Montag, 25. September 2006

sternkleinsternkleinsternklein

Krimi im Blog: Teil 3

Kaspars Stimme hat einen höhnischen Beiklang. „Ziemlich wenig Presse für einen so wichtigen Polizisten, oder?“ Alena sitzt auf ihrem braunen Ledersofa und balanciert eine Teetasse in der einen Hand und ein Buch auf ihren Knien. „Das war bestimmt noch nicht alles. In den nächsten Tagen werden die Tageszeitungen voll sein von Todesanzeigen seiner Familie, Freunde und Kollegen.“ – „Er hatte keine Familie.“ Das klingt etwas gehässig, findet Alena. Sie schweigt einen Moment. „Ich kannte den Artikel schon, habe ihn Sonntagmorgen online in der gleichen Zeitung gelesen. Die Nachricht hat mir nicht gerade den Tag versaut, “ fährt Kaspar fort. „Weißt Du, wie er gestorben ist?“ Alena entschließt sich zu einer direkten Frage. Sie hat keine Lust, mit Kaspars Ressentiments konfrontiert zu werden. Am anderen Ende herrscht einen Moment Stille. „Nein, woher sollte ich das wissen?“ Alena versucht, gleichgültig zu klingen. „Ich dachte nur. Ich bin etwas neugierig, weil nichts in der Zeitung steht.“ Erneut diese vorsichtige Stille. „Na, woran wird er schon gestorben sein. Altersschwäche, Herzinfarkt, oder an kaputter Leber?“ Alena versucht, aus seiner Stimme irgendeinen Hinweis auf seine tatsächliche Gemütsverfassung zu hören. „Findest Du es nicht seltsam, dass die Zeitungen so zurückhalten berichten? Bzw. dass die Kripo keine näheren Infos herausrückt? Das schreit einem doch gerade entgegen, dass er nicht eines natürlichen Todes gestorben ist.“ Kaspars Anspannung dringt nun für Alena fast fühlbar durch die Leitung. „Er ist vielleicht von der Mafia ermordet worden. Er war doch in der Organisierten.“ – „Und wenn nicht? Wenn es etwas mit Früher zu tun hatte?“ Kaspar scheint nun plötzlich verärgert. „Warum hast Du mir eigentlich den Artikel gemailt“, fragt er herausfordernd. Alena spielt nervös mit ihren Locken und als sie es bemerkt, nimmt sie den Telefonhörer in die andere Hand. „Ist doch klar, warum. Er ist doch nicht gerade irgendein Polizist, oder? Und außerdem dachte ich, dass jetzt für Dich vielleicht die ganze Sache wieder hoch kommt. Und ich wollte Dir nur sagen, wenn Du jemanden zum Reden brauchst, dann bin ich da.“ Sie spürt, dass seine Anspannung langsam nachlässt. „Tut mir leid. Du hast natürlich Recht. Nicht, dass ich die Sache jemals vergessen habe, aber die Tatsache, dass er jetzt tot ist, …“ Er stockt einen Moment. „Ich habe zuerst fast so etwas wie Genugtuung gefühlt. Das ist krank, oder?“ Er wartet Alenas Antwort nicht ab. „Gleichzeitig kam es mir vor, als ob die Antwort auf meine Fragen in noch weitere Ferne gerückt ist. Nicht, dass er mir hätte helfen können, sonst hätte ich vielleicht irgendwann versucht, mit ihm zu reden. Aber mit seinem Tod ist ein weiteres Verbindungsstück verschwunden, und wenn es auch noch so unbedeutend war.“ Beide schweigen einen Moment. Dann spricht Kaspar erneut, und jetzt ist seine Stimme fast lebendig. „Vielleicht ist sein Tod aber gerade keine Sackgasse, sondern vielleicht kommt hier eine neue Spur an die Oberfläche. Verstehst Du, wenn er wirklich von jemandem aus der Gruppe getötet worden ist, bekomme ich vielleicht neue Hinweise, wenn er gefasst wird. Das ist natürlich eine minimale Chance, ich weiß. Aber dann geht es zumindest weiter.“ Alena wird heiß. Diese Entwicklung ist nicht gut. Sie hätte bedenken müssen, dass er so reagieren könnte. Dass er neue Hoffnung schöpft, dass die Resignation wieder in den Fanatismus umschlägt, mit dem er sein ganzes Leben kaputt macht. Wie ist sie nur auf die schwachsinnige Idee gekommen, dass Kaspar eine Rolle bei Schwarz´s Tod spielen könnte? Sie hätte einfach ihren Mund halten sollen. Keine schlafenden Hunde wecken. Aber gleichzeitig weiß sie, dass Kaspars Reaktion auch ohne ihr Eingreifen erfolgt wäre. Er kann nicht anders. „Kaspar, mach Dir keine Hoffnungen. Wir wissen tatsächlich noch nicht einmal, ob er ermordet wurde.“ Kaspar denkt nach. „Wie kriegen wir es heraus? Kennst Du jemanden bei der Presse?“ Alena schließt die Augen. Wieso zieht er sie jetzt in seinen Wahnsinn hinein? Das ist nicht ihr Spiel. Aber ihr ist auch bewusst, dass sie selbst sich in diese Situation gebracht hat. Mit der Mail hat sie den Startschuss gegeben und sich gleich mit in den Wagen geschwungen, mit dem Kaspar vielleicht endgültig über den Abgrund fährt. Sie atmet tief ein und wieder aus. „Bei der Presse kenne ich niemanden. Aber…“ Spontan ist ihr ein Name eingefallen und wurde im gleichen Moment vom rationalen Teil ihres Hirns weit weg gedrängt. Besser nicht. „Was, aber? Kennst Du jemand anderen, der uns weiterhelfen könnte? Bitte Alena, du weißt genau, wie wichtig das für mich ist.“ Sie hält die Verzweiflung in Kaspars Stimme nicht aus. Himmel, worauf lässt sie sich da wieder ein? „Alena? Hilfst Du mir?“ Alena erwischt sich dabei, wie sie erneut nervös an ihren Locken zerrt. Ich kann nicht mehr vor und nicht mehr zurück, denkt sie und beißt verzweifelt auf ihren Daumen. Dann wird sie plötzlich ruhiger. Gut, ich stecke drin, es lässt sich sowieso nicht mehr ändern. Ich kann jetzt nur noch mitspielen und die Angelegenheit so schnell und unkompliziert wie möglich hinter uns bringen. Entschlossen sagt sie: „Ich kenne jemanden bei der Kripo. Vielleicht gibt sie mir ein paar Informationen.“ Enthusiasmus schwappt durch den Hörer. „Klasse, genau das, was wir brauchen. Wann redest Du mit ihr?“ Alena seufzt. „Warte bitte erst einmal ab. Es wird nicht ganz so einfach. Meine Kontaktperson ist eher etwas schwierig.“

das Projekt Krimi-Blog

AUS DEN CHAOTISCHEN WINDUNGEN EINES KRIMIVERSEUCHTEN HIRNS BOHRT SICH EIN WEITERER ROMAN AN DIE DIGITALE OBERFLÄCHE EINES BLOGS. WIE SCHON IM VORGÄNGER „ZAHLEN UND ZEICHEN“ SOLL DAS SCHREIBEN EINES KRIMINALROMANS MIT DER PRAXIS DES BLOGGENS VERBUNDEN WERDEN. DAS BEDEUTET, DASS DER PLOT IN DEN GRUNDZÜGEN FESTSTEHT, DER KRIMI JEDOCH NICHT BEREITS FIX UND FERTIG IN DER SCHUBLADE LIEGT, SONDERN SICH IM SCHREIBEN ENTWICKELT. WAS GESCHRIEBEN WIRD, WIRD KURZ DARAUF GEBLOGGT, IST DAMIT FAKTISCH, UND WIRD NUR IN AUSNAHMEFÄLLEN (SEHR PEINLICHE TIPPFEHLER) GEÄNDERT. ERGÄNZT WIRD DAS GANZE DURCH METATEXT UND LINKS. EUCH UND MIR ALSO VIEL SPAß BEI „SPUREN UND STERNE“.

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