Pia denkt nach. „Stellen wir uns vor, die Dahlem ist tatsächlich vollkommen unschuldig und hat den gleichen Gedanken wie Sie. Wie würde Frau Dahlem darauf reagieren, dass jemand sie töten möchte? Kommt sie zu mir und bittet um polizeilichen Schutz? Verrammelt sie sich zitternd in ihrer Wohnung? Oder geht sie in den Wald und buddelt ein altes Waffenarsenal aus, um den Mörder von Burg mit 20-Jahre alter Munition voll zu pumpen.“ Sie hört einen tiefen Atemzug von Alena. „Ich fürchte, eher das letztere. Sie war wirklich etwas aufgebracht.“ Pia nickt langsam. „Vielleicht nimmt sie uns ja ein bisschen Arbeit ab.“
Flannery Culp - 21. Feb, 20:24