57: Schwierigkeiten
Brigitte Dahlem sieht sie verächtlich an. „Das war doch schon immer so. Alle interessieren sich nur für das kleine bisschen Leben, das direkt vor ihnen liegt. Keiner will das Unrecht sehen, das in einem anderen Teil der Welt geschieht. Was ist schon real, das außerhalb des eigenen Wohnzimmers passiert?“ Alena schweigt einen Moment und sagt dann vorsichtig: „Aber ist es in Ordnung, wenn man Unrecht mit Gewalt bekämpft?“ Ungeduldig erklärt Brigitte Dahlem: „Ist es nicht manchmal besser, überhaupt etwas zu tun, als einfach nur alles mit sich geschehen zu lassen?“ Ohne Alenas Antwort abzuwarten, meint sie dann: „Aber wir diskutieren hier nicht das, was ich oder Marianne Wagenbach getan haben. Wir sind vom Thema abgekommen. Was ist mit Kaspar Wagenbach und den Morden?“ Alena muss erst ihre Gedanken ordnen, bevor sie anfängt Brigitte Dahlem von Kaspars Verhör zu erzählen. Sie erwähnt allerdings nicht, dass es eine Fortsetzung bei ihr in der Wohnung gefunden hat. Als sie endet, runzelt Brigitte Dahlem ihre Stirn. „Er wird also tatsächlich verdächtigt. Interessant.“ Alena sieht sie fragend an. „Der Verdacht gründet sich vor allem auf einer Art Psychose, die Kaspar Wagenbach in Bezug auf Marianne haben soll?“ Ein breites Grinsen überzieht Brigittes Gesicht und für einen Moment kann Alena bissigen Humor hinter den harten Zügen erkennen. „Vergessen Sie´s. Die Bullen haben nichts. Das ist ein Schuss ins Blaue.“ Alena nickt zögernd. „Aber Sie kennen Frau Stein-Bachmüller nicht. Wenn sie sich auf etwas eingefahren hat, dann macht sie so lange weiter, bis sie ihr Ziel erreicht. Und ich fürchte, im Moment heißt ihr Ziel Kaspar.“ Brigitte Dahlem sieht sie forschend an. „Kennen Sie denn Frau Stein-Bachmüller?“ Alena zögert einen Moment. Aber da es keinen Sinn hat sich zu verstellen, sagt sie ergeben: „Ich kenne sie flüchtig. Bei mir im Haus ist Anfang des Jahres ein Mord geschehen und sie hat ermittelt.“ Ihre Augen fragt Brigitte Dahlem, ob das genug Information ist und trifft auf eine Mischung aus Verwunderung und Zurückhaltung. Schnell sagt Alena: „Ich wollte Kaspar helfen und habe sie nur angerufen um nähere Informationen zu bekommen.“ Plötzlich befürchtet sie, dass die Ex-Terroristin sie als Spitzel betrachten könnte. Ihre Bemerkung ist jedoch nicht geeignet, um diesen Verdacht zu zerstreuen. „Wieso dachten Sie, dass die Kripofotze Ihnen etwas über den Fall erzählt?“ Alena hat das untrügliche Gefühl, dass sie in Schwierigkeiten steckt.
Pias Tag hat nicht gut angefangen und der weitere Verlauf verspricht keine Besserung. Nach dem Gespräch mit Oberdorf durchsuchte sie nervös die Unterlagen und beschloss dann in einer Kurzschlussreaktion noch einmal in die Wohnung von Schwarz zu fahren. Riesel übertrug sie die undankbare Aufgabe in den Meldedaten von Altenburg nach einem Zuzug ab 1978 zu suchen, der altersmäßig Koch entsprechen könnte, und diese Daten mit dem Studentenverzeichnis der Uni Altenburg zu vergleichen. Die Chancen sind minimal, aber Riesel hat in ihren Augen sowieso nichts Wichtigeres zu tun als ihr zuzuarbeiten. Das stoische Nicken Riesels bestärkte sie in ihrer Auffassung und jetzt steht sie in dem kargen Flur von Schwarz´ Wohnung und konzentriert sich auf die Spuren. Oder deren Abwesenheit. Ihre Suche beginnt langsam und wird immer hektischer, bis sie fluchend im Schlafzimmer steht und gegen den Bettpfosten tritt. Auf den Wutanfall folgt Resignation und sie lässt sich auf die nackte Matratze fallen. Den Bezug hat sie abgerissen, in der vergeblichen Hoffnung dort etwas zu finden. „Hast Du keine Geheimnisse, alter Mann,“ flüstert sie zwischen ihren Zähnen hindurch. Zwei Tote und die Verbindung ist offensichtlich. Ein Terroristenjäger und ein Terrorist. Das zersplitterte Kommando. Ein Motiv, die sich aufdrängen. Die Drohbriefe deuten auf Rache hin. Auf Hass. Wer hat sie geschrieben – Burg? Aber sie wurden in der Nähe von Altenburg zur Post gegeben. Brigitte Dahlem? Kaspar Wagenbach? Pias Augen ziehen sich zu schmalen Schlitzen zusammen. Kaspar Wagenbach. Er scheint verrückt genug, um diese Briefe zu schreiben. Aber er wohnt schon ein paar Jahre in Altenburg – warum hat er erst vor einem halben Jahr damit angefangen? Gab es einen Auslöser? Der Zuzug von Brigitte Dahlem? Wollte er ihr imponieren? Sie auf seine Seite ziehen; ihr Vertrauen gewinnen, um mehr über seine Mutter zu erfahren? Wie weit war er bereit zu gehen, weit genug um einen Mord als Loyalitätsbeweis zu begehen? Aber warum dann Hajo Burg? Es steht eher zu vermuten, dass Brigitte Dahlem sich angepisst fühlt, wenn einer ihrer alten Kollegen ermordet wird. Was hatte Hajo Burg mit der ganzen Sache zu tun? Pia knirscht mit den Zähnen als ihr klar wird, dass sie dringend mit Brigitte Dahlem sprechen muss. Sie könnte etwas über Burg wissen, wer sonst, wenn nicht sie. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt des ganzen verdammten Falls. Sie ist die einzige, die noch vom Kommando übrig ist. Außer Koch natürlich. Koch. Hat Schwarz Koch gefunden? Pia wirft verzweifelt das Kissen an die Wand, direkt gegen ein Bronzekreuz, das an der Wand hängt und in den Zwischenraum von Bettkopf und Matratze fällt. Als sie es herausfingert, fühlt sie noch etwas anderes in dieser Ritze. Karton. Ein Foto. Langsam zieht Pia es heraus. Quadratisch, die Rückseite ist schmutzig weiß. Ein altes Foto. Pia dreht es um und hält dem Atem an.
Pias Tag hat nicht gut angefangen und der weitere Verlauf verspricht keine Besserung. Nach dem Gespräch mit Oberdorf durchsuchte sie nervös die Unterlagen und beschloss dann in einer Kurzschlussreaktion noch einmal in die Wohnung von Schwarz zu fahren. Riesel übertrug sie die undankbare Aufgabe in den Meldedaten von Altenburg nach einem Zuzug ab 1978 zu suchen, der altersmäßig Koch entsprechen könnte, und diese Daten mit dem Studentenverzeichnis der Uni Altenburg zu vergleichen. Die Chancen sind minimal, aber Riesel hat in ihren Augen sowieso nichts Wichtigeres zu tun als ihr zuzuarbeiten. Das stoische Nicken Riesels bestärkte sie in ihrer Auffassung und jetzt steht sie in dem kargen Flur von Schwarz´ Wohnung und konzentriert sich auf die Spuren. Oder deren Abwesenheit. Ihre Suche beginnt langsam und wird immer hektischer, bis sie fluchend im Schlafzimmer steht und gegen den Bettpfosten tritt. Auf den Wutanfall folgt Resignation und sie lässt sich auf die nackte Matratze fallen. Den Bezug hat sie abgerissen, in der vergeblichen Hoffnung dort etwas zu finden. „Hast Du keine Geheimnisse, alter Mann,“ flüstert sie zwischen ihren Zähnen hindurch. Zwei Tote und die Verbindung ist offensichtlich. Ein Terroristenjäger und ein Terrorist. Das zersplitterte Kommando. Ein Motiv, die sich aufdrängen. Die Drohbriefe deuten auf Rache hin. Auf Hass. Wer hat sie geschrieben – Burg? Aber sie wurden in der Nähe von Altenburg zur Post gegeben. Brigitte Dahlem? Kaspar Wagenbach? Pias Augen ziehen sich zu schmalen Schlitzen zusammen. Kaspar Wagenbach. Er scheint verrückt genug, um diese Briefe zu schreiben. Aber er wohnt schon ein paar Jahre in Altenburg – warum hat er erst vor einem halben Jahr damit angefangen? Gab es einen Auslöser? Der Zuzug von Brigitte Dahlem? Wollte er ihr imponieren? Sie auf seine Seite ziehen; ihr Vertrauen gewinnen, um mehr über seine Mutter zu erfahren? Wie weit war er bereit zu gehen, weit genug um einen Mord als Loyalitätsbeweis zu begehen? Aber warum dann Hajo Burg? Es steht eher zu vermuten, dass Brigitte Dahlem sich angepisst fühlt, wenn einer ihrer alten Kollegen ermordet wird. Was hatte Hajo Burg mit der ganzen Sache zu tun? Pia knirscht mit den Zähnen als ihr klar wird, dass sie dringend mit Brigitte Dahlem sprechen muss. Sie könnte etwas über Burg wissen, wer sonst, wenn nicht sie. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt des ganzen verdammten Falls. Sie ist die einzige, die noch vom Kommando übrig ist. Außer Koch natürlich. Koch. Hat Schwarz Koch gefunden? Pia wirft verzweifelt das Kissen an die Wand, direkt gegen ein Bronzekreuz, das an der Wand hängt und in den Zwischenraum von Bettkopf und Matratze fällt. Als sie es herausfingert, fühlt sie noch etwas anderes in dieser Ritze. Karton. Ein Foto. Langsam zieht Pia es heraus. Quadratisch, die Rückseite ist schmutzig weiß. Ein altes Foto. Pia dreht es um und hält dem Atem an.
Flannery Culp - 15. Jan, 20:15