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    <title>Krimi-Blog : Kommentare</title>
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    <dc:publisher>Flannery Culp</dc:publisher>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
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    <title>Krimi-Blog</title>
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  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3724707/#6208574">
    <title>Archivierung Ihres Blog-Krimis, die zweite</title>
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    <description>Das Deutsche Literaturarchiv verfolgt mit Interesse ihr Weblog und wuerde gern mit Ihnen Kontakt aufnehmen. Ueber eine Rueckmeldung an Jochen.Walter@dla-marbach.de wuerden wir uns sehr freuen. Gruesse aus Marbach, Jochen Walter</description>
    <dc:creator>Jochen Walter (Gast)</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 Jochen Walter (Gast)</dc:rights>
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  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3724707/#5719532">
    <title>Off topic: Anfrage des DLA Marbach</title>
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    <description>Das Deutsche Literaturarchiv verfolgt mit Interesse ihr Weblog und wuerde gern mit Ihnen Kontakt aufnehmen. Ueber eine Rueckmeldung an Jochen.Walter@dla-marbach.de wuerden wir uns sehr freuen. Gruesse aus Marbach, Jochen Walter</description>
    <dc:creator>Jochen Walter</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Jochen Walter</dc:rights>
    <dc:date>2009-05-25T11:12:34Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3724707/">
    <title>Das Ende eines Blog-Krimis</title>
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    <description>und ich bin ein bisschen wehmütig, weil es mir viel Spass gemacht hat - und ich hoffe natürlich auch allen eventuellen Lesern!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rückblick stelle ich fest, dass es fast ein wenig schwierig war, über ein Thema zu schreiben, das plötzlich so aktuell und heftig diskutiert worden ist. Damit habe ich zu Beginn des Krimis im letzten Jahr überhaupt nicht gerechnet. Zumindest die Debatte um die Freilassung Brigitte Mohnhaupts und Christian Klars war zu diesem Zeitpunkt nicht vorhersehbar und auch die Tatsache, dass sich der Deutsche Herbst 2007 zum 30. Mal jährt hat meine Entscheidung für dieses Thema nicht beeinflusst. Ausschlaggebend war ein allgemeines Interesse für den Terrorismus der 70er Jahre und einfach der Gedanke, dass ich jetzt gerade ein wenig Zeit habe, um mich damit zu beschäftigen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Positive an der Debatte waren natürlich die vielen Gedankenanstöße, die das Schreiben nicht unwesentlich beeinflusst haben. Nicht beeinflussen lassen wollte ich dagegen die Handlung des Krimis. Auch wenn das Schreiben eines Blogkrimis eine unmittelbare Reaktion auf Ereignisse und ihre textliche Einbindung möglich macht, wollte ich weder den Gang des Krimis dadurch verändern, noch im Rahmen des Krimis Bezug darauf nehmen. Vielleicht wäre es interessant gewesen, Pia Stein-Bachmüller mit der Freilassung Brigitte Mohnhaupts zu konfrontieren, oder Kaspar Wagenbachs Meinung zum gescheiterten Gnadengesuch Klars zu hören. Vielleicht hätte die hitzige Debatte in unserer Welt auch die nervöse Stimmung in Altenburg angeheizt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ich habe davon Abstand genommen, weil ich letztendlich für ein wenig Distanz zum Geschehen doch ganz dankbar war. Krimis sind Krimis und die Realität ist die Realität. Habe ich eine einmalige Gelegenheit verstreichen lassen? Ich weiß es nicht, mich würde jedoch interessieren, was andere darüber denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber gut, jetzt ist Schluss - fürs erste. Dies ist eine Fortsetzung des ersten Blog-Krimis &lt;a href=&quot;http://myblog.de/krimiblogger&quot;&gt;Zahlen und Zeichen&lt;/a&gt; und vielleicht gibt es irgendwann mal eine weitere Fortsetzung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer heute zum ersten Mal auf diesen Blog stößt, dem seien die freundllichen Worte ans Herz gelegt, die am Ende eines jeden Mangas stehen: Sutoppu! Koko wa kono manga no owari dayo. Hantaigawa kara yomihajimete ne! Was in unserem Fall so viel heißt wie: Stopp! Dies ist der Schluss des Krimis! Fangt bitte am anderen &lt;a href=&quot;http://flanneryculp.twoday.net/stories/2708491/&quot;&gt;Ende&lt;/a&gt; an!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Grüße, der Krimiblogger</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Metablog</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-05-13T18:24:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3718214/">
    <title>113: Ende</title>
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    <description>Die Sonne scheint heiß, vielleicht zum letzten Mal in diesem Jahr. Pia sitzt an einem der Tische vor dem Cafe am Marktplatz und rührt in ihrem Milchkaffee. Sie streckt die Füße in den klassischen braunen Sandalen von sich und betrachtet ihre schlanken Waden. Zum Sommerabschluss trägt sie noch einmal ein weißes Hemdkleid aus Leinen; die Sonnenbrille sitzt wie ein Haarreif auf dem frisch geschnittenen blonden Haar. Sie blinzelt, als Alenas Schatten auf sie fällt. Warten Sie schon lange? Alena setzt sich und Pia stellt amüsiert fest, dass auch der letzte Sommertag im Jahr Alena nicht dazu bewegen konnte, von ihrer üblichen schwarzen Kleidung abzuweichen. Eine Weile, aber Sie sind nicht zu spät. Pia lächelt entspannt. Ich habe heute frei. Ich habe bis 9 Uhr geschlafen, habe mir zum Frühstück Croissants geholt und bis 10 Uhr die Tageszeitung gelesen. Alena grinst. Hört sich gut an.  Das haben Sie doch jeden Tag, oder, stichelt Pia. Alena zieht eine Grimasse und bestellt einen Oolong mit Pfirsicharoma bei der jungen weiblichen Bedienung. Haben Sie zur Belohnung frei bekommen? Weil Sie den Fall gelöst haben? Alena stützt ihr Kinn auf ihre Hände und ein paar dunkle Locken fallen ihr ins Gesicht. Pia stellt fest, dass das schwarze Poloshirt, das sie zu einem engen schwarzen Rock trägt, von einer teuren britischen Sportmarke ist. Aber sie schiebt ihre Überlegungen zur finanziellen Situation Alenas beiseite um auf die Frage zu antworten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, ich habe zu viele Überstunden. Alenas Tee kommt und Pia wartet, bis sie einen halben Löffel Zucker in die goldfarbene Flüssigkeit gerührt hat. So besonders gut ist es auch gar nicht gelaufen, sagt sie dann, einfach um es einmal loszuwerden. Alena sieht auf. Aber Sie werden doch jetzt bestimmt befördert? Immerhin ging es um den Mord an einem ehemaligen Polizisten. Ihr Chef hat doch immer betont wie wichtig der Fall sei. Im Cafe ist jeder Tisch mit lachenden und redenden Menschen besetzt. Über den Marktplatz bewegt sich gemütlich ein Strom von Spaziergängern. Die Sachbearbeiter auf dem Weg nach Hause haben ihre Sakkos ausgezogen, andere halten eines der Riesenhörnchen in der Hand, die in der Eisdiele gegenüber vom Cafe verkauft werden. Trotzdem bohrt sich durch die Idylle ein kleiner schwarzer Stachel in Pias gute Laune. Sie schüttelt leicht den Kopf, aus Unverständnis über den Gang der Dinge. Aber ihre anfängliche Wut ist verflogen und hat dem Gefühl Platz gemacht, ungerecht behandelt worden zu sein. Und so etwas trägt man mit Würde. Und vor allem, man vergisst es nicht. Ihre Zeit wird kommen, verdammt, das wird sie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie spürt, dass Alena sie unsicher ansieht und vermutet, dass sich ihr innerer Monolog auf ihrem Gesicht gespiegelt hat. Beschwichtigend zuckt sie mit den Schultern. Man hat mir zu verstehen gegeben, dass meine unbestreitbare Leistung bei der Lösung des Falles mit den zahlreichen Fehlern aufgerechnet wird, die ich in den Augen meiner Vorgesetzten gemacht habe. Alena sieht sie nachdenklich an. Dazu zählt nicht vielleicht der Zugriff auf Krause ohne Dienstwaffe, schlägt sie vorsichtig vor. Pia grinst verlegen. Zum Beispiel, murmelt sie. Alena stützt sich auf ihre Unterarme. Ehrlich, als Sie nur mit einer Taschenlampe vor den Wagen gesprungen sind, habe ich fast einen Herzinfarkt bekommen. Hatten Sie keine Angst, dass Krause Sie über den Haufen schießt? Nach einem Schluck Milchkaffee meint Pia nachlässig: Die Taschenlampe hatte ihn so geblendet, dass er nicht sehen konnte, dass ich unbewaffnet war. Ich habe auf den Überraschungseffekt gezählt. Krause ist kein kaltblütiger Mörder. Trotz seiner RAF-Vergangenheit ist er ein gemütlicher Uni-Prof. Ich kenne diese Sorte. Belustigt sieht Alena sie an. Aber Ihre Vorgesetzten haben das anders gesehen. Schulterzucken. Die haben keine Ahnung von der Praxis. Dann erzählt sie weiter, weil es gut tut, bei jemandem Luft abzulassen. Außerdem gab es Probleme, weil ich ja die Tatwaffe berühren musste, und dadurch die Fingerabdrücke von Krause verwischt habe. Mir war zwar von Anfang an klar, dass er aufgrund des Schmauchspurentests überführt werden konnte, aber der großkotzigen Chefetage war jeder Popelgrund willkommen, um mir einen reinzuwürgen. Sie redet sich in Rage, dann wird sie wieder ruhiger. Leider hat ein Routinetest schließlich noch ergeben, dass ich ein paar Promille über Null lag. Alena reißt die Augen auf und Pia rechtfertigt sich schnell: Ich war mit meinem Mann auf diesem Uni-Essen und da habe ich natürlich ein oder zwei Gläser Wein getrunken. Sie rollt mit den Augen. Ich war vollkommen nüchtern und reaktionsfähig. Es ist lächerlich. Über so etwas guckt man bei anderen Kollegen großzügig hinweg. Nur bei mir muss natürlich der Dienstweg gegangen werden. Alena kann das Grinsen nicht unterdrücken und Pia sieht sie verletzt an. Sie finden das witzig? Auf welcher Seite stehen Sie eigentlich? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alena wird ernst und Pia kann sehen, wie es hinter der blassen Stirn arbeitet. Und sie weiß, dass das Problem nicht ihr Verhältnis zu Pia ist, sondern etwas anderes, etwas Tieferes, das sie mit ihrer Bemerkung aufgestört hat. Das hat Sie schon einmal jemand gefragt, nicht war? Brigitte Dahlem? Kaspar Wagenbach? Alena rührt in dem Tee, in dem der Zucker feine Schlieren zieht. Es ist immer schwierig, Partei zu ergreifen, sagt Alena langsam. Und es macht keinen Sinn, wenn man sich nicht seinen eigenen Standpunkt bewahrt. Ansonsten wird man hin- und hergerissen, bis man völlig die Orientierung verliert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide schweigen einen Moment. Dann fragt Pia: Und wie geht es jetzt weiter? Mit Ihnen und Wagenbach, meine ich. Alena starrt auf den kleinen Löffel in ihrer Hand. Wenn er mich braucht, bin ich für ihn da, sagt sie schlicht. Pia betrachtet sie neugierig. Als Freund? Ein bekräftigendes Nicken. Sicher. Nur als Freund. Alena schaut nicht auf, sie scheint mit ihren Gedanken weit weg zu sein. Pia räuspert sich. Sagen Sie ihm, wenn er wieder akademisch tätig werden möchte, habe ich einen Ansprechpartner für ihn. Professor Bergmann von der Uni Altenburg, Historiker und Spezialist für Terrorismus. Ich habe Wagenbach ihm gegenüber erwähnt und er war sehr interessiert, ihn einmal kennen zu lernen. Ich dachte, falls Wagenbach doch noch dieses Buch oder seine Dissertation schreiben möchte. Langsam kehrt Alenas Aufmerksamkeit zu ihr zurück. Das ist nett von Ihnen, sagt sie, etwas erstaunt. Ich werde Kaspar davon erzählen. Nachdenklich fährt sie fort: Er wird sicher anfangs keine große Lust zu diesem Thema haben, aber vielleicht überlegt er es sich später noch einmal. Er würde ja diesmal aus einer ganz anderen Perspektive darauf zugehen. Sie zögert und spricht dann mit sichtlicher Überwindung weiter: Auf die RAF. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pia glaubt zu verstehen, was in ihr vorgeht. Es muss verwirrend für Alena sein, dieser plötzliche Einbruch von etwas Theoretischen in die Wirklichkeit. Vielleicht hat es sie anfangs fasziniert über die RAF nachzudenken, Motive und Gründe zu verstehen, ethische und politische, allgemeine und individuelle Aspekte gegenüberzustellen. Aber durch die Begegnung mit Brigitte Dahlem und die Auswirkungen für Kaspar Wagenbach hat das alles eine andere Qualität bekommen. Es ist real geworden. Zu real für Alena. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unvermittelt sagt Alena: Ich warte noch, bis der Prozess gegen Kaspar vorbei ist. Dann werde ich für ein eine oder zwei Wochen verreisen. Pia ist überrascht. Sie hätte nie daran gedacht, dass Alena an einer Reise gefallen findet. Dass sie ihre Wohnung freiwillig für einen längeren Zeitraum verlassen würde. Alena interpretiert Pias Irritation falsch. Kaspars Anwalt hat gesagt, der Prozess dauert nicht lange. In etwa einem Monat könnte alles vorbei sein. Und dass Kaspar höchstwahrscheinlich Bewährung bekommt.  Ja, schon möglich, erwidert Pia. Dann fragt sie neugierig: Was wird das für eine Reise? So etwas wie Urlaub? Haben Sie ein bestimmtes Ziel? Alenas Blick schweift in eine Dimension, in die Pia ihr nicht folgen kann. Kein Urlaub, murmelt sie unbestimmt. Pia stellt sich stur. Besuchen Sie jemanden? Familie vielleicht?  So etwas ähnliches, sagt Alena, ohne sie anzusehen. Pia seufzt enttäuscht. Gut, wenn Sie nicht darüber reden wollen, Verlegen streicht Alena ihre Locken zur Seite. Ehrlich gesagt, möchte ich tatsächlich nicht darüber reden. Pia denkt an das verschlossene Zimmer in Alenas Wohnung. Das Gefühl wird wieder wach, dass Alena mehr umgibt, als nur ihre Exzentrik.  Und vielleicht wird sie irgendwann einmal herausbekommen, was genau das ist. Pia lächelt leicht. Sicher wird sie es herausbekommen.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Sechs</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-05-12T11:59:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3700395/">
    <title>112: Auf-Lösung</title>
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    <description>Schwarz hat die Adressen von Burg und der Dahlem herausbekommen und ihnen schon ca. 2 ½ Monate vor seinem Tod einen Besuch abgestattet, da er wohl davon ausging, dass einer von ihnen die Briefe geschrieben hat. Burg war sehr viel beunruhigter als Brigitte Dahlem. Er hatte Angst, dass ihm etwas angehängt werden sollte, und dazu kam die Befürchtung, das Leben, das er sich seit der Entlassung aufgebaut hatte, durch diesen Verdacht, wenn er öffentlich geworden wäre, wieder zu verlieren. Er hatte damals die Chance bekommen als Pfleger zu arbeiten, nachdem er allen Gewaltaktionen abgeschworen hatte. Wäre er verdächtigt worden, Drohbriefe an einen ehemaligen Ermittler zu senden, hätte ihm das sicher geschadet. Er beschloss also, zu verschwinden. Wie wir wissen, arbeitete er unter falschem Namen in dem Heim, wo seine Mutter lebt. Pia setzt sich etwas bequemer auf den Plastikstuhl. Gleichzeitig ist er anscheinend an seinen freien Tagen nach Altenburg gefahren um Schwarz im Auge zu behalten. Und bei einer dieser Gelegenheit hat er ihn dabei beobachtet, wie er Robert Koch observierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was für eine Kette von Zufällen, murmelt Alena. Ich denke, das sind nicht unbedingt Zufälle, sagt Pia bestimmt. Es hängt alles miteinander zusammen, die drei waren quasi durch ihre Vergangenheit aneinandergekettet. Burg hat schnell herausgefunden, wo Koch wohnt und arbeitet, und dass es ihm finanziell ziemlich gut geht. Und er hat sofort vermutet, dass Koch der Täter war, als er später erfahren hat, das Schwarz erschossen wurde. Koch hat ausgesagt, dass Burg ihn nach dem Mord kontaktierte und augenscheinlich erpressen wollte. Koch hat Burg daraufhin auf dem Rastplatz getroffen und dort erschossen.  Burg wollte Koch erpressen, ruft Kaspar ungläubig. Pia zieht die Augenbrauen nach oben. Wieso nicht? Entspricht das Ihrer Meinung nach nicht dem Ehrenkodex eines RAF-Mitgliedes? Sie lacht spöttisch.  Wer Waffenhändler ausraubt und Banken überfällt, für den ist auch ein Erpressung kein Problem, oder? Und ich vermute, die Solidarität unter RAF-Kampfgenossen versiegt spätestens dann, wenn man selbst 20 Jahre im Knast sitzt, während der Ex-Genosse in aller Ruhe sein Studium nachholt und dann als Professor an einer berühmten Uni arbeitet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pia wartet eine Antwort von Kaspar ab, aber als er nur vor sich hinstarrt, erzählt sie weiter: Die Beschattung von Frau Dahlem war schließlich aus Kochs Paranoia geboren. Er hat vermutet, dass Burg vor seinem Tod mit Brigitte Dahlem gesprochen hat und ihr von ihm erzählte. Und ich gehe mal davon aus, dass das auch der Fall gewesen ist. Sie sieht Alena an, die mit den Schultern zuckt. Keine Ahnung. Sie hat mir nur gesagt, sie wisse, wer da unten im Auto sitzt. Das sei die einzige mögliche Schlussfolgerung gewesen. Inwieweit sie von Burg informiert worden ist,  Sie beendet den Satz nicht und schaut ihrerseits zu Kaspar. Er reagiert nicht. Als er die Augen beider Frauen auf sich spürt, schüttelt er unwirsch den Kopf. Ich weiß es nicht. Ich habe ja auch erst an dem gleichen Tag wie du von dem Wagen erfahren. Und danach habe ich nicht mehr mit ihr geredet. Nachdenklich sieht Pia ihn an. Dann nimmt sie den Faden wieder auf. Gut, sagt sie. Jedenfalls hatte Koch Angst, dass Brigitte Dahlem sich an ihm rächen würde. Er hat berichtet, dass die Dahlem und Burg damals gut befreundet, vielleicht sogar ein Paar waren. Und er kennt Brigitte Dahlem und traut ihr eine solche Aktion durchaus zu. Wie ich übrigens auch. Sie lächelt dünn. Er wollte ihr auf jeden Fall zuvorkommen und fing an, sie zu beobachten. Dann lehnt sie sich zurück. Das war´s. Den Rest kennen Sie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Moment lang ist es still. Und damals, die Flucht? Hat er Brigitte Dahlems Version bestätigt, fragt Alena nach einem Blick auf den schweigenden Kaspar. Pia nickt. Hoffmann hat sich geweigert, mit Marianne Wagenbach zu fliehen und Koch hat die Gelegenheit ergriffen. Er sagte aus, dass er schon länger vorgehabt hätte, auszusteigen. Schwarz hat ihnen Pässe besorgt und einen Wagen mit einem sauberen Nummernschild. Sie sind in Wolfsburg in den Zug gestiegen und über die Grenze gefahren. In Berlin haben sie dann einen Kontaktmann getroffen, der ihnen ihre neue Identität gegeben hat und wieder neue Pässe. Dann ist Koch in eine Kleinstadt in die Nähe von Weimar gebracht worden, wo er eine Wohnung bekommen hat und in einer Fabrik arbeiten sollte. Das hat er gerade eine Woche durchgehalten. Er hat seinen Vater angerufen und der ermöglichte ihm die Flucht. Wieder ein Wechsel der Identität und schließlich studierte er in Hamburg BWL. Das Studium war die Bedingung seines Vaters für seine Hilfe. Sie wendet sich an Kaspar. In Berlin hat Koch Ihre Mutter das letzte Mal gesehen. Die beiden durften nicht zusammenbleiben und es wurde ihnen untersagt sich zu treffen. Was wohl auch in ihrem Sinne war. Kaspar fixiert immer weiter den grauen Tisch. Ich habe ihn gefragt, ob er bereit wäre, mit Ihnen zu reden. Er hat sofort abgelehnt. Meinte, er wolle mit der RAF nichts mehr zu tun haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt sieht Kaspar auf. Ich will auch nicht mit ihm reden, sagt er fest. Etwas erstaunt sieht Pia zu ihm. Heftig erklärt Kaspar: Es macht mich krank, auch nur den Begriff RAF zu hören. Ich habe die Schnauze so voll. Ich will einfach nicht mehr. Alena und Pia starren ihn an. Schon gut, beschwichtigt Pia. Dann steht sie auf. Ich gehe jetzt wieder. Sie haben noch eine Viertelstunde, Alena, dann ist die Besuchszeit vorbei. An der Tür dreht sie sich noch einmal um. Hätte ich beinahe vergessen. Das wollen Sie aber wahrscheinlich doch haben, bemerkt sie und legt das Foto von Marianne und Schwarz auf den Tisch. Bis dann. Die Tür fällt hinter ihr zu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaspars Augen kleben an dem Foto. Langsam streckt er die Hand danach aus und noch langsamer zieht er es zu sich heran. Wo hat sie das Bild her, fragt er, ohne Alena anzusehen. Alena erzählt es ihm und er nickt nur, mit gesenktem Kopf. Plötzlich fällt ein Tropfen auf das Foto und zerplatzt in eine kleine glänzende Lache.  Erschrocken sieht Alena auf die kleine feuchte Stelle, ohne zu wissen, wie sie reagieren soll. Kaspar wischt hektisch über das Bild und fährt dann mit dem Handrücken über seine Wange. Kaspar, flüstert sie hilflos, und er vergräbt sein Gesicht in seine Hände. Alena rückt näher, legt ihren Arm um seine Schultern und drückt seinen Kopf an ihre Wange. Wie ein Steinbild bleiben sie so, unbeweglich, bis der Beamte hereinkommt um das Ende der Besuchszeit anzukündigen.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Sechs</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-05-07T19:19:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3695337/">
    <title>111: der Fall löst sich</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3695337/</link>
    <description>Sie setzt sich auf den letzen freien Stuhl und sieht von einem zur anderen. Ich wollte Ihnen nur mitteilen, dass Krause in Rekordgeschwindigkeit alles gestanden hat. Er hat Schwarz und Burg getötet und zwar mit der gleichen Waffe, mit der er vorgestern auch auf Brigitte Dahlem geschossen hat. Pia wirft einen Blick auf Kaspar. Sie haben eine Kettenreaktion mit den Briefen in Gang gesetzt. Schwarz war anscheinend nicht wenig beunruhigt, vielleicht hatte er aber auch Langeweile. Jedenfalls hat er alte Kontakte angezapft und angefangen zu ermitteln. Nicht nur, woher die Briefe kommen. Tatsächlich scheint er seine Meinung schon sehr früh gefasst zu haben, denn er hat sich anscheinend schon sehr früh auf die ehemaligen Mitglieder des RAF-Kommandos festgelegt. Möglicherweise hat er erfahren, dass Brigitte Dahlem in der Nähe wohnt und das hat ihn in seiner Mutmaßung bestätigt. Aber er hat in seinem Rundumschlag nicht nur Brigitte Dahlem gefunden, sondern auch Burg - und vor allem Robert Koch. Wir werden wohl nie wissen, wie er genau auf Koch gestoßen ist, aber er hat tatsächlich herausgefunden, dass Koch jetzt als Professor für BWL an der Uni Altenburg lehrt, unter dem Namen Roland Krause. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alena und Kaspar hängen atemlos an ihren Lippen und Pia kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Schwarz muss klar gewesen sein, dass Koch oder Krause nicht der Briefeschreiber gewesen sein konnte, da Koch nun wirklich kein Interesse daran haben konnte, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Aber Koch zu finden, musste so was wie ein verspäteter Höhepunkt seiner Karriere gewesen sein. Dämlich war nur, dass er die Kollegen nicht eingeschaltet hat. Sie macht eine Pause. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum er das nicht getan hat. Und ich vermute, der Grund liegt in der Beziehung, die Schwarz zu Ihrer Mutter hatte, Herr Wagenbach. Einen Moment lang ruht ihr Blick auf Kaspar, der unbeweglich bleibt. Schwarz´ Dilemma war, dass er Koch gerne inhaftiert gesehen hätte, andererseits aber befürchten musste, dass Koch diese kleine Affäre nicht nur den Kollegen erzählt, sondern vor allem der Presse. Nun könnte man vermuten, die Geschichte ist lange her und interessiert niemanden mehr, aber wie man immer wieder sieht, ist die RAF auch 15 Jahre nach ihrer Auflösung noch eine Schlagzeile wert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie schlägt ein Bein über das andere. Statt also die Kripo zu informieren, hat Schwarz Robert Koch selbst beschattet und ist dabei aufgeflogen. Koch hat ausgesagt, dass er Schwarz bald bemerkt hat, vor allem, weil er ihn wieder erkannte. Schwarz hatte ja damals die Flucht in die DDR für Marianne Wagenbach organisiert, in die Koch sich kurzfristig eingeklinkt hatte. Die Tatsache, dass der Beamte von damals sich auf seine Fersen heftete, hat Koch ziemlich nervös gemacht. Er wusste nichts von den Briefen und musste vermuten, dass Schwarz ihn entweder immer noch sucht oder durch Zufall auf ihn gestoßen ist. Dass Schwarz gerade in Altenburg gearbeitet hat, war Koch auch nicht bekannt. Er ist nach Altenburg gekommen, weil die renommierte Uni ihn gelockt hat. Und mit den Kontakten seines Vaters stand ihm auch dieser Weg offen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pia macht eine Pause, aber fährt schnell fort, als sie das ungeduldige Gesicht Alenas sieht. Irgendwann hat Koch die Nerven verloren, hat sich die Waffe genommen, die seit seiner Flucht in seinem Besitz war, und hat Schwarz einen Besuch abgestattet. Koch sagt, er hätte nicht vermutet, dass Schwarz mit seinem Wissen zur Kripo gegangen ist, da er in diesem Fall schon längst verhaftet worden wäre. Schwarz hat ihn über einen längeren Zeitraum allein beschattet, und außerdem hat Koch herausbekommen, dass Schwarz bereits pensioniert war. Und um zu verhindern, dass Schwarz sein Wissen doch verbreitet und Kochs neues Leben an dieser Stelle zu Ende ist, hat er ihn erschossen, hat die Aktenordner mit Schwarz´ Ermittlungsergebnissen mitgenommen und alles, was er sonst noch gefunden hat, was auf ihn oder die RAF deutete. Sie zuckt mit den Schultern. Da er von den Briefen nichts wusste, hat er danach auch nicht gesucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und warum hat er Burg erschossen, fragt Alena mit kaum unterdrückter Neugierde.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Sechs</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-05-06T13:03:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3690015/">
    <title>110: Tod und Leben</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3690015/</link>
    <description>Brigitte Dahlem starb noch in der gleichen Nacht an dem Lungenschuss. Alena hatte sich von Pia ins Krankenhaus fahren lassen und war ihr dankbar dafür, dass sie nicht nach einem Grund gefragt wurde. Sie hätte jetzt nicht einfach in ihre Wohnung gehen und in die schützende Routine ihres Alltags eintauchen können. Nein, Brigitte Dahlem war keine Freundin, niemand, den sie vorbehaltlos mochte, noch nicht einmal jemand, den sie um jeden Preis verstehen wollte. Was sie dazu brachte, die nächsten zwei Stunden auf den orangen Plastikstühlen in Wartebereich des Krankenhauses zu sitzen, war vor allem die Tatsache, dass Brigitte Dahlem in dieser Nacht ein paar ihrer Gedanken mit ihr geteilt hatte. Dass sie versucht hatte, mit Alena zu reden, eine Verbindung aufzubauen. So vage und fragil sich diese auch dargestellt hatte, für einen kurzen Moment hatte sie ein Fenster aufgestoßen, und durch diesen Moment fühlte Alena sich an die sterbende Frau gebunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ein junger Arzt mit müdem Gesicht und roten Augen ihr im Glauben, sie sei eine Verwandte, mitteilte, dass die Patientin die Operation nicht überlebt hatte, nickte Alena nur und verließ das Krankenhaus. Es lag am Rande der Stadt, aber sie lief zu Fuß nach hause, schnell und mit starrem Blick. Als wolle sie dem Mitgefühl mit der Toten davonlaufen, das aus ihr ausströmte und ins Nichts floss, und das ein Gefühl der Leere hinterlies. Ich bin müde, dachte sie. Ich muss schlafen. Wenn ich aufwache, ist alles wieder wie vorher. Ich werde wieder intakt sein. Intakt. Das Wort geisterte in ihrem Kopf herum. Als wenn sie jetzt Löcher aufwies, Bruchstellen und Risse. Aber vermutlich war es auch so, sie war so rissig wie die kaputte Mauer eines Staudamms; was sie jetzt um alles in der Welt verhindern musste, war das Herausschießen der Wassermassen und das Versinken im völligen Chaos. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie damals. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alena schloss die Augen, ballte die Hände zu Fäusten und lief noch schneller. Nein, daran durfte sie jetzt nicht denken. Sie war müde und musste schlafen. Nur schlafen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag sitzt sie mit Kaspar in einem nüchternen Raum mit zwei Stühlen und einem Tisch. Der Beamte hat auf Weisung Pias den Raum verlassen und wacht vor der Tür, und Alena ist Pia dankbar für das bisschen Privatsphäre. Kaspars Gesichtsfarbe ist grau, er hat dunkle Ringe unter den Augen und sein Blick ist starr. Ich komme mir vor wie jemand, der die Büchse der Pandora geöffnet hat, sagt er leise. Das wäre alles nicht passiert, wenn ich diese Briefe nicht geschrieben hätte.  Aber die Anklage betrifft doch nur die Briefe, oder? Du kannst doch nicht für die Taten von Krause zur Verantwortung gezogen werden, wendet Alena ein, in dem Bewusstsein, dass dieser Hinweis sein Problem nicht löst. Wie erwartet, schüttelt Kaspar den Kopf. Darum geht es nicht. Es ist mir egal, wofür ich verurteilt werde. Ich werde nur immer wissen, was meine Tat alles nach sich gezogen hat. Was ich ausgelöst habe. Alena greift seine Hand, die verkrampft dem grauen Plastiktisch liegt. Kaspar, dass du überhaupt etwas auslösen konntest, lag vor allem daran, dass die Vergangenheit zu viele lose Fäden aufwies. Ich will nicht sagen, dass die Vergangenheit unabgeschlossen ist, weil immer alles im Fluss ist und es in diesem Sinne nie einen Abschluss gibt, nie etwas fertig ist. Aber in diesem Fall war die Vergangenheit wie eine offene Wunde, die nur notdürftig abgedeckt war. Und du hast mit deinen Briefen quasi den Verband weggezogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum ersten Mal erscheint so etwas wie ein Lächeln auf Kaspars blassem Gesicht. Ich hätte ahnen können, dass du auch für diesen Fall eine philosophische Abhandlung in petto hast. Er wird wieder ernst. Vielleicht hast du Recht, murmelt er. Es ist jedenfalls angenehmer, sich nur als ein Rädchen im Getriebe der Geschichte zu fühlen. Aber Tatsache ist trotzdem, dass ich aus egoistischen Motiven gehandelt habe. Irgendwie wollte ich schon die Vergangenheit aufrollen, aber nur um meinetwillen. Und gleichzeitig wollte ich mich auch rächen. Er zieht seine Hand aus Alenas Finger und vergräbt sein Gesicht darin. Verdammt, und ausgerechnet an dem Mann, der meiner Mutter nur helfen wollte. Hätte ich doch nur mit ihm geredet. Alena sieht auf ihre leere Hand, die auf dem Tisch liegen bliebt. Ich sage ja nicht, dass es richtig war, wie du gehandelt hast. Ich bin nur froh, dass du auch erkennst, dass diese Briefe eine blöde Idee waren. Und letzten Endes waren es nur diese Briefe, die du zu verantworten hast. Du hast weder Schwarz noch Burg erschossen. Sie ist einen Moment still. Und auch nicht Brigitte Dahlem. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie holt tief Luft. Du bist nicht das Zentrum der ganzen Geschichte, Kaspar, nur ein kleiner Teil davon. Du bist weder so unwichtig, dass das Geschehen an dir vorbeiläuft, noch so wichtig, dass du den Lauf des Geschehens bestimmen kannst. Jeder Teil in diesem Relationsgefüge hat den Gang der Ereignisse bestimmt. Du bist nicht der einzige, der Fehlentscheidungen getroffen hat. Sie berichtet von den Worten Brigitte Dahlems und kann sehen, dass sie Kaspar berühren. Dann sieht Alena ihn fest an: Und wenn du dich genug zerfleischt hast, musst du vor allem die Vergangenheit loslassen, Kaspar. Es ist richtig, dass du nicht vergisst, was du getan hast. Aber es ist falsch, sich in diesem Wissen einzuigeln und den Rest deines Lebens damit zu verbringen, über deine Schuld zu grübeln. Du lässt schon zu lange die Vergangenheit deine Gegenwart bestimmen. Damit muss endlich Schluss sein. Kaspar lässt die Hände sinken und schaut müde hoch. Er seufzt. Irgendwie weiß ich das auch. Aber das ist alles nicht so einfach. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es klopft an der Tür und Pia schaut in den Besuchsraum. Darf ich kurz stören?</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Sechs</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-05-04T15:48:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3685656/">
    <title>109: ein Schuss</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3685656/</link>
    <description>Im gleichen Moment zerreißt ein schnelles, hartes Geräusch die Nacht, ohrenbetäubend und unwirklich. Der Nachhall des Schusses scheint im Raum zu stehen, als wenn die Zeit angehalten würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alena sieht Pia einen Herzschlag lang zögern, dann springt sie vor die Motorhaube, hält mit gestrecktem Arm eine Taschenlampe ins Wageninnere und schlägt mit der flachen Hand auf das Wagenblech. Polizei. Werfen Sie die Waffe aus dem Wagen und steigen Sie sofort aus. Ihre Stimme ist laut und kräftig. Der helle, weiße Strahl der Stablampe ruckt zwischen Fahrersitz und Beifahrersitz hin und her; dann zieht sie ihren Ausweis aus der Tasche und zeigt ihn vor. Alena starrt auf die Beifahrerseite, auf den reglosen Rücken von Brigitte Dahlem. Eine endlose Sekunde vergeht, dann klappert etwas auf den Asphalt. Auf der Fahrerseite. Alenas Kehle wird eng. Pia spurtet auf die Seite des Wagens und hebt die Waffe auf, die sie jetzt auf den Mann richtet, der langsam und mit erhobenen Händen aussteigt. Drehen Sie sich um und legen Sie die Hände auf das Wagendach. Beine auseinander. Und in Alenas Richtung: Sagen Sie, wir brauchen dringend einen Krankenwagen! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Telefonat steht Alena langsam aus ihrer Hocke auf und geht mit wackeligen Knien auf die Konstellation zu, die, beleuchtet von den Straßenlampen, wie die Szene aus einem Film wirkt. Sie nimmt den Wagen mit den geöffneten Türen wahr, den gesenkten Kopf des Mannes, der von Pia abgesucht wird, den schwarzen Rücken von Frau Dahlem. Die Waffe auf den Mann gerichtet, ruft Pia jetzt ins Wageninnere: Brigitte Dahlem, hören Sie mich? Dann sieht sie Alena in den Lichtkegel treten, ihre Blicke treffen sich. Alles in Ordnung, Alena? Sie nickt stumm und geht weiter auf die Beifahrertür zu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krause, gehen Sie um den Wagen herum und legen Sie sich mit dem Gesicht nach unten auf die Straße. Wenn Sie sich rühren, schieße ich aus Notwehr, befiehlt Pia. Als Krause sich mit ausgestreckten Armen auf den Asphalt gelegt hat, kommt sie an Alenas Seite. Wir versuchen, sie aus dem Wagen zu kriegen. Können Sie unter ihre Arme greifen und ihren Oberkörper herausziehen? Aus der Nähe sieht man das Blut auf dem schwarzen Pulli der Dahlem glänzen. Alena beisst sich auf die Lippen und schiebt vorsichtig ihre Arme unter den Achselhöhlen der Frau durch; als ihre Finger in etwas Nasses, Glitschiges in Bauchnähe greifen, zuckt sie zusammen. Dann zieht sie, erst sanft, dann etwas stärker, während Pia den Kopf der Dahlem nach unten drückt und gleichzeitig mit der Waffe den Mann auf dem Asphalt im Auge behält. Schließlich ist der Oberkörper frei und sinkt schlaff gegen Alenas Brust; sie spürt den Pferdeschwanz an ihrer Wange, während sie mit Pias Hilfe die Frau aus dem Wagen holt und rücklings auf den Bürgersteig legt. Sofort zieht Pia ihre dunkelblaue Jacke aus und stopft sie unter den Kopf der Frau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brigitte Dahlem ist bleich, ihre Augen sind geschlossen. Als Pia ihren Kopf anhebt, beginnt sie plötzlich zu husten, und ein Blutschwall fließt aus ihrem Mund. Pia flucht leise und murmelt: Halten Sie durch, der Krankenwagen kommt gleich. Brigitte Dahlem öffnet die Augen, ihr Blick geht von Pia zu Alena und bleibt dort hängen. Ihr Mund bewegt sich, aber es kommt nur ein Gurgeln hinaus. Versuchen Sie nicht zu reden, drängt Pia und wischt mit einem Papiertaschentuch das Blut vom Mund der Frau. Hilflos starrt Alena auf die Augen der Dahlem, als könne sie dort lesen, was die Frau sagen will. In Brusthöhe ist die Stelle zu sehen, in die die Kugel eingedrungen ist, immer mehr Blut fließt dort aus. Pia zieht ihr graues Sweatshirt aus und drückt es mit einer Hand auf die Wunde um den Blutfluss zu stoppen. Wann kommt endlich der verdammte RTW, zischt sie. Ihr Blick fällt auf die bewegungslose Gestalt auf der Straße und sie wünscht sich, sie könnte ihre Wut an dem Mann auslassen, der sein Gesicht in das Asphalt drückt. Unter dem Pulli hat sie nur ein T-Shirt mit kurzen Armen an, aber sie spürt keine Kälte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alena hat die Hand der Dahlem genommen und hält sie. Plötzlich wird ihr bewusst, wie still es ist. Sie schaut nach oben, aber nirgendwo brennt Licht. Trotzdem kann sie die Gesichter hinter den Scheiben spüren, die Gaffer, die nichts mit dem zu tun haben wollen, was hier unten passiert; und das taube Gefühl in ihr wird vom Zorn verdrängt, der kurz und heftig auflodert. Als er wie ein Streichholz verglimmt, breitet sich eine Traurigkeit in ihrem Bauch aus, ein schwarzer See, der immer höher steigt, mit dunklem Wasser so dick wie Öl. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich hören sie aus der Ferne das Horn des Rettungswagens.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Sechs</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-05-03T16:26:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3681740/">
    <title>108: Flucht nach vorn</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3681740/</link>
    <description>Einen Moment hocken sie nebeneinander. Dann flüstert Brigitte Dahlem: Ich schleiche mich jetzt an und Sie bleiben hier. Leise. Alena beobachtet mit klopfendem Herzen, wie die dunkle Gestalt geduckt auf den Wagen zuläuft. Dann geht alles sehr schnell. Frau Dahlem reißt die Beifahrertür auf und lässt sich auf den Sitz fallen, die gezogene Waffe blitzt im Licht der Straßenlampe auf. Alenas Hand fährt zu ihrem Mund und unterdrückt einen Aufschrei. Plötzlich ist sie sicher, dass Brigitte Dahlem schießen wird, dass sie von Anfang an vorhatte, den Fahrer des Wagens zu töten. Aber nichts passiert, kein Schuss durchbricht die stille Dunkelheit. Alena hört ihr Blut in den Ohren rauschen, es ist lauter als das Flüstern, das aus dem Wagen zu ihr dringt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie versucht sich zu konzentrieren. bist es also. Was willst du hier? Warum stehst du jede Nacht vor meiner Wohnung, versteht sie mühsam. Erkennen kann sie nichts außer dem Rücken der Dahlem, der in der geöffneten Wagentür sichtbar ist. Eine Männerstimme antwortet. Fast unhörbar. Alena kriecht einen Meter nach vorne, jetzt ist sie direkt neben der Mülltonne, noch im Schatten, aber nicht mehr hinter der Mauer.  mich in Ruhe! Was wollt ihr alle von mir? Ich habe es satt! Die männliche Stimme ist lauter geworden, panischer. Brigitte Dahlem lässt ein trockenes Lachen hören. Was heißt hier, wir sollen dich in Ruhe lassen? Und wen meinst du mit Wir? Es gibt kein Wir mehr. Ihre Stimme bekommt einen drohenden Ton. Oder hast du mit Hajo gesprochen? Alena kann keine Antwort hören und überlegt ob sie es wagen kann, noch weiter nach vorn zu krabbeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plötzlich legt sich eine Hand auf ihren Mund und eine Stimme flüstert in ihr Ohr: Ich bins, Pia. Nicht schreien, Alena. Alena gibt einen erstickten Laut von sich und ringt nach Luft, als die Hand weggenommen wird. Schnell dreht sie sich um. Was zum Teufel machen Sie hier, zischt Pia wütend, noch bevor Alena etwas sagen kann. Und was zum Teufel macht die Dahlem da? Will sie abgeknallt werden?  Sie hat eine Waffe, wispert Alena nervös und beobachtet gebannt, wie Pias Gesichtsausdruck sich verändert. Die Zornesfalte verschwindet und macht purer Besorgnis Platz. Verflucht, murmelt Pia. Verflucht.  Haben Sie denn nicht auch eine Dienstwaffe, beginnt Alena, aber die Worte bleiben ihr im Hals stecken, als Pia mit starrem Gesicht verneint. Zu hause, murmelt sie. Ich dachte nicht, dass ich sie brauchen würde. Ich wollte eigentlich nur nach dem Rechten sehen. Aber als ich die Straße entlang gefahren bin, habe ich die Bewegung hier an den Containern gesehen. Sie wird wieder wütend. Was haben Sie sich dabei gedacht? Und warum haben Sie mich nicht angerufen?  Ich wollte Sie anrufen, flüstert Alena hastig. Aber vorher musste sich Frau Dahlem vergewissern, wer da im Auto sitzt und ob sie sich nicht alles eingebildet hat. Etwas verlegen fügt sie hinzu: Und ich habe kein Handy. Fassungslos starrt Pia sie an, dann schüttelt sie den Kopf und flüstert: Hätte ich mir eigentlich denken können. Wozu braucht  man ein Handy, wenn man in der Parallelwelt lebt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie zeigt auf den Wagen. Was ist da los? Wer ist der Fahrer? Hilflos antwortet Alena: Ich kann nichts erkennen. Es ist allerdings ein Mann. Und Frau Dahlem vermutet, dass es Robert Koch ist.  Das vermute ich allerdings auch, sagt Pia grimmig. Allerdings heißt Robert Koch jetzt Dr. Roland Krause. Alenas neugieriger Blick wird ignoriert. Jetzt seien Sie leise, sonst kann ich nicht verstehen, was sie sagen. Dicht aneinandergedrängt horchen sie in Richtung Wagen und vernehmen gerade noch Brigitte Dahlems Stimme:  war mit Hajo? Hajo ist tot und ich möchte verdammt noch mal wissen, wer das war! Unterdrückte Wut begleitet die Worte und Pia und Alena erfassen fast gleichzeitig den Ernst der Lage. Pia reißt ihr Handy heraus und drückt es Alena in die Hand. Rufen Sie die 101 und erklären Sie ihnen, wo wir sind und dass ich Verstärkung brauche. Sofort. Dann springt sie auf und läuft auf den Wagen zu.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Sechs</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-05-02T16:56:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3674099/">
    <title>107: Parallelen</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3674099/</link>
    <description>Pia fährt die menschenleere Bundesstraße nach Weißbach entlang. Das Fernlicht verfängt sich in den Baumstämmen an den Rändern und springt munter zurück auf den Asphalt. Pia dagegen spürt langsam die Müdigkeit. Ihre Augen brennen und ihre Aufmerksamkeit verliert sich ein ums andere Mal in dem Licht der Scheinwerfer. Die Uhr auf der Instrumentenanzeige leuchtet Viertel vor Drei. Pia starrt in die Dunkelheit und seufzt. Was für eine bescheuerte Idee. Sie hätte jetzt gemütlich in ihrem Bett liegen können. Als wenn da tatsächlich ein Wagen vor dem Haus der Dahlem wartet. Vielleicht sieht Brigittchen ihn sogar. In ihrer Paranoia steht er gegenüber von ihrem Fenster und wartet auf sie. Pia schlägt mit dem Hinterkopf gegen die gepolsterte Stütze. Wie verzweifelt ist sie eigentlich, dass sie sich auf eine solche Aktion einlässt? Sie hat doch einen Verdächtigen. Eigentlich kann sie sich jetzt zurücklehnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig weiß sie genau, dass die höhnische Stimme in ihrem Kopf unrecht hat. Nie im Leben hat Kaspar Wagenbach Schwarz und Burg erschossen. Der Typ ist fertig, schräg und vielleicht selbstmordgefährdet. Aber kein Mörder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich erfasst das bläuliche Fernlicht das Ortseingangsschild von Weißbach. Mit unverminderter Geschwindigkeit fährt Pia durch das Wohngebiet. Erst als sie in die Nähe von Brigitte Dahlems Straße kommt, bremst sie ab. Sie wird den Wagen in einer Parallelstraße abstellen und dann zu Fuß weitergehen. Man kann ja nie wissen. Aber es schadet nichts, vorher kurz mit dem Wagen die Straße abzufahren. Vielleicht muss sie dann gar nicht mehr aussteigen und kann sofort wieder umkehren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keuchend läuft Alena hinter Brigitte Dahlem her. Sie sprinten über die Straße, und Alena wagt noch nicht einmal, ihren Blick in Richtung des Fahrzeugs zu lenken, als könnte dieser Blick den Fahrer aufschrecken. Sie laufen weiter bis zur nächsten Kreuzung und biegen rechts ab. Als sie die ersten Seitenstiche spürt, verschwindet die Gestalt vor ihr zwischen einigen vertrockneten Sträuchern. Alena kann schwach den Pfad erkennen, der tatsächlich zwischen den zwei Mietskasernen hindurchführt. In der Mitte der beiden Häuser bleibt Frau Dahlem plötzlich stehen und bevor Alena stoppen kann, prallt sie gegen die Frau. Passen Sie gefälligst auf. Wie trottelig kann man eigentlich sein, murmelt die Dahlem zwischen den Zähnen und Alena flüstert ein Entschuldigung. Jetzt passen Sie auf. Wir sind direkt an dem Haus wo wir hinwollten. Nun geht es zu den Mülleimern. Leise! Und trampeln Sie nirgendwo gegen. Wir haben nur eine Chance. Wenn der Typ uns bemerkt, ist er weg. Also geben Sie sich ein bisschen Mühe, wenn Sie Ihre verdammte Neugierde befriedigen wollen. Alena nickt wortlos und tippt auf Zehenspitzen hinter ihr her, vorbei an der Hausfassade. Vor ihnen stehen die Container hinter der kleinen Mauer, an der sie vorhin noch gewartet hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Motorengeräusche! Mit einem Satz ist Brigitte Dahlem hinter den Müllbehältern. Sie hat Alena mit sich gezogen und drückt ihren Kopf nach unten. Der Wagen kommt näher, fährt in die Straße hinein. Alena erahnt die Scheinwerfer, die den Boden an der Seite der Mauer kurzzeitig erhellen. Mit mittlerer Geschwindigkeit fährt der Wagen vorbei, fährt bis zur Kreuzung und darüber hinaus. Das Fahrgeräusch entfernt sich und verliert sich zwischen den Mietskasernen. Mit klopfendem Herzen wartet Alena ab, bis nichts mehr zu hören ist. Dann macht sie sich frei. Nur ein Anwohner, flüstert sie. Brigitte Dahlem antwortet nicht. Ihre Augen glänzen im Dunkeln und sie scheint zu überlegen. Was jetzt, geht es weiter, fragt Alena ungeduldig und die Dahlem zischt ihr ein wütendes Psst entgegen. Sie horcht in die Dunkelheit. Dann holt sie tief Luft und schüttelt den Kopf. Nur ein Anwohner, murmelt sie. Wer sonst.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Sechs</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-30T18:42:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3669736/">
    <title>106: Aktion</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3669736/</link>
    <description>Sie bleiben hier oben, kommandiert Frau Dahlem, als sie sich vorsichtig vom Fenster wegrobbt. Kommt nicht in Frage, wispert Alena empört. Sie steht auf und geht schnell in Richtung Flur. Sie müssen mich schon anbinden, wenn Sie wollen, dass ich hier bleibe. Ihr fällt ein, dass Brigitte Dahlem mit einer solchen Aktion wahrscheinlich keine Probleme hat, aber sie kreuzt trotzig die Arme über der Brust und presst die Lippen aufeinander. Die Frau folgt ihr in den Flur und baut sich direkt vor ihr auf. Alena hält dem bohrenden Blick stand und schließlich seufzt Frau Dahlem. Aber Sie halten sich im Hintergrund und machen genau, was ich sage! Eingeschüchtert von dem Befehlston nickt Alena schnell. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden verlassen die Wohnung und gehen leise die Treppe hinunter. Im Haus ist alles still. Alena wagt einen Blick auf ihre Armbanduhr. Kurz vor halb drei. Vor ihr biegt die schmale Gestalt von Frau Dahlem um die Ecke und steigt die Kellertreppe hinab. Unten ist eine Tür, die in den Hinterhof führt. Es ist stockdunkel im Keller, nur durch das Milchglasfenster der Tür kommt ein wenig Licht hinein. Vorsichtig drückt die Frau die Klinke und macht Alena ein Zeichen. Sehr leise lässt sie die Tür wieder ins Schloss fallen, als beide auf dem Betonfußboden des Hofs stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alena blickt nach oben. Kein Stern am Himmel, es ist bewölkt. Plötzlich muss sie an Kaspar denken, der diese Nacht bestimmt nicht schläft. Vielleicht sieht er auch gerade in den Himmel. Falls seine Untersuchungszelle überhaupt ein Fenster hat. Sie fühlt einen starken Griff an ihrem Arm und wird nach vorne gezogen. Schlafen Sie nicht ein, zischt Brigitte Dahlem. Der Hof ist durch eine brusthohe Mauer von einem weiteren Hof abgetrennt, die Frau Dahlem mühelos überklettert. Alena zieht zweifelnd auf die verputzte Wand, dann krallt sie sich am Mauerrand fest, springt ungeschickt hoch und schwingt ein Bein über die Mauer. Sie fällt eher herunter als dass sie weich landet und Frau Dahlem stöhnt leise. Du lieber Himmel, ich wäre doch besser allein gegangen, murmelt sie ungeduldig, aber Alena ist schon wieder auf ihren Füßen. Wo gehts lang? Die Hand der Dahlem zeigt auf die Hintertür des Mietshauses vor ihnen. Vor der Tür bleibt sie stehen und hantiert an dem Schloss herum. Es ist zu dunkel um etwas zu erkennen, aber schnell ist die Tür auf und beide betreten einen dunklen Raum, der das genaue Gegenstück zu dem vorigen Kellerraum bildet. Sie schleichen die Treppe hinauf und verlassen das Mietshaus durch den Vordereingang. Jetzt stehen sie auf der Parallelstraße. Kommen Sie, flüstert Frau Dahlem und joggt voran; Alena sieht den Pferdeschwanz wippen. Sie bemüht sich, Schritt zu halten und die beiden laufen bis zum Ende der Straße. Hier ist ein kleine Kreuzung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir laufen jetzt an den Häusern vorbei, über meine Strasse hinweg, bis zur nächsten Kreuzung, dann rechts die Straße runter. Ungefähr auf der Mitte der Straße ist ein kleiner Trampelpfad, der zwischen den Blöcken durch führt. Wenn wir im Vorhof sind, schleichen wir uns an den Häusern vorbei bis wir bei dem Haus sind, wo Sie gerade gestanden haben. Dort stellen wir uns hinter die Mülleimer. Sie sticht mit dem ausgestreckten Zeigefinger in Alenas Brustkorb. Und da bleiben Sie stehen. Wenn Sie mir weiter folgen, breche ich die Aktion ab. Sie können von dort den Wagen sehen und wahrscheinlich auch alles hören. Mehr ist nicht drin. Ihre Flüstern ist bestimmt und Alena nickt ergeben. Frau Dahlem ist noch nicht fertig. Wenn wir gleich über  die Straße laufen, müssen wir schnell und leise sein, sonst bemerkt er uns vielleicht. Der Wagen ist zwar ziemlich weit weg, aber mit Ihnen im Schlepptau werde ich wahrscheinlich noch erwischt , wenn der Fahrer blind und taub ist. Alena zieht eine Grimasse, nickt aber gehorsam. Los!</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Sechs</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-29T15:47:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3667267/">
    <title>105: Heimfahrt und Aufbruch</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3667267/</link>
    <description>Pia sieht müde auf die Uhr. Halb Zwei. Krause hat vor einer Stunde mit seiner Frau das Essen verlassen, und seitdem wehrt sie die neugierigen Fragen von Bergmann ab. Ich kann Ihnen wirklich nicht mehr erzählen. Es handelt sich um laufende Ermittlungen, wiederholt sie genervt, aber Bergmann lässt sich nicht so schnell abwimmeln. Aber warum suchen gerade Sie  flüchtige RAF Terroristen? Das ist doch eigentlich Sache des Verfassungsschutzes oder des BKA. Pia rollt mit den Augen. Wollen Sie das jetzt zu einem Zuständigkeitsproblem machen? Das BKA hat augenscheinlich keine Ahnung wo Koch steckt. Das ist doch nicht meine Schuld. Ich werde es ihnen schon früh genug mitteilen. Aber den Zeitpunkt bestimme ich. Sie fixiert Bergmann drohend. Und wenn ich irgendwas davon morgen in der Zeitung lese, dann hole ich mir Ihren Kopf. Bergmann grinst verschwörerisch. Ich schweige wie ein Grab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christopher kommt zurück an ihren Tisch und stützt sich mit den Unterarmen schwer auf die runde Platte. Ich kann nicht mehr. Die Ausführungen von Professor Helmstedt zur Lichtmetaphysik haben mir den Rest gegeben. Er sieht Pia an. Wollen wir langsam mal fahren, oder kannst du dich noch nicht losreißen? Pia zieht die Augebrauen hoch. Ich warte nur darauf, dass du dich endlich entschließt, deine entzückenden Kollegen, die du schon morgen alle wieder siehst, endlich zu verlassen. Sie wirft einen Blick auf Bergmann. Während du dich erleuchten ließest, musste ich mich hier um den universitären Nachwuchs kümmern. Ich komme mir schon vor wie ein Babysitter. Bergmann lacht aus vollem Halse und schlägt Christopher auf den Rücken. Sie ist klasse. Echt. Habe ich schon gesagt, dass ich sie liebe? Christopher seufzt und nickt. Wie kommen Sie nach hause, fragt er, im Hinblick auf den leicht alkoholisierten Zustand seines Kollegen. Keine Ahnung. Vielleicht schlafe ich im Büro. Das habe ich schon öfter gemacht.  Das wundert mich nicht, murmelt Pia und Christopher nimmt Bergmann beim Arm. Kommen Sie, wir teilen uns ein Taxi. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine halbe Stunde später steht das Taxi vor dem modernen Mehrfamilienhaus, in dem sich ihre Eigentumswohnung befindet. Christopher bezahlt den Fahrer, während Pia den schwarzen Wollschal enger um ihre Schultern zieht. Es ist kühl geworden. Sie blickt nach oben und sieht nichts als das unruhige Dunkel einer bewölkten Nacht. Der Fahrer knallt die Wagentür zu und fährt los. Sie betrachtet die wenigen Fahrzeuge, die an der Straße parken und versucht automatisch, den Umriss eines Körpers in einem der Wagen zu entdecken. Christopher kommt zu ihr und legt den Arm um sie. Kalt, fragt er. Sie nickt und schmiegt sich enger an ihn. Vielleicht hätte ich Krause doch folgen sollen, murmelt sie. Christopher löst sich von ihr und sieht streng in ihr Gesicht. Kannst du nicht einmal diesen Fall vergessen? Himmel, wir stehen hier in der Nacht, du hast ein bezauberndes Kleid an, ich bin leicht betrunken und die Sterne funkeln über uns. In einer solchen Situation könnten wir doch mal ein anderes Gesprächsthema anschneiden. Oder besser gar nicht reden. Pia verzichtet darauf, ihn darauf hinzuweisen, dass die Sterne nicht über ihnen funkeln, und erwidert seinen Kuss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ihre Gedanken sind nicht bei ihrem Mann. Sie schweben über einer Straßen in Weißbach. Ihr imaginäres Auge überblickt die Reihe von Autos, die dicht hintereinander an beiden Seiten der Straße stehen. Es zoomt hinunter, in jeden einzelnen Wagen hinein, und versucht eine Silhouette zu erspähen, ein Profil. Was, wenn Brigitte Dahlem doch recht hatte mit ihrer Beobachtung? Und was, wenn Krause oder Koch heute Abend wieder seinen Wachposten einnimmt? Sie denkt an das Weinglas in ihrer Tasche. Ob Krause wirklich Koch ist, wird sich erst nach einer Analyse der Fingerabdrücke zeigen. Aber ihr Instinkt sagt ihr, dass kein Zweifel besteht. Und ihr Instinkt lockt sie in die diese Straße. Jetzt. Ihr Instinkt hat immer recht, oder? Na gut, fast immer. Aber was spricht schon dagegen, heute nacht noch mal bei der Dahlem vorbeizufahren? Wenn sie sich irrt, wird es nie jemand erfahren. Und wenn sie recht hat, . Pia muss bei dem Gedanken an ihren Triumph lächeln. Und an die Beförderung, auf die sie schon so lange wartet. Vielleicht bekommt sie eine eigene Abteilung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatz, kann es sein, dass du nicht ganz bei der Sache bist? Christopher schaut sie fragend an und Pia kann die Frustration in seinen Augen entdecken. Sie gibt ihm einen entschuldigenden Kuss auf die Wange. Es tut mir leid, wirklich. Aber ich ziehe mich jetzt um und fahre noch mal los. Es ist wichtig. Sie legt einen flehenden Ausdruck in ihre Augen, auch wenn sie langsam ahnt, dass Christopher darauf nicht mehr hereinfällt. Ihr Mann reißt entsetzt die Augen auf. Du kannst jetzt nicht mehr fahren, du hast getrunken! Und nicht nur ein Glas Wein! Und was soll das überhaupt, hat das nicht Zeit bis morgen früh? Er reißt seinen Arm hoch und schüttelt die Armbanduhr unter seinen Jackettärmel hervor. Es ist fast halb drei! In fünf Stunden bist du doch eh schon wieder im Büro. Fassungslos starrt er sie an. Pia fasst sanft seinen Arm und zieht ihn in Richtung Haustür, wo sie den Schlüssel aus ihrer Handtasche holt. Ich bleibe nicht lange weg, versprochen. Ich bin vielleicht in einer Stunde schon wieder zurück. Ich muss mich nur von etwas vergewissern. Vorher kann ich sowieso nicht schlafen. Seufzend folgt Christopher ihr in den Hausflur. Er weiß, dass er gegen den Starrsinn seiner Frau keine Chance hat.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Sechs</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-28T15:46:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3661032/">
    <title>Buback-Boock Gespräch</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3661032/</link>
    <description>Mittwoch Abend sendete die ARD ein Gespräch zwischen Michael Buback und Peter-Jürgen Boock. Moderiert wurde das ganze von Herrn Herres und auch Stefan Aust, als außenstehender Experte, war anwesend. Inhalt und Kommentare sind nachzulesen z.B. &lt;a href=&quot;http://www.welt.de/fernsehen/article834913/Gespenstische_Begegnung_im_Fernsehstudio.html&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; oder &lt;a href=&quot;http://www.faz.net/s/RubF7538E273FAA4006925CC36BB8AFE338/Doc~E0B832DB618444F4C88446EDA4B1A9AF2~ATpl~Ecommon~Scontent.html&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein subjektiver Eindruck: es war ordentlich gruselig. Es berührte, den offensichtlichen Schmerz von Herrn Buback zu beobachten, wenn Boock davon sprach, wie sein Vater als potenzielles Anschlagsziel ausgewählt wurde und dabei automatisch in einen mehr oder weniger technischen Jargon verfiel. Man konnte die Anspannung förmlich spüren, die zwischen den beiden geherrscht hat und vielleicht auch zum ersten Mal einen echten Eindruck davon bekommen, wie hart die Situation damals, aber auch jetzt für die Hinterbliebenen der Terroropfer sein muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist meiner Meinung nach ein wichtiges Ergebnis dieser Sendung, die wenig neue Informationen zu Tage brachte und deren Ausstrahlung und Ausführung bisher vornehmlich kritisiert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was noch überdeutlich wurde: die Angehörigen weigern sich, die tödlichen Anschlage in einem politischen oder weltanschaulichen Zusammenhang stehen zu lassen. Der Wunsch nach gezielter Aufklärung des Todesschützen ist m.E. ein wesentlicher Hinweis darauf. Die RAF mag sich als Gruppe für die Anschläge verantwortlich zeigen, aber für die Hinterbliebenen ist es Mord. Ein Mord, der von einem Einzelnen verübt wurde, und der damit aus dieser Gruppenverantwortlichkeit herausgerissen werden muss. Das ist die deutlichste Demonstration dafür, dass niemand von ihnen die politischen Gründe der RAF anerkennt  und ganz abgesehen davon, dass diese Gründe bald sowieso nur noch Alibifunktion hatten, haben sie m.E. Recht mit dieser Einstellung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Herr Boock: trotz des Hangs zur Selbstdarstellung, zu dem Herr Boock zu neigen scheint, erfordert es Mut, sich diesem Treffen öffentlich zu stellen. Er kann nicht damit rechnen, die Akzeptanz der Gesellschaft zurück zu gewinnen, auch wenn er seine Kooperation anbietet. Sollte der Anruf bei Buback ein Schritt zur Absolution sein? Er hat selbst zugegeben, dass die persönliche Aufarbeitung niemals beendet sein wird und vielleicht wird auch die gesellschaftliche Aufarbeitung niemals aufhören. Die RAF hat sich damals aus der Gesellschaft ausgegrenzt indem sie ein politisches System attackierte, hinter dem die Mehrheit der Deutschen damals stand. Was auch dazu geführt hat, dass der Einzelne dieser Mehrheit sich persönlich bedroht gefühlt zu haben scheint. Das mag auch der Grund dafür zu sein, dass diese Ausgrenzung für den Einzelnen RAF-Angehörigen bis heute kaum zu überwinden sein wird.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Metablog</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-26T17:00:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3659591/">
    <title>104: Beschlüsse</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3659591/</link>
    <description>Sie hört die Atemzüge von Brigitte Dahlem, gleichmäßig und tief. Es kann nur Robert Koch sein. Alena verschluckt sich fast beim hastigen Luftholen. Ist das jetzt eine Vermutung, oder haben Sie Beweise?  Alles andere macht keinen Sinn, antwortet die Stimme unter dem Fenster. Vermutlich hat Schwarz ihn aufgespürt und Koch wollte unerkannt bleiben. Er wird sich ein respektables bürgerliches Spießerleben aufgebaut haben und glaubt, dass es seinem Ruf schadet, wenn die lieben Nachbarn erfahren, dass er früher mal bei der RAF war. Alena hört die Verachtung aus ihrer Stimme heraus und das beunruhigt sie. Wenn das wirklich Koch ist, dann sollten wir die Polizei einschalten. Ich könnte Frau Stein-Bachmüller anrufen. Sofort hebt Frau Dahlem die Hand und zischt: Auf keinen Fall. Das ist meine Angelegenheit. Ich werde damit allein fertig.  Unsinn, zischt Alena zurück. Das ist nicht allein Ihre Angelegenheit. Das ist vor allem Sache der Polizei. Hier geht es doch nicht um einen internen Bandenkrieg. Wütend flüstert die Gestalt im Schatten: Auf welcher Seite stehen Sie eigentlich?  Auf Kaspars Seite, antwortet Alena würdevoll. Und wenn die Polizei den Mörder an Schwarz und Burg verhaftet, dann können ihm diese Taten wenigstens nicht mehr angelastet werden. Sie macht eine Kunstpause und fügt dann hinzu: Wollen Sie Kaspar nun helfen oder nicht? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brigitte Dahlem antwortet nicht sofort. Dann meint sie: Aber wir haben überhaupt keine Beweise, dass Koch tatsächlich der Mörder von Hajo ist. Selbst wenn wir die Bullen holen, womit wollen Sie den Verdacht begründen? Bestimmt sagt Alena: Pia Stein-Bachmüller braucht keine Begründung. Sie ist sehr daran interessiert, Koch zu finden. Und außerdem wird er doch garantiert noch wegen seiner RAF Tätigkeit gesucht.  Wie dick sind Sie eigentlich mit dieser Stein-Bachmüller? Das Misstrauen ist wieder fühlbar. Alena macht eine beschwichtigende Handbewegung und ist sich bewusst, dass Brigitte Dahlem ihr Gesicht sehr viel besser sehen kann als sie das der Frau unter dem Fenster. Wir sind nicht befreundet. Ich glaube, ich weiß nur mittlerweile wie sie . Alena zögert einen Moment diesen Begriff zu verwenden, der für sie so fest in dem RAF-Jargon verankert ist. Aber dann fährt sie fort: Ich weiß eben, wie sie tickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alena kann förmlich spüren, dass Brigitte Dahlem nachdenkt und sie hofft, dass das Bekenntnis zu Kaspar gerade nicht nur leere Worte waren. Schließlich beginnt die Ex-Terroristin langsam: Gut. Wir rufen die Bullen, wenn das Kaspar Wagenbach entlastet. Erleichterung steigt in Alena hoch. Aber Brigitte Dahlem ist noch nicht fertig: Aber vorher vergewissern wir uns, dass da unten im Wagen tatsächlich Robert Koch sitzt. Und wenn er es ist, werde ich ein paar Worte mit ihm wechseln, denn er hat mir offensichtlich einiges zu erklären. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alena schließt die Augen. Genaugenommen hat sie keine Wahl. Ihr ist unwohl bei der Sache, aber sie hat kein Handy, mit dem sie Pia jetzt schon verständigen könnte. Und obwohl es ihr selbstverständlich erscheint, dass der Typ unten im Wagen mit den Morden zu tun hat, sei es nun Koch oder jemand anders, ist es unter Umständen vielleicht besser, erst einmal einen Blick auf ihn zu werfen und ihn zu befragen. Einverstanden, murmelt sie schwach. Und beschließt sich nach dieser Nacht schnellstens ein Handy zuzulegen.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Sechs</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-26T10:59:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3652205/">
    <title>103: Bekenntnisse</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3652205/</link>
    <description>Beide schweigen und die Nacht beherrscht das Zimmer. Unruhige Gedanken flackern in Alenas Kopf. Sie glaubt ihr. Dahlem und Burg haben Schwarz nicht ermordet. Aber wer bleibt dann noch übrig, außer  nein, das will sie erst recht nicht denken. Sie hat sich entschlossen, Kaspars Freund zu sein. Aber wenn Kaspar tatsächlich einen Menschen umgebracht hat? Haben Sie mal jemanden getötet, fragt sie unvermittelt und der Kopf von Brigitte Dahlem dreht sich in ihre Richtung. Einen Moment bleibt sie bewegungslos, dann deutet sie ein Kopfschütteln an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, nicht mit eigenen Händen. Aber ich habe bei den Vorbereitungen geholfen. Und ich war einmal dabei. Sie ringt nach Worten. Alena spürt, wie schwer es ihr fällt, darüber zu sprechen. Das Geschehen in Begriffe zu fassen, in eine Form zu bringen, die nicht nur innerhalb ihres engen Kommunikationskreises verständlich ist, in dem so vieles ungesagt geblieben war. Und das ist so, als hätte man denjenigen selbst getötet. Wenn man in einer Gruppe mit identischen Zielen ist, dann trägt jeder die Verantwortung für das Handeln des Einzelnen, das der Realisierung dieser Ziele dient. Und ich hätte es getan, wenn ich an der Reihe gewesen wäre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alena schluckt. Haben Sie Kaspar auch gefragt, ob er Schwarz erschossen hat? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie fühlt den Blick der Dahlem auf sich. Ja, antwortet die dunkle Gestalt im Sessel. Alena wartet, mit Angst in der Brust, aber Brigitte Dahlem macht keine Anstalten, weiter zu reden. Und, was hat er gesagt? Ihre eigene Stimme hört sich krächzend an. Die Stille tropft zwischen ihnen. Dann ein Seufzer. Ich habe ihn gefragt, ob er Schwarz ermordet hat und er hat gesagt, er wisse es nicht genau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Luft im Zimmer wird so dünn, dass man sie kaum atmen kann. Was soll das heißen? Wie kann man das nicht so genau wissen? Entweder man hat oder man hat nicht. In ihrer Verwirrung ist Alena schon fast wieder wütend. Als ich ihn fragte, ob er den Abzug betätigt hat, hat er verneint. Allerdings, Erneutes Stocken, und Alena weiß, dass sie nichts Erleichterndes hören wird. Er sagt, ihm sei klar gewesen, dass die Briefe eventuell den Tod von Schwarz zur Folge haben können. Auf die eine oder andere Art. Er hat wohl eher an Selbstmord gedacht. Ausschlaggebend war anscheinend der Versuch, der Sache eine neue Dynamik zu geben. Aber je länger er darüber nachgedacht hat, desto mehr ist ihm klar geworden, dass er irgendwen zur Verantwortung ziehen möchte. Dass irgendwer büßen soll. Der Tod von Schwarz war kein Schock für ihn, eher eine Art Genugtuung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alena lässt das Gesagte sacken. Es entspricht ihren Befürchtungen und doch beruhigt sie sich langsam. Die vergebliche Suche nach seiner Mutter und ihren Motiven hat ihre Spuren bei Kaspar hinterlassen. Er ist rachsüchtig geworden. Ungerecht. Man kommt nicht unbeschadet aus einer solchen Sache heraus. Das ist vielleicht keine Entschuldigung, aber es schließt eine Lücke in ihrer Rekonstruktion. Dann kommt ihr ein anderer Gedanke: Als Sie Kaspar von seiner Mutter erzählt haben, an dem Tag, an dem ich auch da war, haben Sie schon gewusst, dass ihn das unter den gegebenen Umständen noch mehr treffen muss. Fast kommt es ihr so vor, als würde sie ein trauriges Lächeln auf dem Schatten entdecken, der das Gesicht der Dahlem verbirgt. Ja, das habe ich. Aber es war notwendig. Und vermutlich hätte ich ihm schon vorher von ihr erzählen sollen. Wieder der angestrengte Versuch, Angedachtes in Worten zu formulieren. Ich hätte seine Suche beenden können, wenn ich ihm die wahre Geschichte seiner Mutter erzählt hätte. Dann wäre es vielleicht nie zu diesen Drohbriefen gekommen. Die kleine Pause unterstreicht ihre nächsten Worte. Aber ich habe es nicht getan. Damit ist alles, was geschehen ist, auch meine Schuld. Oder unsere Schuld. Niemand  von uns hat an die gedacht, die zurück geblieben sind. Wir waren so damit beschäftigt die Welt zu retten, dass wir die vergessen haben, die uns am nächsten standen. Die wir am leichtesten hätten retten können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alena bekommt kein Wort heraus. Sie fühlt sich völlig erschlagen. Nicht nur, dass sie diese Gedanken nicht von Brigitte Dahlem erwartet hätte. Mehr noch überwältigt sie im Zusammenhang mit Kaspars Misere das Gefühl des bodenlosen Abgrundes, in dem die beiden stecken, jeder für sich und doch durch einen dünnen und instabilen Faden verbunden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plötzlich springt Brigitte Dahlem auf. Sie drückt sich an die Wand des Wohnzimmers und schleicht zum Fenster, wo sie sich unter die Fensterbank kniet und sich dann langsam mit den Fingerspitzen hochzieht, bis sie auf die Straße sehen kann. So ist sie von unten unsichtbar, fährt es Alena durch den Kopf. Darum  habe ich sie nicht gesehen, obwohl sie den ganzen Abend hier war. Was ist los, flüstert sie. Die Dahlem macht eine warnende Handbewegung. Sie kniet sich wieder hin und wendet sich zu Alena. Der Wagen ist da. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alena reißt die Augen auf aber widersteht dem Impuls, sofort aufzuspringen. Was machen wir jetzt?  Nichts. Wir warten, ob etwas passiert. Alena schüttelt vehement den Kopf. Da unten sitzt der Mörder von Schwarz und Burg! Wollen Sie nicht wissen, wer es ist? Brigitte Dahlems Augen funkeln in der Dunkelheit. Seien Sie leise und rühren Sie sich nicht. Sie scheint zu überlegen, dann erklärt sie kurz: Ich weiß, wer es ist. Die Aufregung bringt jedes Körperteil Alenas zum Kribbeln. Wer?</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Sechs</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-24T17:27:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3632536/">
    <title>102: Aussprache</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3632536/</link>
    <description>Antworten Sie leise. Was tun Sie hier, wird drohend geflüstert. Überrascht stellt Alena fest, dass sich die Stimme bekannt anhört und auf einmal weiß sie, wer hinter ihr steht.  Frau Dahlem? Die Worte erzeugen einen Hustenreiz in ihrer Kehle, aber nun lockert sich der Arm um ihren Oberkörper und der Druck des Laufs wird geringer. Alena Brandenburg! Alena gelingt es, sich umdrehen und sie sieht in Brigitte Dahlems ungläubiges Gesicht. Was zum Teufel machen Sie hier? Frau Dahlem ist ganz in schwarz gekleidet und hat die Haare zu einem strengen Zopf gebunden. Sie nimmt die Waffe herunter, die an ihr keineswegs wie ein Fremdkörper wirkt. Im Zusammenhang mit dem herben Gesicht und den entschlossenen Augen der Frau scheint sie ein selbstverständliches Utensil. Trotzdem dürfte die Dahlem keine Waffe besitzen. Woher haben Sie die Pistole? Frau Dahlem wirft einen kurzen Blick darauf, dann entsichert sie sie und steckt sie in den Hosenbund. Das hat Sie nicht zu interessieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie runzelt die Stirn und fragt nun ärgerlich: Schnüffeln Sie hinter mir her? Alena spürt, wie ihre Knie weich werden, als die Anspannung ihren Körper verlässt und sie schwankt ein wenig. Sofort ergreift die Dahlem ihren Arm. Geht es Ihnen nicht gut? Alena winkt schwach ab. Alles in Ordnung. Ich habe mich nur etwas erschrocken. Sie atmet ein paar tiefe Züge ein und aus und sucht dann Brigitte Dahlems Augen. Kaspar ist verhaftet worden, sagt sie. Ein seltsamer Ausdruck erscheint auf dem Gesicht der Frau. Sie sieht sich um und betrachtet dann aufmerksam die Straße. Kommen Sie, wir gehen in meine Wohnung. Dort können wir reden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seufzend lässt sich Alena auf das Sofa im Wohnzimmer sinken. Hier ist es weniger kühl als draußen, und sie ist froh, ihre schmerzenden Füße entlasten zu können. Brigitte Dahlem setzt sich auf den Sessel, ohne das Licht anzumachen. Wenn es Ihnen nichts ausmacht, es wäre mir lieber so, erläutert sie. Alena zuckt mit den Schultern. Durch das Fenster scheint das fahle Licht der Straßenlaterne herein ohne das Gesicht der Dahlem zu erreichen. Nur vage erkennt Alena ihre Gesichtszüge. Aber sie hat Verständnis für seltsame Angewohnheiten. Möchten Sie einen Kaffee? Überrascht nickt Alena und beobachtet, wie Frau Dahlem sich erhebt und in die kleine Küche geht. Im Dunkeln rauscht Wasser in eine Glaskanne, gefolgt vom Rascheln der Filtertüte. Als die Kaffeemaschine zu klacken beginnt, kehrt Frau Dahlem zurück und setzt sich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun mit Kaspar Wagenbach? Alena beginnt zu erzählen. In einem Anfall von Geistesgegenwart lässt sie das Treffen mit Pia aus und ändert den Anfang dahingehend, dass sie aus Sorge um Kaspar zu Pia gegangen und mit ihr zur Wohnung gefahren ist. Sie berichtet von dem Fund im Arbeitszimmer und von der anschließenden Verhaftung. Sie schildert ihre Überlegungen hinsichtlich des Wagens vor Brigitte Dahlems Wohnung und ihre Sorge, dass es sich um Kaspar gehandelt haben könnte. Zeitweise schließt sie ihre Augen während des Berichts, da sie in der Dunkelheit sowieso keine Reaktion erkennen kann. Als sie fertig ist, steht Brigitte Dahlem auf, geht in die Küche und kommt mit zwei Bechern Kaffee zurück. Ich habe Zucker für Sie hineingetan, sagt sie und Alena nimmt dankbar den heißen Becher entgegen. Der erste kleine Schluck Kaffee steigt direkt in ihr Gehirn und macht sie hellwach. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum sind Sie nicht zu mir gekommen? Ich wäre auch mit Ihnen zu Kaspar gefahren. Und dann würde Wagenbach jetzt garantiert nicht so tief in der Scheiße stecken. In ihren Worten steckt kein Vorwurf.  Einen Moment lang denkt Alena über das Gesagte nach, dann erwidert sie ehrlich: Ich war mir nicht sicher, wie Sie zu Kaspar stehen. Ich weiß nicht, ob Sie ihm helfen wollen oder ob Sie Ihre schlechte Meinung über seine Mutter an ihm auslassen. Sie macht eine Pause um mehr Kaffee zu trinken. Frau Stein-Bachmüller ist nicht gerade eine Freundin von Kaspar und sie hat ihn verdächtigt, Schwarz erschossen zu haben. Aber immerhin wusste ich, woran ich bei ihr bin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brigitte Dahlem antwortet erst nicht, dann nickt sie. Ich verstehe. Verwundert bemerkt Alena das leichte Bedauern in ihrer Stimme. Schüchtern fragt sie: Sind Sie wütend, dass Kaspar diese Briefe geschrieben hat? Dass er vorgegeben hat, dass sie von der RAF stammen? Langsames Kopfschütteln. Das wusste ich bereits. Ich habe ihn gefragt, als er das erste Mal hier war. Er war zwei Mal hier. Das zweite Mal sind Sie dazu gekommen. Brigitte Dahlem klingt müde. Er hat sofort zugegeben, dass er die Drohbriefe geschrieben hat. Und er hat mir den Grund erklärt. Achselzucken. Ich fand die Idee nicht besonders clever. Damals war ich wütend. Weil er damit die  Aufmerksamkeit von Schwarz auf mich und Burg gezogen hat. Wir standen wieder im Fadenkreuz. Schwarz ist bei mir aufgetaucht, er war nervös, aber noch genauso arrogant wie früher. Für ihn hatte sich nichts geändert. Er war auf der guten Seite und glaubte, er kann mich behandeln wie Dreck. Und bei Burg ist es genauso gelaufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage liegt Alena auf der Zunge, aber sie wagt es nicht, sie auszusprechen. Nicht heute Nacht. Ihre Nerven liegen noch immer blank und sie fühlt sich völlig kraftlos. Der vergangene Tag steckt ihr in den Knochen. Sie spürt, dass Brigitte Dahlem sie ansieht. Ich habe Schwarz nicht getötet, sagt sie, als könne sie Alenas Gedanken lesen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass auch Hajo nichts damit zu tun hat.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Sechs</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-20T17:42:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3616106/">
    <title>101: Panik</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3616106/</link>
    <description>In dem Mietshaus hinter Alena sind nacheinander die Lichter ausgegangen, die meisten Fenster liegen nun im Dunkeln. Sie schaut auf ihre Uhr, aber es ist zu finster, um das Ziffernblatt zu erkennen. Vorsichtig tritt sie aus dem Schatten der Müllcontainer heraus und hält ihr Handgelenk in das Licht der Straßenlaterne, dessen schwache Ausläufer bis an die Stelle reichen, an der sie nun schon seit einiger Zeit steht. Kurz nach 12. Sie seufzt und tritt zurück hinter die Mauer. Ihre Füße tun weh und die Nachtkälte dringt unter ihre schwarze Fleece- Jacke. Sie schlingt die Arme um den Oberkörper und kuschelt ihr Kinn in den langen schwarzen Schal, den sie mehrmals um den Hals gewickelt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fenster, das zu Brigitte Dahlems Wohnung gehört, hat sie gut im Blick. Während ihrer Nachtwache hat sich dort nichts getan. Weder ist Licht angegangen noch konnte sie eine Bewegung hinter den schlierigen Scheiben ausmachen. Alena hat sich die Zeit damit vertrieben sich vorzustellen, was Brigitte Dahlem dort oben in ihrer Wohnung tun könnte. Falls sie zu hause ist. Aber wo sollte sie sonst sein? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ihrer Imagination sitzt Brigitte Dahlem auf diesem Stuhl am Fenster und schaut in die Nacht hinaus. Wartet, genauso wie sie. Zuckt zusammen, wenn Motorengeräusche die Stille durchbrechen, und beobachtet mit gespannter Aufmerksamkeit die wenigen vorbeifahrenden Wagen, bis sie um die Ecke verschwinden. Entspannt sich enttäuscht, genau wie sie. Wartet weiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis auf diese wenigen Ausnahmen war die Straße wie ausgestorben. Kein Fußgänger ist vorbeigelaufen, niemand hat das Haus , vor dem Alena steht, verlassen oder betreten und niemand hat sich dem Haus genähert, in dem die Dahlem wohnt. Einmal ist ein Fenster aufgerissen worden und die Geräusche vom Fernsehen flogen in die Nacht, Stimmen und Musik; dann wurde das Fenster wieder zugeknallt und die verbleibende Stille war noch drückender als zuvor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alenas Augen brennen vor Müdigkeit. Sie schließt sie kurz und genießt das Gefühl der Ruhe, das sich in ihrem Körper ausbreitet, die sofort einsetzende Schwerelosigkeit  Schnell öffnet sie die Augen wieder und atmet tief ein. Sie darf nicht einschlafen. Mit doppelter Aufmerksamkeit starrt sie nun auf die Straße, versucht sich zu konzentrieren. Es funktioniert ein paar Atemzüge lang, dann schweifen ihre Gedanken wieder ab, verschlingen sich ineinander und ziehen ihre Lider herunter. Sie schüttelt ärgerlich den Kopf. Noch nicht einmal dazu ist sie im Stande, es dürfte doch nicht so schwierig sein, mal eine Nacht auf zu bleiben. Sie läuft ein paar Schritte auf der Stelle und lockert Nacken und Arme. Dann ist sie wieder auf ihrem Posten. Wenn nur irgendetwas passieren würde. Alena seufzt. Sie widersteht dem Impuls, auf die Uhr zu sehen, weil sie ahnt, dass weniger als 15 Minuten vergangen sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plötzlich spürt sie etwas, Gänsehaut überzieht ihren Körper, ihr Atem stockt. Etwas ist hinter ihr, stocksteif bleibt sie stehen, nur nicht umdrehen. Im gleichen Moment legt sich ein Arm wie ein Schraubstock über ihren Hals und drückt zu, kaltes Metall an ihrer Schläfe. Keine Bewegung, zischt eine Stimme an ihr Ohr. Und keinen Laut. Der Lauf der Waffe bohrt sich in ihren Kopf und Alena beginnt unkontrolliert zu keuchen, sie bekommt zu wenig Luft und ihr Herz hämmert vor Panik. Dann lockert sich der Arm und sie saugt den Sauerstoff in ihre Lungen.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Sechs</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-18T17:33:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3605595/">
    <title>100: Manöver</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3605595/</link>
    <description>Während um sie herum das Chaos tobt, ihr Mann sich um die Serviererin kümmert und Professor Krause um seine schluchzende Frau, gelingt es Pia, mit dem Papiertaschentuch das Rotweinglas zu nehmen, den verbleibenden Inhalt achtlos auf dem Tischtuch auszuleeren und das Glas in ihre Handtasche zu stecken. Sie dreht sich um und begegnet dem Blick Bergmanns. Er zwinkert ihr zu. Schnell dreht sie sich zu Frau Krause um, um endlich das Bedauern zu heucheln, das von ihr in dieser Situation erwartet wird. Frau Krause steht der Hass ins Gesicht geschrieben, und daran ändern auch Pias fortwährend ausgestoßene Entschuldigungen nicht. Eine größere Menge hat sich mittlerweile um sie versammelt und gafft, während der Rest der Gesellschaft etwas höflicher Abstand wahrt, aber ebenfalls in Richtung der kleinen Ansammlung starrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Präsident Sacher drängelt sich nach vorn. Kann ich etwas helfen, fragt er hilflos und ist dankbar, als Christopher den Kopf schüttelt. Ich glaube, der jungen Dame geht es gut, sie hat nur einen kleinen Schreck bekommen. Er wirft Pia einen Blick zu. Ich möchte noch einmal betonen, dass die junge Dame überhaupt keine Schuld trifft. Pia greift ihr Stichwort pflichtschuldig auf. Es tut mir wahnsinnig leid, sagt sie mit gut gespieltem Bedauern. Ich war einfach nur ungeschickt und habe einen Schritt nach hinten gemacht ohne mich umzusehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wen interessiert die dumme Bedienung, ruft Frau Krause empört. Mein Chanelkostüm ist ruiniert. Pia wirft ihr einen kühlen Blick zu. Meine Versicherung wird sich darum kümmern, sagt sie mit kaum hörbaren drohendem Unterton. Frau Krause macht den Mund auf und wieder zu. Pias plötzliche Veränderung scheint sie davon zu überzeugen, dass es besser ist, keine Widerworte mehr zu geben. Stattdessen beginnt sie wieder theatralisch zu schluchzen. Ich kann keine Sekunde länger hier bleiben, schnüffelt sie in das Taschentuch, das Christopher ihr gereicht hat. Lass uns fahren, Roland. Pia sagt schnell: Ich kann Sie nach Hause fahren, dann kann Ihr Mann noch bleiben. Er muss sicherlich noch seinen Fachbereich vertreten. Elena schaut entsetzt angesichts der Vorstellung, mit Pia allein in einem Wagen zu sitzen. Professor Krause, der augenscheinlich froh darüber ist, die Veranstaltung verlassen zu können, schüttelt vehement den Kopf. Nicht nötig, ich fahre selbst. Ich kann meine Frau in dieser Situation nicht allein lassen. Es hört sich an, als hätten die beiden gerade einen nahen Angehörigen verloren, aber Pia erspart sich einen Kommentar. Stattdessen ärgert sie sich, diese allzu offensichtliche Wende nicht vorhergesehen zu haben. Sie hätte Krause lieber noch ein wenig unter Beschuss genommen. Immerhin hat sie nun ein Glas in ihre Handtasche, auf dem hoffentlich ein paar schöne Fingerabdrücke von Krause sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später steht sie mit Christopher und Bergmann an einem Stehtisch, der unauffällig in der Ecke platziert ist. Was hast Du Dir nur dabei gedacht, stöhnt ihr Mann und trinkt sein Glas Wein auf einen Zug aus. Pia wirft Bergmann einen warnenden Blick zu, bevor sie mit einer angemessenen Portion Schuldbewusstsein in der Stimme erklärt: Ich wollte zu Krause Kontakt aufnehmen, um ihn ein wenig auszuhorchen, und habe wohl etwas übertrieben. Christopher beobachtet sie misstrauisch. Du übertreibst nie. Du würdest niemals aus Ungeschick jemanden anrempeln. Du hast alles von vorn bis hinten geplant.  Das traust du mir wirklich zu, fragt Pia und reißt unschuldig die Augen auf. Das und noch viel mehr, murmelt Christopher zwischen zusammengepressten Zähnen. Bergmann fängt wieder an zu lachen. Falls es Sie tröstet, ich habe mich wunderbar amüsiert. Pia winkt der Bedienung. Können wir noch etwas zu trinken haben?</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Fünf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-17T18:40:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3594274/">
    <title>99: Chaos-Pia</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3594274/</link>
    <description>Als Professor Krause Pia sein Gesicht zuwendet, läuft ihr gehirneigenes Identifikationsprogramm erneut auf Hochtouren und jetzt spürt sie neben sich, dass auch Christophers Muskeln sich für einen Moment anspannen. Ihr Herz macht einen kleinen Sprung. Er bemerkt die Ähnlichkeit, denkt sie. Krause streckt ihr seine Hand entgegen, sein Händedruck ist weich, die Innenfläche leicht feucht. Du bist nervös, denkt Pia triumphierend. Krause bringt ein angespanntes Lächeln zustande und schüttelt dann Christopher und Bergmann die Hand. Pia sieht zu dem jungen Geschichtsprofessor, kann aber keine Reaktion erkennen. Er hat das Photo nur kurz gesehen, sagt sie sich. Christopher übernimmt das Gespräch. Schön, Sie einmal kennen zu lernen, Professor. Zwischen unseren Fakultäten bestehen leider wenig Kontakte und ich bin froh, dass man wenigstens auf diesen Jahresfeiern die Gelegenheit bekommt, sich auszutauschen. Ich muss gestehen, ich weiß noch nicht einmal, welches Seminar Sie leiten. Krause hat dunkle Ringe unter den Augen und die sorgfältig rasierte Gesichtshaut ist fahl. Pia sucht seine Pupillen und stellt plötzlich fest, dass die Iris braun ist. Auf dem Foto in der Akte sind die Augen blau, denkt sie irritiert. Ist die Ähnlichkeit doch nur Zufall? Auch die Haarfarbe stimmt nicht, aber er könnte seine Haare färben. Vielleicht trägt er auch farbige Kontaktlinsen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie spürt, dass sie unruhig wird. Sie muss seine Fingerabdrücke bekommen. Ihre Augen heften sich auf ein halbleeres Glas Rotwein, dass noch auf Krauses Platz steht. Mit halbem Ohr bekommt sie  mit, dass Krause etwas umständlich von dem Seminar für Allgemeine BWL und Bankbetriebslehre erzählt. Neben dem Weinglas liegt eine Serviette. Seit wann lehren Sie an der Universität Altenburg, hört sie Christopher fragen. Seit ungefähr 10 Jahren, antwortet Krause knapp. Und wo waren Sie vorher, bohrt Christopher weiter. Ich war Privatdozent beim Institut für Bankbetriebslehre an der Uni Hamburg, sagt Krause, während seine Finger sich ineinander verkrampfen. Als er es bemerkt, steckt er eine Hand in die Tasche seiner dunkelgrauen Anzughose. Haben Sie in Hamburg studiert? Pias Blick kehrt zu Krause zurück und sie beobachtet, wie er den Kopf schüttelt. Nein, ich habe im Ausland studiert. Interessant, denkt Pia. Das ist ja interessant, sagt Christopher. Wo genau haben Sie studiert?  Harvard, presst Krause heraus. Es ist ihm anzusehen, dass er genug von den Fragen hat. Harvard, wiederholt Christopher mit gespielter Bewunderung. Ich habe immer gehofft, dass man mich einmal zu einer Gastvorlesung dorthin lädt. Er grinst Bergmann zu, der mit den Schultern zuckt. Hoffen wir das nicht alle, sagt er, während er Krause nicht aus den Augen lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht war es ein Fehler, die beiden einzuweihen, fährt es Pia durch den Kopf. Sie übertreiben. Krause wird merken, dass etwas nicht stimmt. Und ich muss an dieses Glas kommen. Sie beschließt, Krause aus der Schusslinie zu nehmen. Sind Sie auch berufstätig, wendet sie sich an Elena Krause, die sichtlich gelangweilt der Konversation gelauscht hat, nachdem sie feststellen musste, dass sie nicht mehr im Mittelpunkt steht. Ein gekränkter Ausdruck erscheint nun auf ihrem Gesicht. Nein, natürlich nicht. Sie setzt ein gekünsteltes Lächeln auf. Ich habe genug damit zu tun, mich um unser Anwesen zu kümmern.  Wohnen Sie in Altenburg, heuchelt Pia Interesse. Am Rande von Altenburg. Im Süden, betont die blonde Elena. Im Süden Altenburgs stehen die Villen inmitten von großen Gartenanlagen. Wie nett, zwitschert Pia und weiß, dass sie gute Chancen auf den Oskar für ihre Vorstellung hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie winkt der weiblichen Bedienung, die nun wieder Weiß- und Rotweingläser auf ihrem Tablett hat. Sie nimmt ein Glas Rotwein herunter und wartet, bis auch die anderen sich bedient haben. Aus dem Augenwinkel sieht Pia, dass die junge Frau die leeren Gläser auf dem Esstisch entdeckt und darauf zusteuert, um sie mit in die Küche zu nehmen. Jetzt, denkt Pia. Mit den Worten Dann lassen Sie uns doch auf dieses nette Essen anstoßen, reißt sie den Arm hoch, mit dem sie das Glas hält und tritt einen Schritt zurück. In ihrem Rücken spürt sie das Tablett der Service-Kraft, die einen entsetzten Laut ausstößt und das Gleichgewicht verliert. Pia macht einen Schlenker und manövriert den Inhalt ihres Glases in Richtung Elena. Einen Moment lang ist es unwirklich still, dann klirren die Gläser auf den Boden, die Bedienung reißt mit einem Poltern den Stuhl um, an dem sie sich festhalten wollte, und Elena beginnt schrill zu schreien.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Fünf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-16T18:20:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3582614/">
    <title>98: Die Krauses</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3582614/</link>
    <description>Während des Desserts und dem anschließenden Espresso beobachtet Pia vorsichtig Roland Krause. Nach dem Wortwechsel mit der Dame, die augenscheinlich seine Begleiterin ist, sitzt er nun ein wenig apathisch zwischen seinen Kollegen, die sich angeregt unterhalten. Den Kaffee hat er hinuntergestürzt, aber das winzige Stück Apfel-Tiramisu steht unberührt vor ihm auf dem Tisch. Krause sitzt zu weit weg, als dass Pia in seinem Gesicht lesen könnte, aber sie neigt dazu, ihm einen gehetzten Zug zuzuschreiben. Sieht er nicht etwas erschöpft aus? Dunkle Augenringe? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Essen löst sich die Tafel langsam auf und die Gäste versammeln sich mit ihren Getränken um die zahlreichen Stehtische im Saal. Pia gehört zu den Ersten, die sich erheben, und mit einem gequälten Gesichtsausdruck tut Christopher es ihr nach, gefolgt von Bergmann, dem die Angelegenheit sichtlich Spaß macht. Und ich dachte immer, diese Universitätsessen wären langweilig, platzt er heraus, als er sich zu den beiden an einen der Tische stellt, die sich in der Nähe des BWL-Lehrkörpers befindet. Ohne auf ihren Mann zu achten, war Pia schnurstracks auf diesen Tisch zugelaufen. Sie steht nun so, dass sie direkt auf den Hinterkopf von Krause sehen kann. Von seinen Kollegen macht keiner Anstalten aufzustehen und auch Krause hat sich nicht von seinem Platz gerührt. Sie sind langweilig, sagt Pia und winkt der Service-Kraft, die ein Tablett mit Weinbrandgläsern trägt. Sie nimmt zwei Gläser vom Tablett und stellt jeweils eines vor sich und Christopher. Das wird deine Nerven beruhigen, sagt sie und Christopher runzelt mit der Stirn. Ich finde es, gelinde gesagt, unangemessen, dass Du hier so einen Wirbel veranstaltest.  Ich veranstalte keinen Wirbel, sagt Pia unschuldig. Ich stehe nur hier und trinke einen Weinbrand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bergmann hat sich ebenfalls ein Glas vom Tablett geholt und Pia zieht die Augenbrauen hoch. Sind Sie überhaupt schon 18? Ansonsten dürfen Sie nämlich keinen Alkohol trinken. Bergmann verschluckt sich fast vor Lachen. Ich liebe Ihre Frau, echt, sie ist ein Knaller, sagt er zu Christopher gewandt, der düster antwortet: Das meinen Sie nur, weil Sie nicht mit ihr verheiratet sind. Pia konzentriert sich auf den Rücken von Krause. Seine Begleiterin hat glattes blondes Haar und trägt eine breite goldene Kette um den schlanken Hals. Die Haut ist leicht gebräunt, was einen schönen Kontrast zu dem weißen Kostüm bildet, das sie trägt. Pia erkennt den Designer und geht kurzentschlossen ein paar Schritte nach vorn. Sie tippt der Dame auf die Schulter. Als sie sich umdreht, kann Pia ihr Alter auf Mitte 30 schätzen. Ihr Gesicht weist keine Falten auf und ist sehr sorgfältig geschminkt. Sie schaut Pia fragend an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann nicht anders, ich muss Ihnen sagen, wie sehr mir Ihr Kostüm gefällt. Ich liebe Chanel, zirpt Pia und setzt ein strahlendes Lächeln auf. Die Angesprochene ruckt mit ihrem Stuhl, um Pia besser in Augenschein zu nehmen. Pia läst sich einen Moment mustern und stellt dann zufrieden fest, das ihr Äußeres dem Dresscode von Krauses Begleiterin entspricht. Vielen Dank. Es ist nicht aus der neuesten Kollektion, aber glücklicherweise zählt Chanel zu den Designern, dessen Modelle fast schon zeitlos zu nennen sind, antwortet sie leicht affektiert und lächelt arrogant. Pia nickt enthusiastisch. Sie sind zeitlos und man fühlt sich zu jeder Gelegenheit gut angezogen. Sie sieht sich kurz um und sagt dann verschwörerisch: Was man vermutlich nicht von jedem der weiblichen Gäste sagen kann. Das Gesicht der Frau hellt sich auf. Es ist mir auch schon aufgefallen, wie unglaublich geschmacklos manche der Damen sich kleiden, flüstert sie mit einem gemeinen Grinsen. Haben Sie schon die Frau des Präsidenten gesehen? Als wenn sie direkt aus einem arabischen Souk zur Feier gekommen wäre. Ich würde mich ja etwas repräsentativer kleiden, wenn mein Mann der Präsident der Universität wäre. Pias Plan, die niedersten weiblichen Instinkte anzusprechen, ist nahtlos aufgegangen, und sie hasst die Frau jetzt schon. Aber ihr Lächeln verändert sich nicht. Mein Name ist übrigens Pia Stein-Bachmüller. Sie macht eine elegante Handbewegung in die Richtung Christophers. Das ist mein Mann, Professor Stein, philosophisches Institut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Blick unter dem goldenen Lidschatten richtet sich auf Christopher und was sie sieht, gefällt ihr augenscheinlich, denn das Lächeln wird breiter. Die Dame steht auf und streicht den weißen kurzen Rock über den Knien glatt. Pia ist die Veränderung nicht entgangen und sie widersteht nur knapp der Versuchung, dem unberührten Weinbrand einen Stoß in Richtung des weißen Kostüms zu geben. Christopher lächelt höflich zurück und weist auf Bergmann. Darf ich vorstellen: Professor Bergmann, historisches Institut. Huldvoll hält die Blonde Christopher eine Hand mit mehreren schmalen Goldringen entgegen. Ich freue mich, Sie kennen zu  lernen. Ich bin Elena Krause und das ist mein Mann, Professor Krause. Notgedrungen erhebt sich nun auch Krause und dreht sich zu der Gruppe um.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Fünf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-14T17:17:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3566885/">
    <title>97: Warten</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3566885/</link>
    <description>Als sie die Straße erreicht, in der Brigitte Dahlem wohnt, schaut sie nach oben zum Fenster der Wohnung. Alles ist dunkel. Sie starrt eine Weile hoch, in der Hoffnung, eine Bewegung oder das glimmende Ende einer Zigarette zu sehen. Dann wird ihr bewusst, wie auffällig ihr Verhalten ist und sie geht langsam weiter die Straße entlang. Vorsichtig sieht sie in die Wagen, die dicht hintereinander am Straßenrand stehen. Alle Wagen, aus denen man Sichtkontakt zur Wohnung der Dahlem haben könnte, sind leer. Sie spaziert weiter bis zum Ende der Straße und bemerkt erst jetzt, wie sehr ihr Herz klopft. Sie biegt nach links ab, um einmal um den Block zu laufen, und langsam beruhigt sie sich wieder. Und stellt fest, dass die Sache beginnt, ihr Spaß zu machen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Weg zurück zur Straße überlegt sie ihr weiteres Vorgehen. Sie braucht einen Platz, an dem sie unauffällig auf den Wagen warten kann. Auf der gegenüberliegenden Seite des Wohnblocks stehen weitere Mietskasernen. Die Eingangstüren zeigen zur Straße, links vom Eingang stehen jeweils Müllcontainer hinter einer niedrigen Betonmauer. Sie könnte sich hinter eine dieser Mauer kauern, aber der Gedanke an die Müllcontainer gefällt ihr nicht besonders. Stell dich nicht so an, denkt sie. Es ist kühl, also wird es nicht zu sehr riechen. Dennoch durchforstet sie ihre Erinnerung an weitere Plätze, die ein Versteck bieten könnten. Aber die Gegend ist unwirtlich, es gibt weder Bäume noch Bänke. Und sich in einen Hauseingang setzen, ist auch keine gute Idee. Zwar bezweifelt sie, dass hier jemand Anstoß daran nehmen würde, wenn eine fremde Person auf den Eingangsstufen sitzt, aber das Licht der Hausleuchte würde auf sie fallen und vielleicht würde man sie ansprechen. Sie legt keinen Wert darauf, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Also doch die Müllcontainer?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sie um die Ecke biegt, hört sie plötzlich Motorengeräusch und die gelben Kegel von Scheinwerfern beleuchten den zerrissenen Asphalt neben ihr. Alena erstarrt, zwingt sich dann aber, weiterzugehen. Der Wagen fährt an ihr vorbei, die Straße entlang und biegt  nach rechts ab. Sie erkennt einen dunklen Toyota. Aber er ist weitergefahren. Also nicht ihr Kandidat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stille kriecht zurück in die Straßen und Alena geht langsamer. Sie muss sich jetzt  für ein Versteck entscheiden; noch einmal diese Straße entlang zu gehen, wäre erst recht auffällig. Nach der gerade vergangenen Aufregung ist ihr Kopf sehr klar. Sie biegt in den nächsten mit Betonplatten belegten Weg, der zu dem, ein paar Meter vom Bürgersteig entfernten, Hauseingang führt und schaut kurz nach oben. Hinter den meisten Fenstern brennt Licht, aber sie sieht keine Schatten. Das Mäuerchen befindet sich direkt neben ihr, die Container stehen in einer Grube dahinter. Sie stellt sich so, dass die Mauer ihren Körper verbirgt, sie aber noch die Straße sehen kann. Gleichzeitig hofft sie, dass der Schatten des Containers sie für eventuelle Blicke aus den Fenstern unsichtbar macht. Alena holt tief Atem und beginnt zu warten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unterdrückte Erregung, die Bergmann in Pia Gesicht lesen kann, lässt ihn aufhorchen. Vorsichtig beugt er sich nach vorn und wendet den Kopf nach links. Der Gesuchte sitzt auf seiner Seite und ist zu weit weg. Bedauernd schüttelt er den Kopf. Müssen Sie nicht vielleicht mal auf Toilette, schlägt Pia ungeduldig vor. Bergmann grinst und steht auf. Bevor er den Tisch entlang geht, zwinkert er ihr verschwörerisch zu. Christopher hat die Geste bemerkt und wendet sich mit einem fragenden Ausdruck auf dem Gesicht seiner Frau zu. Wenn du jetzt ebenfalls aufstehst und in Richtung der Toiletten verschwindest, sollte ich mir wohl Gedanken machen, murmelt er. Pia lacht und isst schnell das letzte Stückchen Gemüse, bevor der Teller abgeräumt wird. Dein Historiker führt einen dienstlichen Auftrag aus, erklärt sie und zuckt die Achseln, als Christopher gequält aufstöhnt. Du wirst doch jetzt nicht anfangen, meine Kollegen zu beschatten, sagt er vorwurfsvoll. Und ausgerechnet heute. Ich dachte, wir haben ein wenig Spaß zusammen. Pia schnaubt leise. Beim jährlichen Universitätsessen? Ich glaube, wir haben überall sonst mehr Spaß als hier. Christopher setzt eine gekränkte Mine auf.  So schlimm ist es doch gar nicht. Und ich verbringe außerdem den Großteil meines Tages mit den Kollegen und habe es bisher ganz gut ausgehalten.  Schon gut, zischt Pia, die sieht wie Bergmann wieder zurück kommt. Sie beugt sich über den Tisch, während er sich setzt. Und, kennen Sie ihn?  Wen, fragt Christopher dazwischen und Bergmann wirft einen verwirrten Blick von Pia zu Christopher. Ihre Frau hat jemanden entdeckt, der dort hinten zwischen den BWLern sitzt. Ich glaube, sie meint Professor Krause. Roland Krause, mittelgroß, braunes Haar, glattrasiert, so um die 50 würde ich sagen. Er sieht Pia an, wie um zu fragen, ob ihr die Information reicht. Hatten Sie schon mal mit ihm zu tun, bohrt Pia weiter und bemerkt im gleichen Moment, dass Frau Sacher sie neugierig anstarrt. Pia wirft ihr einen ungnädigen Blick zu. Das ist ein vertrauliches Gespräch, sagt sie schnippisch und wendet sich wieder Bergmann zu. Frau Sacher schaut Christopher empört an, der mit einem strahlenden Lächeln versucht sie zu beruhigen. Meine Frau ist beruflich gerade mit einem wichtigen Fall beschäftigt und es fällt ihr schwer, loszulassen, erklärt er entschuldigend und verflucht Pia innerlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Krause habe ich noch nie ein Wort gewechselt. Ich weiß auch nicht, was genau sein Fachgebiet ist, erläutert Bergmann. Pia starrt einen Moment in die Luft. Dann sagt sie: Vielleicht sollten wir nach dem Kaffee versuchen, ihn mal näher kennen zu lernen.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Fünf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-12T18:21:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3558311/">
    <title>96: Nachtwache</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3558311/</link>
    <description>Sie hat keinen Plan, als sie im Taxi Richtung Weißbach fährt. Brigitte Dahlem ist nicht ans Telefon gegangen. Ein bisschen ist Alena froh darüber, es erspart ihr eine Erklärung, die vielleicht niemand außer ihr nachvollziehen kann. Warum ausgerechnet heute Nacht? Und was, wenn der Fahrer des Wagens nicht auftaucht? Muss sie dann doch Kaspar in Verdacht haben, der heute Nacht nicht in der Lage wäre, seinen gewohnten Platz einzunehmen? Andererseits hätte sie Brigitte Dahlem gerne von den letzten Entwicklungen erzählt. Vielleicht hätte Kaspars Verhaftung sie berührt. Vielleicht hätte sie eine Reaktion gezeigt, aus der man so etwas wie Interesse an Kaspars Schicksal entnehmen könnte. Andererseits, wie wird sie darauf reagieren, dass Kaspar Drohbriefe im Namen der RAF geschrieben hat? Was, wenn sie es ablehnt, dass jemand diese Organisation zu eigenen Zwecken benutzt? Nein, es ist sicher besser, dass Brigitte nicht den Anruf angenommen hat. Aber wo ist sie jetzt? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wagen hält ein paar Straßen von Brigitte Dahlems Wohnung entfernt und Alena steigt aus und zahlt den Fahrpreis. Als sie den Rücklichtern des Taxis hinterher sieht wird ihr bewusst, dass sie nun tatsächlich die Nacht vor dem Haus verbringen wird. Sie hat kein Handy um ein Taxi zu rufen, und weit und breit ist keine Telefonzelle zu sehen. Aber das war ja auch der Plan. Und der erste Bus fährt um 6.00 Uhr. Sie schaut auf ihre Uhr. Es ist 22.00 Uhr. Acht lange Stunden warten auf sie. 	&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam geht sie die Straße entlang. Ich habe keine Ahnung, wie der Wagen aussieht, den die Dahlem beobachtet hat, fährt ihr durch den Kopf. Brigitte Dahlem hat sich immer geweigert, Auto und Fahrer näher zu beschreiben. Trotzig sagt sie sich: irgendwie werde ich ihn schon erkennen. Zumindest wird ein Typ im Wagen sitzen und warten, genau wie ich. Aber sie kann den Gedanken nicht verhindern, dass ihre kleine Nachtwache eine Scheißidee ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Straßen sind leer. Kein Wagen fährt durch das Viertel, dass Alena im Dunkeln viel bedrohlicher vorkommt als tagsüber. Die schmutzig-weißen Fassaden der Miethäuser sind grau im Licht der Straßenlaternen. Die wenigen trockenen Büsche lösen sich in unübersichtlichen Schatten auf. Ein wenig Straßenlärm von der nahe gelegenen Bundesstraße nach Altenburg ist zu hören, aber die Wohngegend, durch die Alena zaghaft läuft, ist seltsam still.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Fünf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-11T19:01:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3547991/">
    <title>95: eine Entscheidung</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3547991/</link>
    <description>Der Tee ist kalt geworden und es hat sich eine dünne glänzende Schicht gebildet, die ein verirrtes Licht von einer der Straßenlaternen spiegelt. Die Vorhänge sind nicht zugezogen. Alena steht am Fenster und starrt in die Dämmerung. Sie hat selten das Bedürfnis zu reden, aber heute Abend ist sie ungern allein. Sogar Pia wäre jetzt eine akzeptable Alternative. Nein, eigentlich wäre Pia die einzige Alternative. Den Gedanken an Kaspar verdrängt Alena, seitdem sie das Präsidium verlassen hat. Der Schock über seine Verhaftung ist vorbei, nun begleitet ein ständiges Gefühl von Unwohlsein Alenas  Erinnerung an Kaspar. Darum weicht sie jeder gedanklichen Annäherung an ihn aus. Mehr oder weniger erfolgreich. Eher weniger erfolgreich. Kaspars Bild schiebt sich vor ihr inneres Auge und sie hört seine Stimme in ihrem Kopf. Du weißt, warum ich das tun musste.  Du Idiot, murmelt sie und die Worte verlieren sich in dem dunklen Nichts hinter ihr. Aber da ist keine Wut mehr, eher Ratlosigkeit.  Sie ist ratlos, was ihre Beziehung zu Kaspar angeht. Ratlos, ob sie ihn jemals wieder sehen soll. Ob sie sich jemals wieder wohl in seiner Gegenwart fühlen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann denkt sie: habe ich mich tatsächlich wohl bei ihm gefühlt? Sie erinnert sich an Kaspars kryptischen Bemerkungen. Worte, die in eine Richtung wiesen, der Alena nicht folgen wollte, aus Angst, dort etwas zu finden, das sie nicht sehen wollte. Schlussfolgerungen, die Kaspar selbstverständlich schienen, die aber eher Irritation in Alena ausgelöst haben. Nein, eigentlich hat sie sich nie wirklich wohl bei ihm gefühlt. Aber vermutlich war genau das der Grund für ihr Interesse. Die dunklen Seiten an Kaspar, seine schwarzen Gedanken, die verschlossenen Türen. Das ist es, was sie an Anderen sucht, was sie fasziniert und dazu bewegt, diese Menschen wieder zu treffen.  Aber Basis für eine Freundschaft ist das nicht. Auf einmal sieht Alena sehr klar. Das ist es, was Kaspar ihr immer vorgeworfen hat. Und er hatte Recht. Sie sind keine Freunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erkenntnis tut weh. Viel zu weh, um das letzte Wort zu sein. Was ist Freundschaft, überlegt Alena. Ist es ein unbestimmtes Gefühl oder entscheidet man sich dazu, Freunde zu sein? Wenn ja, aus welchen Gründen entscheidet man sich? Gelten Gründe wie ihre? Neugierde und der Versuch, mit Hilfe des Anderen in eine Welt vorzudringen, zu der sie alleine keine Tür finden kann? Zu einer Freundschaft gehört, dass man den Anderen nicht instrumentalisiert, ermahnt sie sich. Dass man versucht, auf den Anderen einzugehen, ihn zu verstehen. Ihn so akzeptiert, wie er ist. Auch wenn er langweiliger oder verrückter ist, als man es vorher erwartet hat. In diesem Moment trifft sie eine Entscheidung. Sie würde Kaspars Freund sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für eine Weile betrachtet sie den Gedanken in ihrem Kopf, dreht ihn hin und her, wie etwas Unbekanntes, Neues. Sie verspürt ein wenig Aufregung. Dann hat sie genug davon, diese neue Erfahrung zu bestaunen und fragt sich, was sie nun tun soll. Sie kann schlecht zum Präsidium fahren. Und sie weiß noch nicht einmal, ob sich Kaspar dort noch aufhält. Sie kann auch Pia nicht anrufen. Die gerade auf dieser Dinerparty ihren Spaß hat. Gut, sie wird sich wahrscheinlich langweilen, macht Alena Konzessionen. Scheinwerfer, die bis in ihr Fenster leuchten, lenken ihre Aufmerksamkeit auf die Straße. Unten fährt ein Wagen um die Ecke, wird langsamer und parkt am Straßenrand. Das erinnert sie an etwas. Der Wagen vor Brigitte Dahlems Wohnung. Ob er heute nacht wieder dort steht? Pia hat bestimmt keinen Beamten mehr in der Straße postiert, nach der Pleite von gestern nacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie denkt weiter. Wenn der Wagen heute nacht wie gewöhnlich an der Straße parkt, auf der Brigitte Dahlem wohnt, und wenn der Fahrer des Wagens etwas mit den Morden zu tun hat, dann kann Kaspar auf keinen Fall der Täter sein und dann könnte sie es Pia beweisen. Das wäre etwas, das sie für Kaspar tun könnte.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Fünf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-10T18:26:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3541125/">
    <title>94: das Essen II</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3541125/</link>
    <description>Zwischen dem Salat mit Crevetten und der asiatischen Hühnersuppe kommt sie dazu, ihre Frage an Bergmann zu stellen. Kaspar Wagenbach, wiederholt er. Ich glaube nicht, dass ich ihn kenne. Wo hat er studiert?  Ich weiß nicht, antwortet Pia, während sie die Gäste an der Tafel im Blick behält. Aber er ist ein ziemlicher Kenner der RAF. Ich dachte, er hat sich vielleicht mal an Sie gewandt. Angeblich hat er Vorlesungen an der Uni besucht, erläutert Pia in Erinnerung daran, wie sich Alena und Kaspar kennen gelernt hatten. Ich bin erst seit zwei Jahren an der Uni Altenburg, erklärt Bergmann. Pia zuckt mit den Schultern und wendet sich zur Seite, als eine Suppenschüssel vor sie gestellt wird. Kaspar Wagenbach ist der Sohn von Marianne Wagenbach, die mit Brigitte Dahlem an der Vorbereitung des Anschlages beteiligt war. Interessiert schiebt Bergmann seinen Kopf vor. Tatsächlich! Hat er seine Mutter je kennen gelernt? Wo befindet sie sich jetzt?  Sie ist tot. Selbstmord in der DDR, kurz nach dem Mauerfall. Und nein, Wagenbach hat seine Mutter nie wirklich kennen gelernt. Wie es ausschaut, hatte sie nicht viel Interesse an ihrem Sohn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christopher beugt sich zu ihr herüber. Musst du immer an die Arbeit denken? Warum entspannst du heute nicht ein wenig und befasst dich mit erfreulicheren Themen?  Was zum Beispiel, fragt Pia. Christopher sieht sie nachdenklich an. Hast du vielleicht in letzter Zeit ein interessantes Buch gelesen, über das du dich unterhalten könntest? Einen Film gesehen? Gemeinsame Bekannte? In dem Moment, in denen er die Vorschläge ausspricht, weiß er bereits, das nichts davon in Frage kommt. Pias Antwort beschränkt sich daher auf ein ironisches Heben der Augenbrauen. Und du? Kannst du dich über etwas anderes unterhalten als über abstrakten metaphysische Theoreme? Gut, vielleicht kannst du noch über die neuesten universitätspolitischen Entscheidungen diskutieren, nachdem man dich in den Ältestenrat der Uni gezwungen hat. Christopher gibt ihr einen leichten Kuss auf die Wange. Nicht sauer werden. Wir verbringen beide viel zu viel Zeit mit unserer Arbeit. Aber manchmal denke ich, dass es bei dir überhand nimmt. Dass du nicht mehr loslassen kannst. Er berührt kurz ihre Hand. Aber das müssen wir nicht jetzt besprechen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pia fängt Bergmanns Blick auf, als sie sich wieder ihrer Suppe zuwendet. Ohne Reaktion zu zeigen, sucht sie erneut die Gäste nach bekannten Gesichtern ab. Hinten an der Tafel ist ein Platz frei. Welche Fakultät sitzt dort unten am Tisch? Gegenüber der Dame, die dieses völlig geschmacklose grüne Kleid trägt, ist noch eine Lücke, fragt sie ihren Mann. Bergmann antwortet, als Christopher mit einer Kopfbewegung verneint: Die BWLer. Er grinst Christopher zu. Pragmatische Realisten, die sich mit so etwas profanem wie Wirtschaft beschäftigen. Vielleicht wissen Sie es noch nicht, aber seit einiger Zeit lehrt man das Studienfach auch an dieser Stätte der Weisheit. Quasi als Zugeständnis an die unaufhaltsame Entwicklung der Welt hin zum Moloch. Christopher lacht und Pia erkennt in den Augen ihres Mannes Sympathie für den jungen Professor. Tja, wie Sie bereits vermuten, hält das Institut für Philosophie misstrauischen Abstand zu den Wirtschaftswissenschaftlern. Er zieht eine Grimasse. Ehrlich, ich kenne fast niemanden von den Professoren. Mit einem hatte ich mal kurzzeitig zu tun, Professor Wiedenbach, und wir haben ein wenig über wirtschaftsmoralische Fragen diskutiert. Aber Ethik ist nicht mein Fachgebiet und von Wirtschaft habe ich auch keine Ahnung. Also ist uns schnell der Gesprächsstoff ausgegangen. Hungrig sieht Pia auf den Teller mit dem Hauptgericht, auf dem ein kleines Stück Lamm neben zwei winzigen Kartoffeln und einem Häufchen exotischen Gemüses liegt, das sie nicht identifizieren kann. Sie beugt sich über Christophers Teller. Wenn du das nicht mehr magst, kannst du es mir geben. Es wäre unhöflich, einen vollen Teller zurückgehen zu lassen. Christopher zieht seinen Teller aus ihrer Reichweite. Ich habe noch nicht mal angefangen zu essen, protestiert er. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seufzend beginnt Pia, das Stück Fleisch in zwei Hälften schneiden, von denen sie die eine Hälfte umgehend in ihren Mund steckt. Als sie das zarte Fleisch hinunterschluckt, beobachtet sie, wie ein mittelgroßer Mann auf den leeren Platz zugeht. Er beugt sich zu der Dame hinunter, die links daneben platziert ist und bewegt den Mund. Ein nervöser Ausdruck beherrscht sein Gesicht und Pia kann von ihrer Position an der Tafel noch den Anflug von Ärger   erkennen, mit dem er auf eine Bemerkung der Frau reagiert. Er schüttelt brüsk den Kopf und setzt sich, ohne sie weiter zu beachten. Gerade will Pia ihre Konzentration zurück auf ihren übersichtlichen Teller richten, als er noch einmal in ihre Richtung schaut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Blicke treffen sich. In Pias Kopf feuern die Synapsen, die für die visuelle Erinnerung zuständig sind. Sie schiebt ein virtuelles Foto neben den Kopf des Mannes und vergleicht die Einzelheiten, Stück für Stück. Die ovale Kopfform könnte stimmen. Braune, kurzgeschnittene Haare, die mit grauen Strähnen durchzogen sind vs. blonde lange Haare. Das Original trägt eine rahmenlose Brille und Pia kann die Augenfarbe nicht erkennen. Aber der Mund, diese weiche Form. Das leicht zurückgehende Kinn. Ihr Herz beginnt schneller zu schlagen und sie spürt, wie ihr der Jagdtrieb heiß ins Gesicht steigt. Schnell wendet sie ihren Kopf ab. Sie versucht sich zu beherrschen, spießt sorgfältig eine Kartoffel auf die Gabel und führt sie zum Mund; automatisch kaut sie darauf herum, ohne etwas zu schmecken. Dann hebt sie beiläufig ihren Kopf und fragt Bergmann: Der Typ mit den braunen Haaren, der jetzt gerade den freien Platz besetzt hat  kennen Sie den auch?</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Fünf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-09T15:57:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3536485/">
    <title>93: das Essen I</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3536485/</link>
    <description>Bergmann starrt sie atemlos an. Sie wollen jetzt aber nicht sagen, dass die RAF wieder auferstanden ist. Pia hebt die Augenbrauen. Würde Sie das freuen? Immerhin haben Sie dann mehr Material für Ihre Forschungen. Verlegen kratzt sich Bergmann am Hinterkopf. Ich bin Historiker und habe daher immer eine Mauer aus Zeit zwischen mir und meinem Untersuchungsobjekt. Und eigentlich finde ich das gar nicht so unangenehm. Pia steckt vorsichtig das Terrain ab: Ich kann Ihnen natürlich nichts Genaues darüber erzählen, da es sich um laufende Ermittlungen handelt. Aber vermutlich erzähle ich Ihnen nichts Neues, wenn ich sage, dass ganz in der Nähe von Altenburg eine ehemalige RAF-Terroristin lebt. Bergmann runzelt seine Stirn. Um wen handelt es sich?  Brigitte Dahlem, sagt Pia und wartet gespannt auf seine Reaktion. Bergmanns blassgrüne Augen starren ins Leere. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Namen schon einmal gehört habe, sagt er langsam. Pia zuckt mit den Schultern. Sie hat zu einem Kommando gehört, das aufgeflogen ist, bevor es seinen großen Coup landen konnte. Sie war trotzdem lange inhaftiert, wegen anderer terroristischer Aktivitäten im Zusammenhang mit der RAF. Bergmann lässt seinen Daumen und Mittelfinger aneinander schnappen. Der Anschlag auf die Amerikanische Botschaft Ende der 70er. Die Rache für den Selbstmord der Baader-Meinhof-Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neugierig sieht er Pia an. Wenn Sie sagen, dass Sie momentan beruflich mit der RAF zu tun haben, meinen Sie dann speziell Brigitte Dahlem? Pia macht eine vage Handbewegung. Eigentlich bin ich eher an einem der anderen Mitglieder des Kommandos interessiert. Robert Koch ist seit langem verschwunden und aus irgendeinem Grund habe ich das Gefühl, er könnte sich in Altenburg aufhalten. Bergmanns Augen weiten sich. Ihr Mann hat mir gestern ein Foto gezeigt, war das Robert Koch? Verwundert wirft Pia einen Blick auf den Rücken ihres Mannes, der ein gestenreiches Gespräch mit ein paar älteren Herren führt. Christopher hat Ihnen das Foto gezeigt? Hat er Ihnen sonst etwas erzählt? Vehementes Kopfschütteln. Er wollte nur Hintergrundinformationen über die RAF. Pia denkt nach. Sie  hatte die Bemerkung über die aktuelle berufliche Relevanz der RAF intuitiv Bergmann gegenüber gemacht. Der junge Professor kam ihr so harmlos vor, ihr Instinkt sagte ihr, dass sie nicht befürchten muss, dass er diese Neuigkeit von den Dächern posaunt. Und sie war von Anfang an bereit gewesen, kleine Köder auszuwerfen, um an Informationen zu kommen. Zum Beispiel den Namen von Brigitte Dahlem. Aber führte das tatsächlich irgendwo hin? Bergmann war Wissenschaftler, ein Schreibtischtäter. Und, haben Sie Koch auf dem Foto erkannt, fragt sie nun eher lustlos. Ein seltsamer Zug huscht über Bergmanns Gesicht. Nicht Koch direkt. Ich kenne nicht jedes einzelne Gesicht der RAF. Nach der Erfahrungen in Kaspar Wagenbachs Wohnung beruhigt Pia diese Feststellung eher. Bergmann fährt fort: Aber ich hatte das unbestimmte Gefühl, den Mann schon einmal gesehen zu haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pia ist plötzlich hellwach. Wo haben Sie ihn gesehen? Hier in Altenburg? An der Uni? Abwehrend hebt Bergmann die langfingrigen Hände. Ich weiß es nicht und bisher ist es mir auch nicht eingefallen. Vielleicht verwechsele ich ihn auch mit jemanden. Sie wissen, welche Streiche einem das Gedächtnis spielen kann. Also nageln Sie mich bitte nicht fest. Enttäuscht nickt Pia. Es wäre auch zu weit hergeholt gewesen. Aus den Augenwinkeln bemerkt sie, dass Christopher auf sie zukommt, und der Geräuschpegel im Hintergrund ändert sich. Ich sehe, Sie haben sich schon den schönsten Gast herausgepickt, aber ich möchte doch darauf hinweisen, dass es sich um meine Frau handelt, begrüßt Christopher gutgelaunt den jungen Professor und beide schütteln sich die Hände. Er ist der RAF-Experte, sagt Christopher, zu Pia gewandt. Bergmann lacht. Ich beschäftige mich allgemein mit dem zeitgenössischen Terrorismus und die RAF ist ein Teil davon. Aber das macht mich noch nicht zu einem Insider. Pia zuckt bedauernd mit den Schultern. Schade, murmelt sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Essen sitzt Bergmann ihnen gegenüber. Neben Pia thront die Ehefrau des Universitätspräsidenten, Frau Sacher, eine füllige, humorvolle Frau, die ihre 60 Jahre in einem bunten, kaftanartigen Kleid mit großem Ausschnitt präsentiert. Ein weiteres bekanntes Gesicht fällt Pia ins Auge, der hagere &lt;a href=&quot;http://krimiblogger.myblog.de/krimiblogger/art/2958547/Krimi_im_Blog_Zahlen_und_Zeichen_7&quot;&gt;Professor Arnoldson&lt;/a&gt; von der mathematischen Fakultät. Er hat sie ebenfalls entdeckt und prostet ihr unsicher mit seinem gefüllten Weinglas zu. Pia ignoriert die Geste. Sie wendet sich ihrem Mann zu. Was macht eigentlich Professor Erbacher? Erbacher war Mordverdächtiger in einem medienträchtigen Fall zu Beginn des Jahres gewesen. Christophers Mund ist dicht an ihrer Wange. Erbacher hat ein Forschungsfreisemester bekommen und wird voraussichtlich frühzeitig erimitiert. Er räuspert sich. Man hat es für geschickter gehalten, ihn ohne viel Aufhebens aus dem Verkehr zu ziehen. Die Tatsache, dass er sich mit einer Studentin eingelassen hat, hätte ihm eh das Kreuz gebrochen, auch ohne den Todesfall. Pia flüstert zurück: Der arme Professor. Ihr seid kaltschnäuzige Opportunisten. Christopher sieht sie an und grinst. Diesen Vorwurf aus deinem Mund zu hören ist irgendwie seltsam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Rede von Professor Sacher lässt Pia ihren Blick über die anwesenden Gäste schweifen, die an der langen Tafel nebeneinander platziert sind. Die Sitzordnung, die jeweils einen Herr neben einer Dame vorsieht, ergibt ein symmetrisches Farbmuster, in dem sich das Schwarz der Anzüge mit dem Bunt der Damenkleider abwechselt  und das in dem Moment gebrochen wird, wenn es auf sie und Christopher stößt, wie Pia befriedigt feststellt. Die Worte des Redners schweben an ihr vorbei, ohne dass sie ihnen folgt. Im Hintergrund warten schwarzgekleidete Bedienstete, um den ersten Gang aufzutragen. Pia hat Hunger und muss plötzlich an Kaspar Wagenbach denken, der seine Abendmahlzeit in der Untersuchungszelle wohl schon hinter sich haben dürfte. Ihr liegt auf der Zunge, Bergmann zu fragen, ob er ihn kennt, aber sie hält sich im letzten Moment zurück. Später. Dann schweifen ihre Gedanken zu Alena. Was wird Alena heute Abend tun? Sitzt sie in Dunkelheit in ihrem Wohnzimmer, das voller Bücher und Schatten ist? Denkt sie an Kaspar Wagenbach? Unwillkürlich seufzt Pia. Himmel, was für ein seltsames Paar.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Fünf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-07T17:10:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3533788/">
    <title>92: Bekanntschaft mit Bergmann</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3533788/</link>
    <description>Eine Stunde später steht sie mit einem Sektglas in der Hand im Festsaal der Universität und betrachtet versonnen die hohen Fenster, die bis an die cremefarbene, stuckverzierte Decke reichen. Kristallleuchter tauchen den Raum in honigfarbenes Licht. Die Wände sind mit rotem Brokat bespannt und auf dem Boden liegt alter dunkler Parkett. Eine langgezogene Tafel mit weißen Damasttischdecken, auf denen das goldumränderte Porzellan und schlanke Gläser angeordnet sind, steht mitten im Raum. Klavierklänge mischen sich harmonisch mit dem Gemurmel vieler Stimmen, hin und wieder ist ein klingendes Lachen zu hören. Pia würde lügen, wenn sie behaupteten würde, dass ihr die Atmosphäre nicht gefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langweilig, nicht wahr. Ein junger Typ mit blonden Haaren in einem engen dunkelroten Cordanzug ist an Pias Seite getreten. Sie sind bestimmt Frau Stein.  Stein-Bachmüller, korrigiert Pia und ein Grinsen überfliegt das schmale Gesicht des Blonden. Er hält ihr seine Hand hin und Pia betrachtet ihn stirnrunzelnd. Gehören Sie zur Universität? Das Grinsen wird breiter, aber die Hand vorsichtshalber zurück gezogen. Entschuldigen Sie, ich hätte mich vorstellen sollen. Meine Name ist Jochen Bergmann, Professor für Neuere Deutsche Geschichte. Mit einer verlegenen Geste fährt er sich durch die unordentlichen blonden Strähnen. Ich hatte in letzter Zeit interessante Gespräche mit Ihrem Mann, Professor Stein. Über den RAF-Terrorismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pia seufzt innerlich. Sie erinnert sich an ihren Vorsatz, als nette und angenehme Gesprächspartnerin aufzutreten. Den Anfang hat sie komplett versaut. Aber der in ihren Augen ungewöhnlich junge Professor scheint die Abfuhr nicht übel zu nehmen. In dem Fall kann sie sich also mühsam gespielte Höflichkeit sparen. Sie nickt daher kühl und sagt: Guten Abend. Bergmann sieht über seine Schulter. Möchten Sie etwas trinken? Sein Blick fällt auf das leere Glas in ihrer Hand. Ich hole uns noch was von dem Zeug. Er nimmt ihr das Glas aus der Hand und geht mit großen Schritten zu einer schwarz gekleideten Serviererin mit einem Tablett in der Hand. Pia beobachtet ihn amüsiert. Er ist definitiv der einzige Mann im Raum, der keinen schwarzen Anzug trägt. In Grüppchen stehen die Angehörigen der Universität mit ihren Ehefrauen zusammen und weiter hinten im Raum winkt Christopher ihr entschuldigend zu. Sie schüttelt leicht den Kopf um zu signalisieren, dass er sie problemlos allein lassen kann. Dann hält Bergmann ihr ein gefülltes Glas hin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wurde quasi gezwungen, an dem Essen teilzunehmen, erklärt er düster. Ich bin Juniorprofessor und man erwartet, dass ich mich anpasse, wenn ich meine Karriere an dieser ehrwürdigen Institution fortsetzen möchte.  Pia zuckt mitleidlos mit den Schultern. Ihr Problem. Aber Sie werden es überleben. Bergmann starrt sie neugierig an. Ihr Mann hat erzählt, dass Sie bei der Kripo arbeiten. Pia verdreht die Augen. Sie erwarten jetzt nicht von mir, dass ich Ihnen meine blutigsten Fälle erzähle. Vergessen Sie´s. Bergmann legt den Kopf zurück und lacht laut auf. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich darauf spekuliert, heute abend mit ein paar Morden unterhalten zu werden. Aber auch das werde ich überleben. Er prostet ihr zu und Pia hebt ihr Glas in seine Richtung, ehe sie einen kleinen Schluck nimmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kennen Sie Leute aus der linken, radikalen Szene, oder lesen Sie nur Bücher, fragt Pia den jungen Professor. Wieder das Grinsen. Ich lese nur Bücher. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es mir weiterhelfen würde, wenn ich mich mit den alten Recken unterhalten würde. Sein Ton ist ironisch. Dann fragt er erwartungsvoll: Und Sie, haben Sie im Laufe Ihrer Tätigkeit schon mal mit RAF-Terroristen zu tun gehabt? Kühl fragt Pia: Für wie alt halten Sie mich eigentlich? Ich war noch Berufsanfänger, als 1992 das &lt;a &gt; De-Eskalationsschreiben &lt;/a&gt; verfasst wurde. Das blasse Gesicht Bergmanns färbt sich rot und für einen Moment fehlen ihm die Worte. Pia spürt, dass sie eigentlich keine Lust hat ihn zu ärgern und setzt ein versöhnliches Lächeln auf. Lassen Sie sich nicht verunsichern. Es gehört zu meinem Beruf, dumme Gegenfragen zu stellen. Bergmanns Gesicht hellt sich wieder auf und sofort stürzt er sich auf das Stichwort, dass sie ihm unfreiwillig gegeben hatte. Interessant, dass Sie das Schreiben von 1992 erwähnen. Ich habe mich lange damit beschäftigt, weil es eine Menge über die Entwicklung der Gruppenstrukturen der späten Generationen aussagt. Pia unterbricht ihn, weil sie eigentlich mehr an der zweiten Generation interessiert ist. Ohne viel nachzudenken sagt sie: Um auf Ihre Frage zurück zu kommen: ich habe tatsächlich seit kurzem beruflich mit der RAF zu tun.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Fünf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-06T15:11:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3516299/">
    <title>91: Spiegel</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3516299/</link>
    <description>Pia betrachtet sich im Spiegel. Das neue schwarze Kleid steht ihr gut und hat den gewünschten Effekt. Sie wird Aufmerksamkeit erregen. Man wird sie mögen. Eine Unterhaltung mit ihr führen wollen. Sie lächelt ihrem Spiegelbild zu, aber das Lächeln ist künstlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alenas seltsame Bemerkung hängt in ihrem Hinterkopf. Ich dachte, Sie wollten einfach hübsch aussehen. Die Pia im Spiegel zieht eine verächtliche Grimasse, die nicht zu der zierlichen Figur im Spiegel passt. Einfach nur hübsch aussehen. Diese Zeiten sind vorbei und werden niemals zurückkehren. Heute weiß sie, mit welchen Mitteln sie ihr Ziel erreichen wird und dieses Wissen hat ihr gesamtes Leben ausgefüllt. Es besteht nur noch aus Mitteln und Zielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfach nur hübsch aussehen? Die blauen Augen im Spiegel starren forschend und kühl. Die helle, geschminkte Gesichtshaut mit den dünnen, scharfen Falten, die von der Nase zu den Mundwinkeln führen. Lippen in einer dezenten roten Farbe, eher schmal als voll. Eine gerade, nicht zu große Nase. Eine Steilfalte zwischen den Augen. Sorgfältig abgedeckte Schatten unter den Augen, deren Lider heute mit einem grauen Lidschatten betont sind. Lange, schwarz getuschte Wimpern. Waagerechte parallele Falten auf der Stirn. Die kurzen blonden Haare, die regelmäßig in Pias dunklem Blond getönt werden, um die ersten grauen Strähnen zu überdecken. Was sehe ich im Spiegelbild, fragt sich Pia. Bin ich das? Sie runzelt die Stirn. Was für eine Frage. Ist es nicht eine Lüge, dass wir im Spiegel uns selbst erkennen? Unser Aussehen ist eine Fassade, die wir selbst gestalten. Wir zeigen das, was die Anderen sehen sollen. Und vermutlich ist das alles, was da ist. Eigentlich gibt es nur diese Oberfläche, Schminke, Frisur, Kleidung. What you see is what you get. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie denkt wieder an Alenas Worte. Weisen sie darauf hin, dass Alena jemanden hinter dieser vermeintlichen Fassade sucht, jemanden der freundlicher ist, mehr Schwächen zeigt? Jemand der leichter zu mögen ist. Pia und ihr Spiegelbild schütteln den Kopf. Da ist niemand anders. Ich bin, wie ich bin, sagt Pia lautlos. Ihre Lippen bewegen sich. Sie erschrickt über die plötzliche Bewegung ihres Spiegelgesichts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einer kurzen Bewegung hebt sie indigniert die Augenbrauen. Es ist das Kleid, das ungewohnte Aussehen, das diese Gedanken angestoßen hat. Eigentlich vermeidet sie das Räsonnieren über sich selbst. Es bringt nichts, über sich selbst nachzudenken, das ist ein Kreislauf, aus dem es kein Entkommen gibt. Ich werde kein besserer Mensch dadurch, denkt sie. Und schiebt trotzig hinterher: Und eigentlich gibt es auch gar nichts zu verbessern. Der kühle Blick ihrer blauen Augen flackert leicht, als würde ein Windstoß eine Kerzenflamme berühren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bist du fertig? Christophers Stimme hinter ihr, munter und gutgelaunt. Sie lenkt ihren Blick, bis er im Spiegel neben ihr erscheint. Er pfeift leise. Himmel, du siehst klasse aus. Ist das Kleid neu? Sie nickt lächelnd und nimmt überrascht wahr, wie echt ihr Lächeln plötzlich ist. Nur Christopher lässt sie so lächeln, weiß sie plötzlich, und spürt eine warme Stelle an ihrem Herzen. Sie dreht sich zum ihm um. Gefällt es Dir? Christopher grinst erfreut, als er den herausfordernden Ton in ihrer Stimme entdeckt. Er zieht sie an sich heran und küsst sie vorsichtig auf die Lippen. Der Lippenstift ist kussecht, sagt Pia und drückt seinen Kopf wieder zu sich herunter.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Fünf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-02T12:10:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3498238/">
    <title>90: briefing</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3498238/</link>
    <description>Als sie spürt, dass sich jemand neben sie setzt, lässt sie die Hände fallen und blickt zur Seite. Pia schaut sie aufmerksam an. Wagenbach bleibt erst einmal hier. Er muss in Untersuchungshaft. Da er gestanden hat, die Briefe geschrieben zu haben, ist er automatisch Hauptverdächtiger für die Morde an Schwarz und Burg.  Warum soll er Burg getötet haben? Er hat doch gar kein Motiv, sagt Alena nervös.  Sie hat einen Kloß im Hals. Pia nickt vorsichtig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist zwar richtig, aber Burg wurde mit der gleichen Waffe erschossen wie Schwarz. Alena verkrampft ihre Hände ineinander. Pia, ich kann nicht glauben, dass Kaspar jemanden getötet hat. Die Briefe, gut, vielleicht ist er so verrückt. Aber Mord? Nein, auf keinen Fall. Ihr Stimme zittert. Ein seltsamer Ausdruck erscheint auf Pias Gesicht. Mitgefühl? Dann runzelt sie die Stirn. Sie wären überrascht, wer alles zu einem Mord fähig ist. Von der netten alten Dame, die ihre Nachbarin nicht leiden kann, bis zum langweiligen Briefmarkensammler, dem ein Sammlerkollege eine seltene Marke entwendet hat, hatte ich schon alles bei mir sitzen. Für Mord gibt es kein Gen, niemand ist determiniert zu morden oder auch nicht zu morden. Wenn man davon ausgeht, dass es einen freien Willen gibt, muss man leider auch annehmen, dass jeder einen Mord begehen kann. Alena schließt kurz die Augen. Das ist natürlich richtig. Aber trotzdem,. Ihr gehen die Argumente aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pia nickt kurz. Hören Sie, noch ist Kaspar nicht verurteilt. Und ich hatte schon einmal in Erwägung gezogen, dass der Verfasser der Briefe nicht unbedingt auch der Mörder sein muss. Gut, das Zusammentreffen von Briefen und Mord ist natürlich auffällig. Aber Schwarz hat die Briefe schließlich mehrere Monate lang erhalten, vielleicht ist es nichts weiter als Zufall. Und es gibt sicher noch eine ganze Reihe von Leuten, die Schwarz gerne tot gesehen hätten. Sie seufzt. Wenn die Briefe als Anhaltspunkt wegfallen, wird der Kreis der Verdächtigen allerdings um einiges größer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alena sieht sie hoffnungsvoll an. Meinen Sie, Sie finden den Mörder an Schwarz und können Kaspar entlasten? Pia zieht eine Grimasse. Mir wäre es lieber, wenn Sie mich nicht auch noch unter Druck setzen. Oberdorf sitzt mir schon im Nacken. Er ist übrigens überglücklich, dass wir endlich einen Verdächtigen verhaftet haben. Wenn ich jetzt mit dem Vorschlag komme, dass das Motiv völlig anders gelagert ist, verderbe ich ihm ganz sicher seinen Tag.  Immer noch besser, als den Falschen einzusperren, sagt Alena schnell. Pia steht auf. Noch ist Kaspar nicht aus dem Schneider. Wenn ich Beweise finde, die gegen ihn sprechen, ist er dran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Alena erhebt sich. Was passiert jetzt? Pia senkt ihre Stimme, als ein Beamter an ihnen vorbeigeht. Kaspars Wohnung wird nach Hinweisen durchsucht, z.B. nach der Tatwaffe, die bisher noch nicht aufgetaucht ist. Ein Trupp von der Spurensicherung hat bereits mit der Arbeit begonnen, Oberdorf wollte keine Zeit verlieren. Während dieser Zeit bleibt Kaspar in Untersuchungshaft. Sie macht ein verlegenes Gesicht. Heute passiert nicht mehr viel. Die ersten Verhöre sind abgeschlossen und mein Assistent schreibt das Protokoll. Leider muss ich ja heute Abend auf das Essen in der Uni. Wenn ich nicht gehe, ist das ein Scheidungsgrund und ich bin sicher, dafür möchte Kaspar Wagenbach nicht auch noch verantwortlich sein.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Fünf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-03-30T12:36:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://flanneryculp.twoday.net/stories/3485068/">
    <title>89: warten</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3485068/</link>
    <description>Die nächsten Stunden verschwimmen im Nebel. Alena sitzt in der Eingangshalle des Präsidiums und wartet. Sie nimmt nichts von dem wahr, was um sie herum geschieht, nicht den geschäftigen Beamten, der am Telefon hinter dem mit Panzerglas gesicherten Schalter sitzt, nicht den jungen Typen, der sich gegen die beiden Polizisten wehrt, die ihn durch die Halle zum Aufzug schleppen. Als wenn ich im Krankenhaus auf das Ende einer lebensgefährlichen Operation warte, fährt es durch ihren Kopf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaspar wird von Pia verhört. Alena muss wissen, was dann mit ihm geschieht. Sie kann jetzt nicht nach hause gehen. Nervös spielt sie mit ihren Locken, dreht sie um die Finger und zerrt an den Strähnen, bis es weh tut. Muss Kaspar über Nacht hier bleiben? Wird er angeklagt? Vor Gericht gestellt? Ihr Mund ist trocken. In der Ecke des Raumes steht ein Wasserbehälter mit kleinen, kegelförmigen Pappbechern. Sie zwingt sich dazu, einen Becher mit Wasser zu holen und fährt zusammen, als die Luftblase mit einem lauten Glucksen nach oben steigt. Hastig trinkt sie das metallisch schmeckende Wasser und füllt den Becher erneut. Sie setzt sich zurück auf den gleichen Plastikstuhl. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaspar hat die Briefe geschrieben. Nur langsam begreift Alena. Kaspar hat die Drohbriefe an Schwarz geschickt. Der anfängliche Schock weicht Wut. Du Vollidiot, denkt sie, du verdammter Schwachkopf. So ein Irrsinn. Sie verspürt den Drang gegen irgend etwas zu treten, aber sie knüllt nur den leeren Pappkegel zusammen, quetscht ihn mit aller Kraft in der Hand, bis ihre Finger weh tun. Das bringt keine Abhilfe, die Wut hämmert weiter gegen ihre Rippen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum hat sie nichts gemerkt? Warum hat er ihr nichts gesagt? Vielleicht hätte sie seine Beweggründe verstanden, wenn er sich die Mühe gemacht hätte, es ihr zu erklären. Aber hätte sie es verstanden? Hätte sie eine solche Aktion wirklich nachvollziehen können? Irgendwie bezweifelt Alena das. Es kommt ihr vollkommen irrational vor. Wie kommt Kaspar darauf, dass Schwarz nach Empfang der Briefe bereit gewesen wäre, doch mit ihm zu reden? Die Chancen wären minimal gewesen. Nein, das war nicht das einzige Motiv, denkt Alena plötzlich und ihre Wut ist wie weggeblasen. 70 Prozent war Rache. An dem Mann, von dem Kaspar überzeugt gewesen war, dass er Marianne Wagenbach so lange gejagt hatte, bis sie hinter einer unüberwindbaren Mauer Zuflucht suchen musste. Der Mann, der Kaspars Mutter endgültig aus seinem Leben entfernte. Er sollte genauso leiden, wie Kaspar gelitten hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gänsehaut kriecht über Alenas Rücken. Als Kaspar von Frau Dahlem erfahren hat, dass Schwarz seine Mutter nicht verfolgt, sondern ihr geholfen hatte, muss ihn das wie ein Schlag getroffen haben. Er hatte den Falschen gequält. Jetzt kämpft sich noch ein Gedanke unbarmherzig in den Vordergrund. Vielleicht würde Schwarz noch leben, wenn Kaspar die Briefe nicht geschrieben hätte. Die Drohbriefe waren Anlass für Schwarz gewesen, Nachforschungen aufzunehmen. Und im Zuge dieser Ermittlungen ist er erschossen worden. Er muss etwas oder jemanden aufgestört haben. Alena presst die Handballen gegen ihre Augen. Kaspar, verdammt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie denkt nicht einen Moment daran, dass Kaspar selbst der Mörder sein könnte.</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    <dc:subject>Kapitel Fünf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Flannery Culp</dc:rights>
    <dc:date>2007-03-27T16:58:00Z</dc:date>
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    <title>Nein, das ist allein auf meinem Mist gewachsen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie kommst...</title>
    <link>http://flanneryculp.twoday.net/stories/3481030/#3485045</link>
    <description>Nein, das ist allein auf meinem Mist gewachsen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie kommst du darauf, sind die einzelnen Passagen stilistisch so unterschiedlich?</description>
    <dc:creator>Flannery Culp</dc:creator>
    
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