Mittwoch, 3. Januar 2007

sternkleinsternkleinsternklein

53: ...die sich trennen

Oberdorf läuft nervös durch das Büro, während Pia mit übergeschlagenen Beinen in dem Besucherstuhl vor dem riesigen Schreibtisch sitzt und die aufgeräumte Platte betrachtet. „Sie bearbeiten den Fall jetzt über eine Woche. Irgendetwas müssen Sie doch haben. Außer einer zweiten Leiche.“ Pia versucht, sein eindringliches Starren zu ignorieren, was ihr schwer fällt. „Wir suchen eine Person namens Harald,“ beginnt sie versuchsweise. „Schwarz hatte mit diesem Harald Kontakt und bekam von ihm Informationen.“ Oberdorf ist offensichtlich nicht zufrieden. „Und,“ tönt seine Stimme unter herabgesenkten breiten Augenbrauen hervor. „Unter anderem gab Harald den Aufenthaltsort von Burg mit Freiburg an, was sich später als korrekt herausstellte.“ Sie zögert kurz, ob sie die Karte ausspielen soll, die Oberdorf garantiert davon ablenkt, sie zur Schnecke zu machen. Oder es zumindest immer wieder zu versuchen. Wie penetrant. Langsam steht sie auf, bis sie knapp über Oberdorfs fleischige Stirn gucken kann. Widerwillig hebt der seinen Blick, als sie so selbstbewusst, als handele es sich nicht um die wildeste Spekulation seit der Behauptung von der Existenz Atlantis, erklärt: „Außerdem erfuhr Schwarz von ihm, dass Robert Koch sich in Altenburg aufhält.“ Sie lächelt, als Oberdorf verblüfft eine Schritt zurück tritt und sie mit aufgerissenen Augen ansieht. „Robert Koch, der aus der DDR verschwunden ist, soll nun in Altenburg leben?“ Pia zuckt mit den Schultern und verschränkt die Arme vor der Brust. „Wir versuchen, Harald zu finden, um ihn auszuquetschen, aber bisher gibt es wenig Anhaltspunkte.“ Wenig hört sich immer noch besser an als keine, denkt Pia. „Natürlich versuchen wir auch, Robert Koch zu finden, aber das dürfte fast noch schwerer sein. Schließlich ist er dem Stasi und dem Verfassungsschutz bisher erfolgreich durch die Lappen gegangen.“ Ihre Augen sagen, dass diese Anfängerinstitutionen kein Maßstab für sie sind, aber als kleiner Dämpfer macht sich der Hinweis ganz gut. „Harald,“ murmelt Oberdorf. Und noch einmal: „Harald.“ Dann lässt er sich auf den Besucherstuhl sinken und starrt brütend aus dem Fenster. „Ich werde meine Kontakte spielen lassen. Vielleicht kennt jemand von der alten Truppe diesen Harald.“ Pia verzichtet darauf nach den Mitgliedern der „alten Truppe“ zu fragen, weil sie für diese Informationszirkel auf Kumpelbasis, von ihr Seilschaften genannt, nichts übrig hat. „Gut,“ meint sie nur, wie jemand, der erfolgreich eine Aufgabe delegiert hat. „In der Zwischenzeit kümmere ich mich weiter um diesen Kaspar Wagenbach.“ – „Ist er der Morde verdächtigt?“ Pia dreht sich zum Fenster und fixiert einen Punkt in weiter Ferne. „Verdächtig ist er auf jeden Fall. Inwieweit er in die Morde verwickelt ist, muss noch geklärt werden. Darüber hinaus scheint er Informationen zu haben, die er nicht mit uns teilen möchte.“ Sie wendet sich wieder Oberdorf zu, und geht dann langsam aus seinem Büro. „Allerdings bin ich zuversichtlich, dass er diesbezüglich seine Zurückhaltung aufgeben wird.“

Alena wartet vor der zerkratzten Milchglastür des Mehrfamilienhauses am Rand von Weißbach. Als Reaktion auf ihr Klingeln war die verzerrte Stimme von Brigitte Dahlem aus der Sprechanlage gekommen: „Wer ist da.“ Nachdem Alena ihren Namen genannt hatte, knisterte es einen Moment lang, bevor ein „Was wollen Sie“ aus dem Lautsprecher rauschte. „Ich will mit Ihnen über die Morde sprechen. Und über Kaspar. Ich glaube, er ist in Schwierigkeiten.“ Das Knistern hatte daraufhin einen verblüfften Beiklang bekommen und Alena gratulierte sich stillschweigend dazu, sich für die totale Offenheit entschieden zu haben, als die Verbindung mit einem „Ich komme runter.“ beendet wurde. Sie tritt einen Schritt zurück, als sich die Tür öffnet und Brigitte Dahlem vor ihr steht. Im verwaschenen kurzärmligen T-Shirt über ausgeblichener schwarzer Jeans wirkt sie wie ein verblasstes Pendant zu der in tiefes Schwarz gekleideten Alena. Misstrauisch steigt Brigittes Blick von den schwarzen Ledersandalen über die schwarze Cordhose hinauf zum gleichfarbenen Baumwollpulli bis zu Alenas ungebräuntem Gesicht, das von dunklen Locken umrahmt ist. „Warum kommen Sie zu mir? Was geht es mich an, wenn Kaspar Wagenbach in Schwierigkeiten ist?“ Alena bewegt leicht ihren Kopf. „Nichts. Es geht Sie überhaupt nichts an. Wahrscheinlich ist Ihnen auch egal, wer Hans Joachim Burg getötet hat.“ Sie sieht direkt in die grau-grünen Augen der Frau. „Ich kann Ihnen auch keinen überzeugenden Grund nennen, aus dem Sie mir helfen sollten.“ Sie zieht die Augenbrauen nach oben. „Helfen Sie mir trotzdem. Ich brauche Informationen über Burg und Koch. Und über Marianne Wagenbach.“

das Projekt Krimi-Blog

AUS DEN CHAOTISCHEN WINDUNGEN EINES KRIMIVERSEUCHTEN HIRNS BOHRT SICH EIN WEITERER ROMAN AN DIE DIGITALE OBERFLÄCHE EINES BLOGS. WIE SCHON IM VORGÄNGER „ZAHLEN UND ZEICHEN“ SOLL DAS SCHREIBEN EINES KRIMINALROMANS MIT DER PRAXIS DES BLOGGENS VERBUNDEN WERDEN. DAS BEDEUTET, DASS DER PLOT IN DEN GRUNDZÜGEN FESTSTEHT, DER KRIMI JEDOCH NICHT BEREITS FIX UND FERTIG IN DER SCHUBLADE LIEGT, SONDERN SICH IM SCHREIBEN ENTWICKELT. WAS GESCHRIEBEN WIRD, WIRD KURZ DARAUF GEBLOGGT, IST DAMIT FAKTISCH, UND WIRD NUR IN AUSNAHMEFÄLLEN (SEHR PEINLICHE TIPPFEHLER) GEÄNDERT. ERGÄNZT WIRD DAS GANZE DURCH METATEXT UND LINKS. EUCH UND MIR ALSO VIEL SPAß BEI „SPUREN UND STERNE“.

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