Mittwoch, 27. September 2006

sternkleinsternkleinsternklein

Krimi im Blog: Teil 4

Genervt sieht Pia sich die beschädigte Wohnungstür an. „Die Tür ist ein Wrack. Für wen hält der Typ sich, Rambo? Wir haben nur sein Wort, dass die Tür unbeschädigt war, bevor er sich daran vergriffen hat.“ Riesel wirft vorsichtig ein: „Er war Polizist, ich denke schon, dass man seiner Aussage trauen kann.“ Den Blick, den Pia ihm zuwirft, kann Riesel ohne Probleme mit „naiver Anfänger“ übersetzen, und er wird rot. Pia schlüpft unter dem Absperrband durch und steht in einer schmalen Diele, deren Wände mit Raufaser beklebt sind. Auf dem Boden liegt billiger PVC und die Möblierung besteht aus einem einfachen Schuhschrank und einer kleinen Garderobe aus Eichenholz, an der eine graue Jacke hängt. Rechts ein Eingang zum kleinen Bad mit einer Wanne, die Fliesen sind Baumarktware, zeitlos unansehnlich. Rechts die Tür zur Küche, die Schränke aus beigem Kunststoff, dazu ein einfacher Herd und ein Einbaukühlschrank. An der Seite gegenüber steht ein kleiner Eichentisch mit zwei Stühlen. Die Küche ist sauber und aufgeräumt, nur in der Spüle liegt ein benutztes Messer. Pia öffnet mit behandschuhten Händen ein paar Schränke und findet nur wenige Lebensmittel und noch weniger Geschirr. „Er hat schon immer allein gewohnt.“ Riesel missversteht ihre Äußerung als Frage. „Er hatte keine Familie. War nie verheiratet. Die Kollegen aus der 21 wussten nichts von einer Beziehung. Aber er hat auch selten über sein Privatleben gesprochen. … war während der Dienstzeit ein guter Kollege und eine Art Freund. Er hat sich auch nach der Pensionierung noch mit Schwarz getroffen. Aber auch er wusste nichts von einer Freundin. Schwarz war ein Arbeitstier.“ Pia geht an ihm vorbei ins Wohnzimmer. Auf dem Boden die Markierung der Stelle, an der die Leiche gelegen hat. Zusammengekrümmt, wie ein Fötus. Neben der Markierung steht ein abgenutzter Ohrensessel, frontal zu einem Eichenschrank, in dem ein großer Fernseher steht. „Der Fernseher war an“, bemerkt Riesel, der hinter ihr steht. „Anscheinend hat Schwarz ferngesehen, als sein Mörder hereingekommen ist.“ – „Als er seinen Mörder hereingelassen hat“, korrigiert Pia. „Wenn die Aussage von Peters stimmt, dann ist niemand eingebrochen. Also hat Schwarz dem Täter die Tür geöffnet – außer natürlich, der Täter hatte selbst einen Schlüssel.“ – „Das können wir ausschließen“, meldet sich Riesel übereifrig. „Schwarz hat vor zwei Jahren ein Sicherheitsschloss einbauen lassen und exakt zwei Schlüssel dafür anfertigen lassen. Der eine Schlüssel steckte im Schloss und der andere Schlüssel liegt in einem Schließfach bei der Altenburger Sparkasse. Ich habe schon mit dem Filialleiter telefoniert. Das Schließfach ist ungeöffnet. Er öffnet es für uns, wenn wir innerhalb seiner Dienstzeit kommen.“ Pia runzelt die Stirn. „Warum hat sich Schwarz ein Sicherheitsschloss einbauen lassen? Ist das irgendwem bekannt? … vielleicht?“ Riesel ist ratlos. „Nein. Aber vielleicht hatte er Angst vor einem Einbruch?“ Pia macht eine demonstrative Handbewegung. „Was soll denn hier geklaut werden? Das 20 Jahre alte Sofa? Oder der billige Uralt-Druck, der an der Wand hängt?“ Sie zieht eine Grimasse und beugt sich zur Markierung hinunter. „Ich vermute eher, er fühlte sich bedroht. Zu Recht, wie sich herausgestellt hat.“ An der Wand steht eine Kommode aus dem gleichen Holz, aus dem der Wohnzimmerschrank ist. „Fangen Sie mit der Kommode an. Suchen Sie den Schlüssel für das Schließfach, den muss er ja hier irgendwo haben. Wenn Sie den gefunden haben, haben wir auch seine anderen Wertgegenstände, Unterlagen, sonstiges. Vielleicht finden wir heraus, wovor er Angst hatte.“

Pia nimmt sich den Wohnzimmerschrank vor, der im unteren Teil aus drei niedrigen Schränken mit Doppeltür besteht. Als sie die erste Tür öffnet, findet sie ordentlich beschriftete Aktenordner. Sie zieht sie den ersten heraus, der persönliche Unterlagen enthält. Krankenversicherung, Hausrat, Haftpflicht. Im zweiten Ordner sind die Unterlagen für die private Krankenversicherung abgeheftet, aus denen jedoch keine schwere Krankheit hervorgeht, wie sie nach kurzem Durchblättern feststellt. Ein dritter und vierter Ordner beinhaltet dienstliche Unterlagen, von der Verbeamtung bis zur Pension. Schwarz scheint nichts weggeworfen zu haben, denkt sie. Der zweite Schrank ist leer und im dritten Schrank stehen ein paar Flaschen mit alkoholischem Inhalt, die Hälfte davon geöffnet. Pia kniet erneut vor dem mittleren Schrank. Mit einer Lupe untersucht sie den Schrankboden und entdeckt Staubspuren im vorderen Bereich. „In diesem Schrank stand bis vor kurzem etwas, vermutlich Aktenordner, die herausgezogen wurden. Es ist anzunehmen, dass der Täter sie mitgenommen hat. Außerdem fehlt im mittleren Schrank der Schlüssel, während er in den beiden anderen Schränken steckt. Vermutlich war dieser Schrank abgeschlossen und der Täter hat Schwarz gezwungen, den Schlüssel herauszugeben.“ Sie hat eine Eingebung und beugt ihren Kopf, bis sie unter die Möbel sehen kann. Tatsächlich liegt der fehlende Schlüssel unter dem Sofa. „Der Täter hat den Schlüssel fallen lassen und unter das Sofa gekickt. Vielleicht war er so nervös, dass ihm die Hände gezittert haben?“ Sie dreht sich zu Riesel um, der sie fasziniert beobachtet. „Haben Sie schon etwas gefunden“, fragt sie ungeduldig. Ihr Kollege zuckt zusammen und beschäftigt sich wieder mit den Schubladen. „Bisher nichts. Nur Telefonbücher, Gelbe Seiten, ein paar Pizza-Flyer.“ Pia stößt einen demonstrativen Seufzer aus. Die zwei Hängeschränke neben dem Fernseher enthalten lediglich Gebrauchsanweisungen und Garantien für die alten Elektrogeräte. Der Fernseher ist erst drei Jahre alt. Vielleicht zur Pensionierung angeschafft. Es gibt keinen Videorecorder oder DVD-Player, dementsprechend auch keine Cassetten oder DVDs. „Was ist mit einem Computer?“ Riesel dreht sich zu ihr. „Im Schlafzimmer. Mit Internetanschluss. Wir haben den Rechner schon an die Kollegen zur Untersuchung gegeben. Sicherungsdisketten haben wir nicht gefunden.“ – „Vielleicht alles in diesem Schließfach, “ murmelt Pia. Sie starrt auf den gerahmten Druck an der Wand, vor der das Sofa steht. Vorsichtig nimmt sie das Bild ab und dreht es um. Auf dem Papp-Rücken ist mit Klebeband ein Schlüssel befestigt. „Der Schlüssel zum Schließfach.“ Sie nimmt den Schlüssel ab und steckt ihn in ihre Blazertasche.

das Projekt Krimi-Blog

AUS DEN CHAOTISCHEN WINDUNGEN EINES KRIMIVERSEUCHTEN HIRNS BOHRT SICH EIN WEITERER ROMAN AN DIE DIGITALE OBERFLÄCHE EINES BLOGS. WIE SCHON IM VORGÄNGER „ZAHLEN UND ZEICHEN“ SOLL DAS SCHREIBEN EINES KRIMINALROMANS MIT DER PRAXIS DES BLOGGENS VERBUNDEN WERDEN. DAS BEDEUTET, DASS DER PLOT IN DEN GRUNDZÜGEN FESTSTEHT, DER KRIMI JEDOCH NICHT BEREITS FIX UND FERTIG IN DER SCHUBLADE LIEGT, SONDERN SICH IM SCHREIBEN ENTWICKELT. WAS GESCHRIEBEN WIRD, WIRD KURZ DARAUF GEBLOGGT, IST DAMIT FAKTISCH, UND WIRD NUR IN AUSNAHMEFÄLLEN (SEHR PEINLICHE TIPPFEHLER) GEÄNDERT. ERGÄNZT WIRD DAS GANZE DURCH METATEXT UND LINKS. EUCH UND MIR ALSO VIEL SPAß BEI „SPUREN UND STERNE“.

Und hier gehts zum Anfang

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Archivierung Ihres Blog-Krimis,...
Das Deutsche Literaturarchiv verfolgt mit Interesse...
Jochen Walter (Gast) - 26. Feb, 11:52
Off topic: Anfrage des...
Das Deutsche Literaturarchiv verfolgt mit Interesse...
Jochen Walter - 25. Mai, 13:12
Das Ende eines Blog-Krimis
und ich bin ein bisschen wehmütig, weil es mir viel...
Flannery Culp - 13. Mai, 20:54
113: Ende
Die Sonne scheint heiß, vielleicht zum letzten Mal...
Flannery Culp - 12. Mai, 14:00
112: Auf-Lösung
„Schwarz hat die Adressen von Burg und der Dahlem herausbekommen...
Flannery Culp - 7. Mai, 21:21

Links (Der Betreiber dieses Blogs übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche gegen den Betreiber dieses Blogs, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich ausgeschlossen.)

Suche

 

Status

Online seit 6810 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 26. Feb, 11:52

Credits

RSS Box


Kapitel Drei
Kapitel Eins
Kapitel Fünf
Kapitel Sechs
Kapitel Vier
Kapitel Zwei
Metablog
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren